Nauses Drohung mit «Augenmass»

Fanmarsch

Fans des FC Basel planen am Samstag einen Marsch durch Bern. Sicherheitsdirektor Reto Nause kündigt Konsequenzen an.

Reto Nause will von den neuen Möglichkeiten des verschärften Konkordats Gebrauch machen.

Reto Nause will von den neuen Möglichkeiten des verschärften Konkordats Gebrauch machen.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Martin Erdmann@M_Erdmann

Wenn der FC Basel im Stade de Suisse gastiert, dann ist das nicht nur für die Young Boys eine schwierige Aufgabe. Mit dem Basler Mannschaftsbus rollen auch zehn Zugwaggons, die Platz für 800 Fans bieten, nach Bern. Doch dieser Extrazug könnte am Samstag nur spärlich besetzt sein. Laut der Muttenzerkurvesollen die Basler Fans nicht wie von den Berner Behörden vorgesehen am Bahnhof Wankdorf eintreffen, sondern am Hauptbahnhof ankommen und dann per Fussmarsch zum Stadion gelangen.

Für diesen Plan zeigen die Behörden wenig Verständnis. Die Kantonspolizei wendet sich mit einer Mitteilungan die Basler Fans und macht klar, dass mit der Einführung des verschärften Konkordats im Kanton Bern neue Spielregeln gelten: «Es sollte nicht sein, dass wegen ein paar Unverbesserlichen die Mehrheit der wirklichen Fans in Zukunft mit Spielauflagen betroffen sein werden!»

«Das wäre die letzte Möglichkeit»

Was hätte ein Basler Fanmarsch denn für Konsequenzen? «Ich will hier nicht spekulieren», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Er macht jedoch klar: «Uns stehen jetzt einige Mittel zur Verfügung, um solche Märsche zu unterbinden.» So kann sich Nause gut vorstellen, den Gästesektor auch einmal geschlossen zu lassen.

Und wie sieht es mit dem Entzug der Bewilligung aus, durch den das Spiel abgesagt werden müsste? «Das wäre die letzte Möglichkeit.» Zu dieser wird Nause nur im äussersten Notfall greifen. Denn durch eine Spielabsage sieht er die Young Boys als Hauptbetroffene.

Doch ist ein geplanter Fanmarsch nicht das, was Nause seit Jahren verhindern will? Was hindert ihn, am Samstag die Notbremse zu ziehen? «Wir haben immer gesagt, dass wir die Möglichkeiten des Konkordats mit Augenmass anwenden wollen.» In diesem Fall gebe es zurzeit keinen Anlass für drastische Massnahmen.

Nauses Appell an die Fans

Der letzte Basler Fanmarsch durch Bern im April verlief ohne Zwischenfälle. Was nun wenn der geplante Marsch ebenfalls friedlich verlaufen würde? Könnten Fanmärsche durch Bern wieder mit höherer behördlicher Toleranz rechnen? Nause winkt ab: «‹Friedlich› ist ein relativer Begriff. Es kommt immer zu Sachbeschädigungen und Reklamationen aus der Bevölkerung.» Zudem würden die Märsche den Verkehr behindern.

Reto Nause kann sich in Fankreisen keiner grossen Beliebtheit erfreuen. Glaubt er, dass die immer wieder vorkommenden Fanmärsche durch Bern auch als Provokation zu verstehen sind? «Meine Beliebtheit tut nichts zur Sache», sagt Nause. Für ihn zählt nur eines: «Wir bieten den Auswärtsfans mit dem Bahnhof Wankdorf die ideale Infrastruktur, um schnell und unkompliziert zum Stadion zu gelangen. Wir hoffen, dass diese Möglichkeit genutzt wird.»

«Erhöhtes Personenaufkommen» möglich

Wenn die Fans sich für einen Fussmarsch zum Stadion entscheiden würden, dann müssten sie auf reguläre Züge ausweichen. Fürchten sich die SBB vor Überlastungen? «Falls der Grossteil der Fans auf denselben Zug gehen würde, dann gäbe es wohl Stehplätze in den Waggons, auch deshalb setzen die SBB auf Extrazüge», sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. Grundsätzlich sei die Kapazität aber kein Thema. Trotzdem hofft er ebenfalls, dass sich die Basler Fans «vernünftig zeigen» und sich für den Extrazug entscheiden werden.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt