«Mutter Theresa am Eigerplatz»

Im Café Calypso am Eigerplatz gibt es nur eine Biermarke, dafür Gäste jeglicher Couleur. Der Wirt Ruedi Hubacher denkt noch lange nicht ans Aufhören.

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Christian Zellweger@@chzellweger

Wenn Ruedi Hubacher mit einer Zigarette vor dem Café Calypso sitzt, kommt er kaum zum Reden. Hier an der Ecke zur Mühlemattstrasse nahe dem Eigerplatz kennt man den kleinen Mann mit dem verschmitzten Blick – und er kennt die Leute.

«Manchmal nennen sie mich die Mutter Theresa vom Eigerplatz», sagt Hubacher. Bei ihm kehren alle ein: Geschäftsleute, Schüler und Leute von der Gasse. Die Drogenabgabestelle ist gleich um die Ecke. «Wenn einer einmal nicht bezahlen kann, dann macht er das halt am nächsten Tag.»

Drogen im Lokal, das hat er hingegen nie toleriert. Natürlich schrecke die durchmischte Kundschaft auch Gäste ab. «Aber die sollen halt woanders hin», findet Hubacher. Seine Klientel und er, das sei wie eine grosse Familie. Trotz all den Unterschieden: «Es harmoniert», versichert er.

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«Schreib: Ruedi ist ein ganz guter Mensch», sagt einer der Gäste. Natürlich sei es auch vorgekommen, dass jemand seine Gutmütigkeit ausgenutzt habe, sagt Hubacher. «Es gibt schon Leute, die einen Bogen ums Calypso machen, weil sie bei mir noch Schulden haben.»

Vor fast 17 Jahren hat er das Calypso gemeinsam mit seinem Bruder Marcel übernommen. Die beiden arbeiteten bei der nahen Zürich Versicherung und waren selbst Stammgäste.

Der gelernte Konditor Ruedi Hubacher hatte bereits etwas Gastronomieerfahrung gesammelt, und als die ehemalige Wirtin fragte, ob die Brüder das Lokal übernehmen würden, sagten sie nach einigem Überlegen zu.

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«Bei der Feldschlösschen in Rheinfelden war man verwundert, warum das Calypso plötzlich so viel mehr Bier ausschenkt.» Oft ging es hoch zu und her, bei Raclette-Partys und Tombola.

Seit dem Tod von Hubachers Bruder vor zwei Jahren ist es ruhiger geworden. «Er kannte mehr Leute in der Stadt.» Hubacher selbst wohnt in Flamatt. Jetzt gibt es noch jeden ersten Freitag im Monat eine Schlagerparty.

Hubachers Vorliebe für die Musikrichtung erkennt man auch an der Dekoration im Fumoir: An den Wänden hängen Covers von Schlagerplatten, umrahmt von Lichtgirlanden. Hier im Raucherstübli treffen sich die Stammgäste.

«Solange ich gesund bin und die Gäste kommen, bleibe ich hier.»Ruedi Hubacher, Calypso-Wirt

«Ohne Fumoir gäbe es uns wahrscheinlich nicht mehr», sagt der Wirt. Als das Rauchverbot kam, konnte das Calypso das benachbarte Ladenlokal übernehmen und ausbauen. «Das war unser Glück.»

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Sonst ist vieles gleich geblieben. Im vorderen Teil ist das Lokal ein klassisches Café, mit kleinen Tischen und braun gemustertem Teppichboden.

Auch die auffällige Leuchtschrift im Stil der 1970er-Jahre über dem Eingang stammt aus Zeiten der Vorgängerin. «Wenn es schneit, leuchtet hier die ganze Strasse orange.»

?Um halb fünf ist noch nicht viel los. «Du müsstest am Abend vorbeikommen», sagt einer der Stammgäste, «dann ist es hier voll.» Jetzt sitzen die drei anwesenden Gäste einzeln an ihren Tischen, vor sich ein Bier oder ein Glas Weisswein und den «Blick».

Auch wenn es keinen Stammtisch gibt, wird eifrig diskutiert. Über die Stadt Basel, über die Young Boys und über Bier. «500 Kleinbrauereien soll es mittlerweile geben», sagt einer. Im Calypso ist man aber bei Feldschlösschen geblieben. «Ein zu grosses Bierangebot würde nicht hierherpassen», glaubt Hubacher.

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Hier gibt es aber mehr als Bier und Weisswein. Das Mittagsangebot läuft zwar nicht mehr so gut wie früher. «Die Leute haben keine Zeit mehr, holen lieber etwas bei einem Take-away oder gehen in die Kantine.»

Davon lässt sich Hubacher aber nicht entmutigen. Seine Leidenschaft ist das Backen. «Meine Käsekuchen sind weitherum bekannt.» Zum Zibelemärit steht er das ganze Wochenende in der Küche. «Bis Montagabend habe ich dann mehr als 35 Kuchen verkauft, viele auch an Firmen.»

In einem Jahr werde er pensioniert, sagt Hubacher, «eigentlich». Doch ans Aufhören denkt er nicht. «Ich wüsste ja gar nicht, was ich sonst tun sollte. Solange ich gesund bin und die Gäste kommen, bleibe ich hier.»

Der Bund

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