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Nicht nur alte Menschen sind betagt

Die Ask-Force kommt zur Rettung der Deutschen Sprache und biedert dabei eine alte Frau an.

Die Ask-Force beantwortet Fragen selten vollständig.
Die Ask-Force beantwortet Fragen selten vollständig.

Man möge über Herrn A. H. aus W. denken, was man will. Aber eines ist er nicht. Und das ist treudoof. Zwar geht er in seiner Zuschrift davon aus, dass alles, was in dieser Zeitung steht, der Wahrheit entspricht. Und dennoch wagt er sich dem Frevel hinzugeben, gewisse Artikel auf ihre Richtigkeit zu hinterfragen. Zum Beispiel, als er kürzlich von der 78-jährigen Frau gelesen hat, die ihr Auto in einen Wildschutzzaun manövrierte und sich dabei leicht verletzte.

Es war weder der Unfallhergang noch der Gesundheitszustand der Lenkerin, der Herrn H. in grosse Verwunderung versetzte. Nur eines will er von der Ask-Force wissen: Wieso wird die 78-jährige Lenkerin in besagter Kurzmeldung als betagt bezeichnet? Er fragt sich, ob es eine gewisse Alterslimite gibt, ab der diese Beschreibung zutrifft. Und wenn ja, wer diese Grenze gesetzt hat.

Herr H. tat gut, sich mit dieser Frage an die Ask-Force zu wenden. Schliesslich ist in dieser Rubrik der Anspruch auf Makellosigkeit gar noch höher als im Rest dieser Zeitung. Deshalb folgt hier nun eine vollumfänglich zufriedenstellende Antwort: Wer 78 Jahre alt ist, ist betagt. Doch auch wer einiges jünger ist, ist betagt. Sogar Säuglinge können betagt sein. Denn nach unserer Auffassung von präzisem Gebrauch der deutschen Sprache setzt die Betagung nach dem ersten abgeschlossenen Tag nach der Geburt ein und wird dann im 24-Stunden-Rhythmus fortgesetzt, bis zum Zeitpunkt des Ablebens. Der Gebrauch von «betagt» als Synonym für «alt» ist demnach töricht. Wer dieser Barbarei des Sprachgebrauchs Einhalt gebieten will, bezeichnet alte Leute als Menschen im Stadium einer fortgeschrittenen Betagung.

Gut möglich, dass in frühen Tagen unserer Spezies die Betagung als offizielle Einheit zur Messung des menschlichen Alters gedient hat. Dass dies nicht mehr so ist, hat mit dem medizinischen Fortschritt zu tun. Durch diesen sind die Lebenserwartungen des Menschen markant gestiegen. Dadurch sind die Betagungs-Raten in Dimensionen geschossen, die sie für das moderne Leben zu abstrakt macht. Die oben genannte 78-jährige Frau hätte beispielsweise eine Rate von 28470 erreicht. Da Zahlen von solcher Grösse die Bürokratie überlasten, wurde die Messung des menschlichen Lebens seither in Jahren angegeben.

Weitere Fragen und Einladungen zu Tagungen gerne an: askforce@derbund.ch

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