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Mit einer Menschenkette gegen das Ende

Vor der Kartonfabrik Deisswil haben 500 Menschen gegen die Schliessung des Werks protestiert. Die Firma war die wichtigste Arbeitgeberin der Region.

Gewerkschafter Pardini: Er stimmt die Gewerkschafter auf einen harten Kampf ein.
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Stefan Anderegg
Der Kampf ist vorbei, die schwarze weht Flagge als Symbol für Trauer, Wut und Ohnmacht: Deisswil wird definitiv geschlossen
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Iris Andermatt
Die Demonstranten skandierten Slogans wie «Giu le mani»: Finger weg von der Fabrik.
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Claudia Salzmann
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Rund 500 Personen haben sich am Samstag auf dem Gelände der geschlossenen Kartonfabrik Deisswil versammelt. Mit einer Menschenkette protestierten sie gegen die Schliessung der Fabrik und den Verlust von 255 Arbeitsplätzen.

Das ursprüngliche Ziel der Kundgebung, mit einer Menschenkette das ganze Fabriksgelände zu «umzäunen» gelang nicht. Für das grosse Gelände hätte es wohl über 1000 Demonstrierende gebraucht. Die Anwesenden bildeten vor dem Fabrikgebäude aber eine eindrückliche Menschenkette. Am Ende marschierten sie um das ganze Gelände herum. Dabei schwangen sie Fahnen der Gewerkschaft Unia, welche die Kundgebung unterstützte.

Mit dem Ergebnis sind die Organisatoren, die via Facebook zur Kundgebung aufriefen, zufrieden. «Es freut uns, dass so viele Menschen gekommen sind», sagte Roger D'Incan, Mitinitiator der Aktion und inzwischen ehemaliger Angestellter der Fabrik.

Vom Schliessungsentscheid der österreichischen Mutterfirma Mayr-Melnhof sind im bernischen Deisswil 255 Angestellte betroffen. D'Incan ist einer von ihnen. Er arbeitete schon seit 2004 eine Zeit lang für die Fabrik. Vor dreieinhalb Monaten kehrte er zu seinem früheren Arbeitgeber zurück. Ein anderes Angebot liess er für die Kartonfabrik Deisswil sausen, wie D'Incan erzählt. Nun seien er und seine Arbeitskollegen von einem Tag auf den andern auf die Strasse gestellt worden.

Wichtigster Arbeitgeber der Region

Für die Region ist die Kartonfabrik der wichtigste Arbeitgeber. «Meine Familie arbeitet hier in der vierten Generation», sagt Sabrina Nydegger, eine weitere Initiantin des Protests. «Wir möchten mit unserer Aktion erreichen, dass die Österreicher die Schliessung der Fabrik rückgängig machen», fügt ihre Kusine Nadine Lanz an, die dritte Mitorganisatorin. Eine andere Möglichkeit wäre, dass ein Schweizer Unternehmen die Kartonfabrik übernimmt und weiterführt.

Verschiedene Gewerkschaftsvertreter forderten in kurzen Reden den österreichischen Mutterkonzern auf, den Schliessungsentscheid zu überdenken. Die Menschen wollten keinen Sozialplan, sondern ihre Arbeitsplätze zurück, hiess es etwa. Ob aber in Deisswil je wieder Karton produziert wird, ist fraglich. Bis zum 3. Mai hat die Betriebskommission noch Zeit, um Alternativen zur Schliessung einzugeben. Dann läuft die Konsultationsfrist ab.

Die entsprechenden Arbeiten auf verschiedenen Ebenen laufen auf Hochtouren, wie Natalie Imboden, Unia-Verantwortliche für die Region Bern, sagt. «Wir müssen aufzeigen, dass es durchaus eine Perspektive gibt für die Kartonfabrik Deisswil.»

In Wien vorsprechen

Die Botschaft von Deisswil nach Wien überbringt Manfred Bachmann, der Präsident der Betriebskommission. Es gehe unter anderem darum, dem Vorstand in Österreich aufzuzeigen, dass man in Deisswil günstig fabrizieren kann, sagt Bachmann. «Es wird jedoch nicht einfach sein, den Vorstand umzustimmen.» Der Verwaltungsrat dürfte den endgültigen Entscheid dann am 10. Mai fällen.

Für die Schliessung der über 130-jährigen Fabrik machten die österreichischen Besitzer die Emissionssteuern in der Schweiz, also die CO2-Abgabe, verantwortlich. Gegen diesen Vorwurf wehrte sich das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Das Uvek gab bekannt, dass die Kartonfabrik Deisswil seit 2008 von der CO2-Abgabe befreit ist.

SDA/cls

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