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Nicht alles perfekt

Weihnachtsküchlein, Eierpunsch und Familienknatsch: «Was bedeutet Weihnachten für Sie?» fragten wir unsere Leser. Im Adventskalender präsentieren wir Ihnen täglich die Antworten.

Wie halten es die «Bund»-Leserinnen und -Leser mit Weihnachten?
Wie halten es die «Bund»-Leserinnen und -Leser mit Weihnachten?
Bund-Grafik

Cornelia Nussberger (53), Bern

Was bedeutet Weihnachten für Sie?

Als Teenager fand ich das Fest doof. Der Friede, fand ich, sei illusorisch, das wisse man aus den Nachrichten. Dennoch blieb ich der Tradition treu. Mit der Familie und Alleinstehenden aus dem Freundeskreis essen und trinken, singen, eine Weihnachtsgeschichte 
hören, einander beschenken und für ­Bedürftige spenden: Damit drücke ich meine Freude am nicht immer einfachen Zusammenleben aus, meine Sehnsucht und Hoffnung, dass Zustände nicht so bleiben müssen, und versuche dies den Kindern weiterzugeben.

An welches Weihnachtserlebnis erinnern Sie sich immer wieder?

Als ich ein Kind war, stellte die Familie Krippenfiguren auf. Einmal, als wir nach dem Abendessen Geschenke austauschten, blickten wir verstört auf das Jesuskind. Die Figur war nicht mehr ganz. ­Unser Hund hatte sie angeknabbert. Ausgerechnet das Jesuskind!

Welches war das schönste Weihnachtsgeschenk?

Eine Begegnung. Während eines Sprachaufenthalts in England vor 25 Jahren übte ich in einem Chor Weihnachtslieder. Wir trugen sie an einer Feier mit ausländischen Studierenden und Gästen vor. Danach gabs englische Weihnachtsküchlein (minced pies) und Tee. Unter den Gästen war ein Schwarzafrikaner aus Angola. Er sah fürchterlich aus, sein Gesicht war voller Narben: Folterspuren. Er hatte Monate zuvor die Hölle auf Erden erlebt. Mitglieder einer Befreiungsbewegung, mit der er selbst sympathisierte, hatten ihn so zugerichtet, weil er Christ war. Dieser Mann kam auf mich zu, strahlte wie ein Kind und sagte zu mir: «It’s a wonderful Christmas party!» Ich traute meinen Ohren nicht. Wie konnte er, nachdem er so viel Leid erfahren hatte, sich derart über dieses Fest freuen? Daran erinnere ich mich stets, wenn Weihnachten vor der Tür steht.

Worauf würden Sie an Weihnachten gerne verzichten?

Ich verzichte schon jetzt: auf die Vorstellung, dass es ein perfektes Fest sein muss, das in absoluter Harmonie gefeiert werden muss. Das empfinde ich als sehr befreiend.

Haben Sie einen Weihnachtswunsch für sich oder für andere?

Ich wünsche mir, dass wir unsere Hoffnung auf eine friedlichere und gerechtere Welt nicht verlieren.

Welches Rezept (Güezi, Festmenü) teilen Sie mit anderen «Bund»-Lese­rinnen und Lesern?

Da muss ich passen. Ich bin daheim nur zum Ausstechen und Bestreichen der Güezi gefragt.

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