Nach Jordi wird wohl auch künftig ein Mann die Stadt-SP mitleiten

Umstritten war die Strategie, mit der die SP unter Jordis Ägide das Stadtpräsidium verlor. Top-Favorit fürs SP-Co-Präsidium ist Peter Marbet.

Stefan Jordi bei den Wahlen im Dezember 2016.

Stefan Jordi bei den Wahlen im Dezember 2016. Bild: Franziska Rothenbuehler (Archiv)

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Fünf Jahre stand Stefan Jordi gemeinsam mit Edith Siegenthaler der Stadtberner SP vor. Im Frühling 2018 tritt er nun zurück. Seit seiner Wahl in den Grossen Rat sei die zeitliche Belastung zu gross geworden, sagt Jordi auf Anfrage. Er ziehe eine sehr positive Bilanz. «Die Partei ist auf gutem Kurs.» Die SP Stadt Bern bedauert den Rücktritt. So habe sich Jordi unter anderem «stets um ein gutes Verhältnis zu den Bündnispartnern bemüht», heisst es in einer Mitteilung.

Gerade dieses Verhältnis war aber im Zusammenhang mit der Stadtpräsidiumswahl nicht immer so rosig. Ursprünglich wollte die SP-Parteileitung neben der eigenen Kandidatin Ursula Wyss nur eine grüne Kandidatur zulassen. Erst nachdem das Rot-Grün-Mitte-Bündnis schon fast zu Grabe getragen worden war, lenkte die SP ein und liess die Kandidaturen von Franziska Teuscher (GB) und Alec von Graffenried (GFL) zu – der das Rennen für sich entschied. Es war eine herbe Niederlage für die SP, die das Stadtpräsidium 24 Jahre lang gestellt hatte. Wäre also nach den Wahlen nicht der bessere Zeitpunkt für einen Rücktritt gewesen? Jordi winkt ab: «Ich wollte die Partei weiterhin mitprägen und die Wahlen aufarbeiten», sagt er. Die Strategie verteidigt er weiterhin. «Aus damaliger Sicht haben wir so gut wie möglich verhandelt.»

Einer, der die Parteileitung und deren Wahlstrategie offen kritisiert hat, ist Alt-SP-Nationalrat Peter Vollmer. Die SP habe vor den Wahlen ein Machtgebaren an den Tag gelegt, kritisierte er damals gegenüber dem «Bund». Heute äussert sich Vollmer zurückhaltender. Zum Zeitpunkt von Jordis Rücktritt wolle er keine Kritik mehr anbringen, sagt er. Er hat aber Erwartungen an die künftige Leitung. «Ich wünsche mir, dass die Delegiertenversammlungen wieder mehr zum Ort der Auseinandersetzung werden – und nicht der Bestätigung der Parteileitung.» Gerade die Gemeindewahlen 2016 hätten «schonungsloser analysiert werden müssen», sagt Vollmer. Jordi selbst lässt das nicht gelten. «Wir haben das Vorgehen intensiv analysiert.» Alle Mitglieder seien dazu eingeladen worden und hätten an zahlreichen Anlässen mitgewirkt. «Wir haben unsere Lehren gezogen», sagt Jordi.

Siegenthaler will weitermachen

Wer auf ihn folgt, ist noch offen. Klar ist, dass die Partei wohl auch künftig von zwei Personen geführt wird. «Ich stehe der Partei auch weiterhin zur Verfügung», sagt Co-Präsidentin Edith Siegenthaler. Das löst dem Vernehmen nach nicht nur Begeisterung aus: Jordi war derjenige, der zumindest gegen aussen den Ton angab. Siegenthaler sei zu farblos, zu zurückhaltend für das Amt, ist innerhalb der SP zu hören. Siegenthaler sieht das nicht so. «Als Stefan Jordi noch im Stadtrat war, war er sicher näher an den Geschäften», sagt sie. Das habe sich aber geändert, seitdem Jordi in den Grossen Rat und sie selbst in den Stadtrat nachgerutscht sei. Die Co-Leitung habe gut funktioniert.

«Angesichts des Arbeitsaufwandes – es sind allein über 40 Sitzungen pro Jahr – macht es meiner Ansicht nach Sinn, die Führung weiterhin aufzuteilen.» Dass die Leitung künftig rein weiblich besetzt wird, sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen, es stünden aber eher Männer im Vordergrund.

Klare Absagen für die Nachfolge kommen bereits von Stadtrat Michael Sutter und Grossrat David Stampfli. Beide wollen ihre Positionen als Parteisekretär auf Stadt- respektive Kantonsebene beibehalten. Bedeckt hält sich Marieke Kruit, die Co-Fraktionspräsidentin im Stadtrat. «Die SP-Co-Leitung wäre sehr spannend und sehr reizvoll», sagt sie, ihr aktuelles Amt übe sie aber «sehr gern» aus. So dürfte Stadtrat Peter Marbet die grössten Chancen haben, in Jordis Fussstapfen zu treten. Er war nicht erreichbar. Entscheiden werden die SP-Delegierten Ende März 2018. (Der Bund)

Erstellt: 16.11.2017, 20:29 Uhr

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