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Nause rüffelt Fiechters Soloauftritt

Ein massives Polizeiaufgebot unterband am Samstag die angekündigte Randale in der Berner Innenstadt. Nur ein Jung-SVP-Politiker tauchte auf – sehr zum Unmut des Berner Polizeidirektors.

Die Polizeipräsenz in der Innenstadt Bern ist gross.
Die Polizeipräsenz in der Innenstadt Bern ist gross.
Franziska Rothenbühler
Auf dem Waisenhausplatz stehen Gitterwagen und ein Wasserwerfer bereit.
Auf dem Waisenhausplatz stehen Gitterwagen und ein Wasserwerfer bereit.
Franziska Rothenbühler
Am späten Nachmittag verirrte sich dann doch noch ein Mann mit einem Transparent auf den Bundesplatz.
Am späten Nachmittag verirrte sich dann doch noch ein Mann mit einem Transparent auf den Bundesplatz.
Franziska Rothenbühler
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Nils Fiechter ist voll des Lobes. «Man hat sich am Samstag in der Innenstadt sehr sicher gefühlt», sagt der Politiker der Jungen SVP über das Grossaufgebot der Polizei, das am Samstag das Bild der Innenstadt prägte. Auf dem Waisenhausplatz stand ein Wasserwerfer bereit, in der ganzen Stadt waren Kastenwagen und Polizeikräfte präsent. Sie wären bereit gestanden, um Ausschreitungen zu verhindern, doch gekommen ist niemand. Weder die SVP-nahe Gruppierung Brennpunkt Schweiz, die ursprünglich gegen die «Nichtumsetzung der Masseneinwanderungsinitiative» demonstrieren wollte, noch die linksradikale Szene, die heftig gegen den geplanten Anlass mobilisiert hatte, waren in der Innenstadt zu sichten. Auch der Berner Frauenblock, der angekündigt hatte, sich zwischen Randalierer und Polizei zu stellen (der «Bund» berichtete) fehlte: Der Aufruf wurde am Samstag kurzfristig zurückgezogen.

Nur Nils Fiechter war dann am Samstagnachmittag doch mit einigen Freunden auf dem Bundesplatz anzutreffen. Er hatte mit Brennpunkt Schweiz ursprünglich zur umstrittenen Kundgebung aufgerufen, den Anlass nach den Aufrufen aus der linksradikalen Szene aber wieder abgesagt. Er habe etwaige Teilnehmer der Kundgebung über die Absage informieren wollen, erklärt Fiechter seine Anwesenheit. «Zudem wollte ich die Lage selbst beobachten.»

Fiechters Präsenz «deplatziert»

Fiechters Präsenz löste beim Stadtberner Polizeidirektor Reto Nause (CVP) wenig Begeisterung aus, wie er am Sonntag auf Anfrage sagte. «Wir hatten im Vorfeld mit den Organisatoren einen guten Dialog», so Nause. Man habe alles in die Wege geleitet, um die Kundgebung möglich zu machen. «Die Kundgebung abzusagen und dann doch auf dem Bundesplatz zu erscheinen, erscheint mir deplatziert.» Schliesslich sei Fiechter nach der Berichterstattung der vergangenen Wochen ein bekanntes Gesicht. Insbesondere stösst Nause sauer auf, dass Fiechter als Grund für die Absage der Kundgebung unter anderem angegeben habe, die Stadt Bern könne die Sicherheit nicht gewährleisten. «Vor dem Hintergrund dieser Kritik hat mich seine Anwesenheit verwundert», so Nause.

Dagegen wehrt sich wiederum Fiechter. «Herr Nause ist in der Stadt Bern sicher bekannter als ich, und er war auch beim Bundesplatz», sagt er. Fiechter lobt zudem den eigenen Verein Brennpunkt Schweiz, der dank der Absage «verhindern konnte, dass es zu Ausschreitungen oder gar Verletzten gekommen ist».

Polizeipräsenz hatte Wirkung

Ganz so erfolglos, wie es am Samstag den Anschein hatte, waren die diversen Aufrufe aber wohl nicht. Denn laut Reto Nause stellte die Polizei bei Kontrollen fest, dass sich Personen aus dem linken wie auch aus dem rechten Spektrum in der Stadt aufgehalten hätten. Eine Gruppe teilweise vermummter Personen sei auf dem Vorplatz der Reitschule beobachtet worden, zu einem Umzug kam es aber nicht. Auch Personen, die man laut Nause «dem rechtsnationalen Spektrum zuordnen kann», seien angetroffen worden. Diese seien jedoch nicht als Gruppe aufgetreten und damit weniger auffällig gewesen.

Für viele Stadtberner und Stadtbernerinnen war der Samstag eine Wiederholung von 2014, als eine Demonstration unter dem Motto «Stopp Kuscheljustiz» angekündigt worden war. Auch damals drohte ein Aufmarsch von Rechtsnationalen, auch damals wurde die Kundgebung nach Aufrufen aus der linksradikalen Szene abgesagt – und trotzdem war die Polizeipräsenz in der Innenstadt massiv. Während diese 2014 als übertrieben kritisiert worden war, liegt der Fall diesmal anders. «Unter den gegebenen Vorzeichen schien mir die Polizeipräsenz nachvollziehbar», sagt etwa Stefan Jordi, Co-Präsident der SP Stadt Bern. «Die Polizeipräsenz war weniger plakativ als 2014», sagt auch GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer. Kritik übt er einzig an den durchgeführten Kontrollen: «Ich hatte den Eindruck, dass vor allem junge Leute kontrolliert wurden – das scheint mir übertrieben.»

Für Polizeidirektor Reto Nause selbst ist der Fall klar: Der Einsatz habe sich gelohnt. «Aufgabe der Polizei war es, Kundgebungen zu verhindern – das ist auch gelungen», sagt er.

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