Mit grosser Kelle für Kinder kochen

Eine neue Quartierküche im ehemaligen Zieglerspital beliefert Berner Kitas und Tagesschulen. Gegen das vorherige Essen einer Zürcher Firma hatten Schulkinder protestiert.

Ein Mitarbeiter bereitet in der nigelnagelneuen Küche im ehemaligen Zieglerspital Polenta zu.

Ein Mitarbeiter bereitet in der nigelnagelneuen Küche im ehemaligen Zieglerspital Polenta zu.

(Bild: Nicole Philipp)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Vom frisch geernteten Rohgemüse bis zur kindergerechten Portion glasierte Rüebli: Diese Veredelung geschieht im ehemaligen Zieglerspital. Die Küche des alten Krankenhauses dient nach einem Umbau nun der Versorgung von Berner Kitas, Tagesschulen und Tagis: Gestern stellte die Stadt Bern ihre erste Quartierküche vor.

Die Küche liefert pro Tag 650 Mahlzeiten an 19 Kinderbetreuungsstätten. Die möglichst saisonalen und regionalen Zutaten kommen unverarbeitet im Spital an. «Gewisse Bioprodukte kommen wirklich direkt vom Feld», erklärt Tobias Bigler, vorher Hauptküchenchef im Berner Kursaal, jetzt Betriebsleiter der Zieglerküche.

Gemeinderätin Franziska Teuscher (links), Inés Roethlisberger, Leiterin Kompetenzzentrum Arbeit, und Betriebsleiter Tobias Bigler informieren am Donnerstagvormittag über die neue Quartierküche. (Foto: Nicole Philipp)

Von seinem früheren Job kenne er den Umgang mit grossen Essensmengen, sagt er; in der Zubereitung von Kindermahlzeiten sei der Spielraum jedoch kleiner. «Die Vorgaben sind sehr klar, hier kann man nicht mehr freestylen.» Damit meint er nicht nur die Ernährungsrichtlinien der Stadt Bern, sondern auch die genau abgestimmten Portionen, die je nach Alter der Kinder durch ein spezielles Computerprogramm verteilt werden. «An sich sind die Menüs einfach», so Bigler. «Aber diese Aufgabe gehört zum Komplexesten, was ich je gemacht habe.»

Mehr Schulkinder

Biglers Team setzt sich auch aus langzeitarbeitslosen Menschen zusammen, die ein Qualifizierungsprogramm des Kompetenzzentrums Arbeit der Stadt Bern durchlaufen. Ziel ist, dass sie eine Festanstellung im Gastrobereich finden. «Es macht mir viel Freude, dass wir hier mehrere Grundsätze unserer politischen Philosophie gleichzeitig umsetzen», sagt die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB). Das Projekt berücksichtige ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte und sei damit nachhaltig. Durch Verträge mit Drittabnehmern wolle man den Kostendeckungsgrad zu verbessern, ergänzt Sven Baumann, Generalsekretär der Sozialdirektion. Die den Eltern verrechnete Essenspauschale von neun Franken pro Tag bleibt gleich. Der Stadtrat hat beschlossen, die Mahlzeiten ab Januar 2020 sozial abgestuft zu vergünstigen.

Die Stadt setzt weiterhin auch auf Schulen und Kitas, die Essen selbst vor Ort zubereiten. Diese sorgen derzeit für die Mehrheit der täglichen Schulmahlzeiten in Bern. Um den steigenden Schulkinderzahlen gerecht zu werden, sind aber etwa im Viererfeld oder im Wyssloch weitere Quartierküchen geplant. Bisher wurden Schulen ohne eigene Küche im Auftrag der Stadt von der Zürcher Cateringfirma Menu and More beliefert. Die Zieglerküche löst diese ab.

Was Menu and More auftischte, war zwar günstiger, aber auf dem Pausenhof nicht unumstritten: Als der «Bund» vor zwei Jahren in der Tagesschule Bitzius im Schosshaldenquartier nachfragte, wurde das aus Zürich in Plastiksäcken hertransportierte Zmittag als «ungeniessbares Weltraumessen» gebrandmarkt; schliesslich reichte eine Viertklässlerin eine Protestpetition mit 60 Unterschriften ein. Die Hoffnungen um die neue Quartierküche sind gross: Die bei der Medienkonferenz anwesenden Personen aus Politik und Verwaltung betonen, das Essen sei «sehr fein», man käme gerne «jede Woche» vorbei. Franziska Teuscher gibt jedoch zu, dass man Kinder mit Essen «nicht immer beglücken» könne.

«Hat geschmeckt»

In der Tagesschule Bitzius fallen die ersten Reaktionen jedoch positiv aus: «Wir sind gut gestartet, die Logistik hat funktioniert», sagt Leiter Simon Stirnimann. Die Kinder hätten die Gerichte, die seit Schulbeginn geliefert worden seien, mehrheitlich gemocht. «Sehr positiv ist auch, dass die Portionen für Allergiker besser personalisiert sind.»

Auch am Mittagstisch Muesmatt im Länggassquartier hätten die Gerichte aus der Zieglerküche geschmeckt, so Verena Lobsiger, Hauptverantwortliche des Mittagstischs. Nur habe man etwas zu viel geliefert. «Daran werden sie noch arbeiten müssen.» Ausserdem bedauert Lobsiger, dass sie nicht mehr frischen Salat von einem privaten Anbieter bestellen darf. Die Mahlzeiten aus dem Spital werden an drei Tagen pro Woche gekocht und an die Schulen verteilt, wo sie bis zu drei Tage lang kühl gelagert und dann «regeneriert» werden. «Nach ein paar Tagen ist Salat aber einfach nicht mehr so gut», sagt sie. Lobsiger empfindet die Stadt jedoch als offen für Rückmeldungen aus den Betreuungsstätten. «Ich glaube, sie sind froh um Inputs.»

«Rückmeldungen der Betriebe sind wichtig», sagt denn auch Franziska Teuscher. «Ich gehe davon aus, dass die Quartierküche sie mit den Betreibern vor Ort diskutiert.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt