Zum Hauptinhalt springen

Neue Kehrichttouren sorgen für Beschwerdeflut

Ghüder bewegt die Gemüter: Hunderte Berner beklagen sich bei der Stadt, weil Kehrichtwagen seit Anfang Woche nicht mehr zur gewohnten Zeit auffahren.

Bis 7 Uhr sollten die Müllsäcke raus: Das steht im neuen Abfallkalender.
Bis 7 Uhr sollten die Müllsäcke raus: Das steht im neuen Abfallkalender.
Valérie Chételat

Die Mitarbeiter der Berner Stadtverwaltung brauchen derzeit eine dicke Haut. Seit Anfang Woche klingelt das Telefon praktisch pausenlos: «Bei uns sind über 300 Beschwerdeanrufe von teils aufgebrachten Bürgern eingegangen», sagt Walter Matter, Leiter von Entsorgung und Recycling Bern. Darüber hinaus habe eine «nicht bezifferbare» Anzahl von E-Mails das Postfach gefüllt.

Müllsäcke bleiben länger liegen

Was ist passiert? Seit Anfang Woche fahren die 18 Berner Kehrichtwagen ihre Sammeltour durch die Quartiere nicht mehr zu den gewohnten Zeiten. So bleiben Müllsäcke an manchen Strassenzügen nun bis am Nachmittag auf den Trottoirs liegen, wo diese zuvor jahrelang bereits frühmorgens eingesammelt worden sind. Und umgekehrt.

«Anrufer beschuldigen meine Mitarbeiter, dass wir unsere Arbeit nicht getan haben», sagte Matter dem «Regionaljournal» von SRF. Die Routenänderungen hätten bei der Bevölkerung eine «ziemliche Verunsicherung» ausgelöst.

Dies obschon die Stadt Ende Dezember an sämtliche Berner Haushalte einen Informationsflyer verschickt habe. Im aktuellen Abfallkalender steht jedoch bloss, dass die Bevölkerung die Abfälle zwingend bis 7 Uhr morgens bereitstellen müsse. Die Stadt erwähnt die neuen Abholzeiten nicht explizit.

Anrufer mutieren zu Wutbürgern

Matter ist nicht wirklich überrascht ob der vielen Anrufer. «Kleinste Änderungen im Abfallregime lösen erfahrungsgemäss starke Reaktionen aus.» Wenn sie schon einmal zum Hörer gegriffen haben und die Stadtverwaltung kontakieren, mutieren manche Anrufer zu Wutbürgern: «Bei dieser Gelegenheit laden einige Berner ihren ganzen Unmut über die Stadtverwaltung ab.» Und beschwerten sich etwa ausgerechnet bei Entsorgung und Recycling über ihre Probleme mit der Kindertagesstätte.

Doch warum hat die Stadt die Routen ihrer Kehrichtwagen überhaupt geändert? Der Hauptgrund liegt in der Grünabfuhr. Diese findet neu wöchentlich und nicht mehr alle 14 Tage statt. Im Zuge dieser Anpassung habe man sämtliche Touren der 18 Kehrichtwagen analysiert und optimiert, so Matter. Und zwar querbeet durch das ganze Stadt­gebiet.

Die Kehrichtwagen holen die Grüncontainer nicht ohne Grund öfter ab. Neu dürfen auch Rüstabfalle und Speisereste in den grossen Kübeln entsorgt werden. Aus den vielen Tonnen von organischen Abfällen werden Biogas, Kompost und Flüssigdünger gewonnen.

Keine Bussen

Matter hofft, dass sich der Ärger in der Bevölkerung wegen der neuen Kehrichttouren bald legt. «Ich musste meine Mitarbeiter wegen der vielen Beschwerdetelefone schon etwas trösten.» Er rät nochmals allen Bernerinnen und Bernern, ihren Müllsack vor 7 Uhr vor die Türe zu stellen. Und betont, dass derzeit bei liegen gebliebenen Müllsäcken keine Bussen verteilt würden, wie dies unter normalen Umständen der Fall ist.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch