Neue Box gegen den Take-away-Abfallberg

Violettes Take-away-Geschirr soll die «Ghüder»-Flut eindämmen: Das in Bern gestartete Mehrweg-Projekt «Grüne Tatze» expandiert nun in die ganze Schweiz.

Das violette Take-away-Geschirr des Vereins Recircle lässt sich bis zu hundertmal verwenden. Bild: Manu Friederich

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Ob Pizzaschachtel, Salatbox oder Curry-Take-away-Geschirr: Jeden Tag verpflegen sich in Bern Tausende auf der Gasse. Die Take-away-Verpackungen verursachen einen riesigen Abfallberg – in Bern sind es jährlich über 1000 Tonnen.

Um die Müllmenge einzudämmen, wurde im Juni 2014 in Bern das Pilotprojekt «Grüne Tatze» gestartet. Bis im März 2015 testeten zwölf Betriebe den Mehrwegservice mit dem grünen Plastikgeschirr. Mit der violetten Mehrweg-Box mit dem Projektnamen «Recircle» startet Initiantin Jeanette Morath nun ein nationales Mehrwegsystem. Der Verein hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als ein schweizweit flächendeckendes Verteilnetz aufzubauen und so 50 Prozent der Take-away-Abfälle zu vermeiden.

«Besser als Styropor-Box»

Morath treibt nicht nur der Umweltaspekt an: «Das Essen schmeckt in der Box einfach besser als in einer Styroporschachtel. Feines Essen und Take-away sind längst kein Widerspruch mehr.» In Bern können die Kunden nun für ein Depot von zehn Franken etwa beim Ängelibeck, beim Restaurant Lötschberg oder bei Way to India ihr Essen in dem violetten Mehrweggeschirr beziehen und die Box danach retournieren.

Schweizweit startet die Aktion in 24 Betrieben. Dereinst könne man das Essen in Bern kaufen, im Zug nach Zürich essen und dann im teilnehmenden Restaurant zurückgeben, so Morath. Im Vergleich zum Pilotprojekt sei das System ausgereift, so Morath. Die Initianten haben die Foodbox vergrössert und mit Füllmengen-Angaben ausgerüstet.

Weiter ergänzt ein Becher das Recircle-System. Dieser kann mit einem kleinen Salat oder einem Kaffee gefüllt werden. Später soll eine Schale mit mehreren Abteilen hinzukommen. Die in der Schweiz produzierten Behälter lassen sich laut Herstellerangaben rund 100 Mal wiederverwenden.

Das Projekt wird durch eine Crowdfunding-Aktion finanziert. Die Stadt Bern hat sich mit 50'000 Franken beteiligt. Nicht von ungefähr: Das System wurde einst bei Entsorgung und Recycling (ERB) konzipiert. Das Recircle-Projekt zeige exemplarisch, wie Take-away-Betriebe künftig die von der Stadt geplante Littering-Gebühr, den sogenannten Sauberkeitsrappen, umgehen könnten. «Wer weniger Abfall produziert, wird belohnt», sagte Walter Matter, Leiter Entsorgung und Recycling Bern.

«Kunden haben Freude»

Beim Pilotversuch waren insgesamt 1350 Schalen im Umlauf. Die Zahl sei zu klein gewesen, um einen signifikanten Rückgang der Abfallmenge in der Stadt feststellen zu können, so Matter weiter. Recircle will nun die Zahl der Foodboxen massiv erhöhen. So sei man in Bern mit verschiedensten möglichen Partnern im Gespräch, etwa mit der Migros, dem Verein Berner Märit oder diversen Kantinenbetrieben. «Das System könnte sich zur Branchenlösung für Take-away-Betriebe entwickeln», führte Matter am Montag aus.

Für die Betriebe lohne sich das System auch finanziell: Er profitiere von sinkenden Kosten, weil er weniger Take-away-Geschirr benötige, sagte der Geschäftsführer von Quick Asian Food im Dezember 2014. «Auch die Kunden haben Freude, wenn es weniger Abfall gibt.» (Der Bund)

Erstellt: 16.08.2016, 07:13 Uhr

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