Zum Hauptinhalt springen

«Nicht mein Präsident»

Das Verfassungs-Ja in der Türkei hat auch in Bern für Reaktionen gesorgt. Rund 50 Personen, darunter viele Kurdinnen und Kurden, demonstrierten am Montagabend.

Rund 50 Personen haben sich am Ostermontag vor der Heiliggeistkirche versammelt, um gegen das Verfassungs-Ja in der Türkei zu protestieren.
Rund 50 Personen haben sich am Ostermontag vor der Heiliggeistkirche versammelt, um gegen das Verfassungs-Ja in der Türkei zu protestieren.
gbl

«Erdogan ist nicht mein Präsident», heisst es auf diversen Schildern, welche eine Gruppe Menschen am Montagabend vor der Heiliggeistkirche zur Schau stellen. «Wir akzeptieren das Referendum nicht» ruft eine Rednerin, die Umstehenden jubeln. Die Enttäuschung über das Ja in der Türkei zum Verfassungsreferendum ist spürbar, die Zweifel über dessen Legitimität gross. In vielen kurdischen Städten sei das Militär im Einsatz gestanden und habe die Menschen an der Urne bedroht, heisst es im Kundgebungsaufruf einer Gruppe, die sich als Berner Kurden identifiziert.

«Erdogans zusätzliche Macht ist wie eine schwarze Wolke über den Kurden in der Türkei», sagt Teilnehmerin Ayse Kalkanderen. Die eingebürgerte Schweizerin mit kurdischen Wurzeln ist überzeugt, dass das Referendum manipuliert worden ist. «Diese Abstimmung war unsauber.» Sorgen macht ihr aber vor allem die Zukunft. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drängt bereits auf die rasche Wiedereinführung der Todesstrafe – Kalkanderen ist überzeugt, dass vor allem die Kurden und Kurdinnen in der Türkei darunter zu leiden haben werden. «Ich habe Angst um meine Verwandten in der Türkei.»

Unter den Demonstrierenden ist auch der kurdischstämmige Grossrat Hasim Sancar (Grüne) anzutreffen. «Die Abstimmung wurde unter undemokratischen Umständen durchgeführt», sagt er, schliesslich seien viele Medienschaffende und Mitglieder der Oppositionspartei HDP verhaftet worden. «Es ist aber bemerkenswert, dass die Regierungspartei und der Präsident trotzdem nur ein so knappes Ja erreicht haben.» Damit sei die Legitimation des Referendums in Frage gestellt – ein Erfolg für die Opposition.

Sancar hofft nun trotz allem, dass die Regierung mit der Opposition verhandeln wird. «Man muss Brücken bauen, sonst bleibt die Türkei ein gespaltenes Land.» Brücken bauen müsse man auch in der Schweiz, so Sancar, den die Risse in der türkischen Bevölkerung werden auch Auswirkungen auf die Landsleute in der Schweiz haben. «Ich rufe alle Türken und Kurden auf, friedlich zu sein und sich für demokratische Werte einzusetzen», sagt er.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch