«New York wirkt sehr inspirierend»

Die Stadt Bern schickt Rapper Greis für ein halbes Jahr nach New York. Mit DerBund.ch/Newsnet redet er über sein kommendes Album und erklärt, wie ihn Sonnenbrillen vor dem finanziellen Ruin schützen sollen.

Zieht nach New York: Greis.

Zieht nach New York: Greis.

(Bild: zvg)

Martin Erdmann@M_Erdmann

Greis, Sie haben sich gegen 56 Kulturschaffende durchgesetzt und das New York-Stipendium der Stadt Bern bekommen. Sind Sie überrascht?
Greis: Ich freue mich natürlich sehr, dass es endlich geklappt hat. Damit geht ein Kindheitstraum in Erfüllung.

Es war nicht das erste Mal, dass Sie sich für das Stipendium beworben haben?
Nein, ich habe es bereits viermal probiert. Und eigentlich bin ich auch froh darüber, dass ich die Zusage erst jetzt erhalten habe.

Inwiefern?
Das hat mit dem Alter zu tun. Meine Arbeitsweise hat sich über die Jahre verbessert. Ich kann jetzt zum Beispiel souveräner mit Schreibblockaden umgehen. Daher fühle ich mich der Situation wirklich gewachsen. Vor fünf Jahren war dies noch anders.

Wie konnten Sie die Stadt doch noch von sich überzeugen?
New York ist die Geburtsstätte der Hip-Hop Kultur und wirkt deswegen sehr inspirierend auf mich. Da ich mich mehrmals für den Aufenthalt beworben habe, habe ich nun auch klare Vorstellungen, wie ich die Zeit nutzen will.

Wie sehen diese aus?
Ich will in diesen sechs Monaten die Arbeiten an meinem neuen Album beenden. Dazu werde ich auch mit Künstlern vor Ort zusammenarbeiten.

Heisst das, dass auf dem neuen Album auch grosse Namen vertreten sind?
Nein, darauf bin ich nicht aus. Natürlich hätte ich gern ein Feature mit beispielsweise Santigold. Aber in New York kommen pro Tag etwa 7000 Rapper an, die dasselbe wollen.

New York ist für Sie nicht Neuland. Was verbindet Sie mit der Stadt?
Ich war schon mehrmals hier, um Musik zu machen. Ich wohnte in der South Bronx und schrieb Texte – darunter auch «138th Street & 4th Avenue», eine Ode an meinen dortigen Wohnort. Zudem habe ich in meiner damaligen Nachbarschaft ein Video zum Song «Nobody Move» gedreht. Aber ich war nie länger als ein paar Wochen in der Stadt. Deshalb empfinde ich es als grossen Luxus, nun sechs Monate in New York arbeiten zu können.

Wird Sie die Stadt auch sprachlich prägen? Rappt Greis künftig auf Englisch?
Vielleicht wird sich mein Englisch in dieser Zeit so verbessern, dass ich mich an englischen Texten versuchen werde. Aber der Fokus liegt nach wie vor auf Deutsch und Französisch. Ich will an meinem Handwerk feilen und Texte schreiben, die mich selber beeindrucken.

Wie könnte Sie New York musikalisch beeinflussen?
New York ist eigentlich schon seit Jahren in meiner Musik präsent. Mein Sound ist eine Mischung aus der elektronischen Musik Europas und den Breakbeats aus der Anfangszeit des Hip-Hops.

Bis zum 1. Februar dauert es noch eine Weile. Was machen Sie bis dahin?
Im Moment probe ich mit meiner Band im Frauenraum der Reitschule für anstehende Open Airs und eine Deutschland-Tour. Überraschenderweise läuft dort mein neues Album besser als in der Westschweiz. Natürlich werde ich aber New York immer im Hinterkopf haben und mich ordentlich auf die Reise vorbereiten. Ein Teil der Musik für das kommende Album ist bereits in der Entstehung begriffen.

Die Stadt Bern gibt Ihnen 18'000 Franken Taschengeld. Kommen Sie damit durch?
Das sind 3000 Franken pro Monat. Das wird reichen. Ich gehe ja nicht nach New York, um Geld auszugeben. Auf grosse Ersparnisse kann ich nicht zurückgreifen. Ich lebe eben mehr von der Hand in den Mund.

Dabei pflegen Sie mit dem Sammeln von Vintage-Sonnenbrillen ein teures Hobby.
Ja, das stimmt. Und in New York gibt es für diese Vintage-Brillen auch eine grosse Szene. Da geben Leute schon mal mehrere Tausend Franken für eine Sonnenbrille aus. Daher könnte ich zwei, drei meiner Stücke verkaufen, wenn ich in finanzielle Schwierigkeiten geraten würde.

DerBund.ch/Newsnet

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