«Nachbarschaft kann nicht verordnet werden»

Die Stadt Bern will Nachbarn zusammenbringen, die Hilfe brauchen oder einen Dienst anbieten wollen.

Kommt die ältere Dame im ersten Stock auf ein Jass? Die Stadt Bern will Nachbarn zusammenbringen.

Kommt die ältere Dame im ersten Stock auf ein Jass? Die Stadt Bern will Nachbarn zusammenbringen. Bild: Valérie Chételat (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bewohner in Mietshäusern wissen oft kaum, wer unter ihnen lebt. Sie merken darum nicht, dass es eine ältere Dame ist, die froh wäre, wenn ihr jemand vom Einkauf Milch, Brot und ein paar Früchte mitbringen würde. Die Stadt Bern hat darum einen Dienst ins Leben gerufen, der Nachbarn zusammenbringen will. Aber gibts das nicht längst?Werden private Anbieter konkurrenziert? Nein, sagte Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB) am Dienstagabend beim Startanlass mit über 40 Personen im Kulturlokal Werkhof 102 im Stadtteil III, wo das Projekt bis Ende 2018 ausprobiert werden soll. Eine Konkurrenzierung sei nicht das Ziel von «Nachbarschaft Bern» – eher eine Ergänzung.

Die Stadt baut keine üppigen Strukturen für dieses Unterfangen auf. Vielmehr steckt eine Stiftung namens Age (Alter) dahinter. Diese schrieb einen Wettbewerb aus: «Socius – wenn Älterwerden Hilfe braucht». Die Stadt bewarb sich mit einem Konzept – und rangierte damit unter den zehn Bewerbern, die mit einem Beitrag berücksichtigt wurden.

Eisenbahner mit gleicher Idee

Bald merkten die Verantwortlichen in der Sozialdirektion, dass die Leitung der Eisenbahner-Wohngenossenschaft im Weissenstein und in Holligen eine ähnliche Idee wälzten, um ihren älteren Bewohnerinnen und Bewohnern eine bessere Lebensqualität zu bieten. Anstatt doppelt zu moppeln, taten sich die beiden zusammen. Die Stadt holte weitere Institutionen ins Boot, die im Quartier den Zugang zu den Leuten haben.

Dazu gehört die VGB, die Vereinigung Berner Gemeinwesenarbeit, die etwa Quartiertreffs betreibt. Oder die Spitex, die mit betagten Menschen in ihren Wohnungen in Kontakt kommt und Bedürfnisse sieht, diese aber aus Zeitgründen nicht selbst erfüllen kann.

Oder die Kirchgemeinde Frieden: Sie hatte einst einen eigenen Besuchsdienst, dessen Aktive nun in einem Alter seien, in dem sie gern selbst Besuch hätten, wie Präsident Robert Ruprecht ausführte; es sei schwierig, Leute für lange Engagements zu finden, für kürzere Einsätze sei es leichter. Das Angebot der Stadt steht seit diesem Sommer, ist aber noch nicht sehr bekannt.

Darum weiss die Dame im unteren Stock nicht, dass über ihr ein hilfsbereiter Mensch wohnt, der ihr gern Einkäufe nach Hause bringt, sie einmal mit dem Auto zum Arzt fährt oder mit ihr einen Jass klopft. «Nachbarschaft kann nicht verordnet werden», sagte VGB-Präsident Bruno Müller am Dienstag, auch Geld allein bringe nichts, es komme immer auf die Menschen an.

Die Organisation durch die Stadt hat einen Vorteil. Zerdeppert ein Helfer in der fremden Wohnung eine Vase, bezahlt die Haftpflichtversicherung der Stadt, ebenso die Beule am Auto, die auf einer «Dienstfahrt» entsteht. «Nachbarschaft Bern» ersetze keine Putzfrau und keine Pflege, heisst es im Konzept. Die Dienste sollen drei Stunden pro Woche und Fall nicht überschreiten.

Helfer und Hilfesuchende melden sich unter Telefon 031 321 76 50 oder via E-Mail: info@nachbarschaft-bern.ch (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2016, 06:58 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Zum Runden Leder Treffender Ersthelfer

Blog: Never Mind the Markets Der Feind, die Maschine

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...