Rot-grüner Stadt ist das «Neustadtlab» zu kommerziell

Die Stadt Bern unterstützt das Neustadtlab finanziell wieder. Deshalb soll es diesen Sommer weniger Bars geben – ganz zum Missfallen bürgerlicher Politiker.

Die Polarbar wird diesen Sommer wieder Getränke ausschenken – andere Bars bekommen keinen Platz mehr.

Die Polarbar wird diesen Sommer wieder Getränke ausschenken – andere Bars bekommen keinen Platz mehr.

(Bild: Valérie Chételat)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Letztes Jahr war für den Gemeinderat klar, dass die sommerliche Bespielung der Schützenmatte selbsttragend sein muss – und verwehrte den Künstlern auf dem Platz eine finanzielle Unterstützung. Nun hat sich das Blatt gewendet. Am Donnerstag teilte der Gemeinderat zur Überraschung vieler bürgerlicher Politiker mit, dass das Projekt dieses Jahr wieder Geld bekommt. Bis zu 80'000 Franken sichert er dem Verein Neustadtlab zu, damit dieser zwischen dem 4. August und dem 25. September die Parkfelder zwischennutzt.

Warum fliesst jetzt dieses Jahr wieder Geld? «2017 hat die fehlende finanzielle Unterstützung zu einer Verlagerung der Aktivitäten hin zu kommerziell-gastronomischen Angeboten geführt», heisst es in einer Mitteilung des Gemeinderats. Darunter habe die angestrebte Belebung und Aufwertung des Platzes gelitten. Der Beitrag solle nun wieder zu einem «vielfältigen Nutzungsmix in Kultur und soziokulturellen Aktivitäten» führen. Auf Anfrage sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried, er erhoffe sich durch die finanzielle Unterstützung eine bessere Betreuung des Platzes.

«Geschützte Werkstatt»

Die Antwort des Gemeinderats stösst einigen sauer auf, so etwa CVP-Stadtrat Michael Daphinoff: «Die Gastrobetriebe sorgten letztes Jahr dafür, dass der Platz belebt wurde.» Er sehe nicht ein, warum man jetzt torpedieren wolle, dass der Platz auch diesen Sommer gastronomisch zwischengenutzt werden könne. «Zudem konnte man letztes Jahr zeigen, dass der Ort auch ohne öffentliche Gelder für viele Menschen attraktiv gestaltet und genutzt werden kann», sagt Daphinoff.

Die finanzielle Unterstützung in dieser Höhe sei daher unnötig. Ins gleiche Horn stösst SVP-Stadtrat Alexander Feuz: «Das Kind muss mal selbst laufen lernen», sagt er. Und meint damit, dass die Stadt das Projekt bereits im Sommer 2016 mitfinanzierte. Das Neustadtlab verkomme eher zur «geschützten Werkstatt» anstatt zu einem Labor, in dem verschiedene Nutzungen ausprobiert würden, beklagt er sich.

Bereits eine genauere Vorstellung vom diesjährigen Neustadtlab hat der Künstler Juerg Luedi. Wie in den letzten Jahren koordiniert er die Aktivitäten während der acht Wochen auf dem Platz. «Dieses Jahr soll es wieder mehr Kunst und Kultur auf der Schützenmatte geben», sagt der Leiter des Neustadtlabs 2018. Die letztjährige Ausgabe habe wegen des Wegfalls der städtischen Mittel viele Bars und Foodstände angezogen und sei daher eher kommerziell ausgerichtet gewesen. Man werde aber heuer nicht alle Bars verbannen, zwei seien auch dieses Jahr auf der Schütz zu finden. Weiter sei geplant, eine «Landzunge mit Liegeflächen», eine Bühne und eine Installation mit Wasser einzurichten.

Zudem sei der Verein auch im Kontakt mit der Reitschule, die den Vorplatz im Sommer ebenfalls beleben werde. Vermehrt will Luedi dieses Jahr auch Parkplätze frei lassen, damit dort verschiedene Menschen eigene Projekte realisieren können. Zudem ist bereits klar, dass das Reitschulfestival am 27. und 28 Juli die autofreie Zeit auf der Schütz einleitet. Am 4. August werde dann die offizielle Eröffnung des Neustadtlabs gefeiert.

Die nächste Vorstudie steht an

Die Ausgabe 2018 markiere den ersten Schritt in eine voraussichtlich dreijährige Zwischennutzung der Schützenmatte, schreibt der Gemeinderat in der Mitteilung. «Damit handelt es sich bei der diesjährigen Durchführung nicht mehr um einen Pilotbetrieb wie in den Jahren 2014–2016.» Geht es nach der Stadt, soll künftig nur noch ein Drittel der bestehenden Parkplätze auf der Schützenmatte übrig bleiben. Diese wären unter anderen Handwerkern und Reisecars vorbehalten.

Ob der Parkplatz in den nächsten drei Jahren wie vom Gemeinderat vorgesehen genutzt werden kann, entscheidet sich frühestens Ende April. Dann läuft die Beschwerdefrist zur Aufhebung des grössten Teils der Parkplätze ab. Wie sich die Stadt die Nutzung der Schützenmatte in den nächsten drei Jahren vorstellt, will der Stadtpräsident zu diesem Zeitpunkt kommunizieren. Doch bereits ist klar, dass die Stadt eine Vorstudie zur Nutzung machen möchte – das geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage hervor.

Der Bund

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