Mehr Transparenz im Stadttheater gefordert

Der Stadt-Vertreter im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern hält die Forderung nach einem Pflichtenheft für sinnvoll. Neue Transparenzregeln lehnt er jedoch ab.

Die politischen Folgen des Personalzwists am Stadttheater zeichnen sich erst jetzt allmählich ab.

Die politischen Folgen des Personalzwists am Stadttheater zeichnen sich erst jetzt allmählich ab. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Finanziell hat die Absetzung von Schauspielchefin Stephanie Gräve die Stadt über 200'000 Franken gekostet (der «Bund» berichtete). Sie wurde im Januar vom Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) freigestellt. Wie hoch die politischen Folgen des Personalzwists am Berner Stadttheater sind, zeichnet sich aber erst jetzt allmählich ab. Die Fraktion GFL/EVP reicht am Donnerstag im Stadtrat drei Vorstösse ein, in denen sie unter anderem ein verbindliches Pflichtenheft für die städtischen Vertreter in Kulturinstitutionen und eine neue Transparenz-Regelung im Leistungsvertrag mit Konzert Theater Bern (KTB) fordert. Zudem will die Fraktion vom Gemeinderat wissen, was er von der Bestimmung der Nachfolge Gräves halte, sei doch die Stelle «unter der Hand» vergeben worden. «Die Steuerzahler haben ein Anrecht auf Transparenz, soweit diese keine Persönlichkeitsrechte verletzt», hält die GFL/EVP in einem der Vorstösse fest. Die Stadt solle notfalls auch von selbst informieren können, wenn KTB dies nicht für nötig erachte.

Hinter dieser Forderung steckt die Verärgerung über eine Aussage von KTB-Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel, die dieser im Zusammenhang mit den unklaren Hintergründen der Freistellung der Schauspielchefin gemacht hatte: «Für die Öffentlichkeit gibt es gar kein Anrecht auf Transparenz», sagte Weibel gegenüber dem «Bund».

«Am Anfang war das nicht klar»

Allein dieser Satz rechtfertige die Vorstösse, sagt Stadtrat Manuel C. Widmer (GFL). Weibels Aussage möge juristisch begründet sein. Aber in einer steuerfinanzierten Institution wie KTB sei Transparenz nicht nur eine juristische, sondern auch eine politische Aufgabe. «Und es ist Aufgabe des Gemeinderates, diese Transparenz herzustellen», so GFL-Stadtrat Widmer.

Im Stiftungsrat von KTB hat man nur zum Teil Verständnis für diese Forderungen. «Ich würde die Erstellung eines Pflichtenheftes für die städtischen Vertreter in den Aufsichtsgremien begrüssen», sagt Unternehmer Peter Stämpfli, der die Stadt Bern im KTB-Stiftungsrat vertritt. Er habe ein gutes Einvernehmen mit der städtischen Kulturamtsleiterin Veronica Schaller, der Informationsaustausch sei etabliert. «Am Anfang war das aber nicht geregelt.» Ein Pflichtenheft für Behörden und Delegierte könnte auch vor falschen Erwartungen schützen, sagt Stämpfli.

Appell für mehr Vertrauen

Skeptisch ist Stämpfli aber bezüglich einer Transparenzklausel im Leistungsvertrag. Und eine Information über KTB-Belange durch die Stadt in Einzelfällen lehnt er ab. «Das wäre bloss Ausdruck eines grundsätzlichen Misstrauens.» KTB sei eine privatrechtliche Institution, die mit der Stadt Ziele in einem Leistungsvertrag vereinbart habe. Um diese Ziele zu erreichen, brauche sie das Vertrauen des Gemeinderates. «Wie KTB die vereinbarten Ziele erfüllt, ist alleine die Sache von KTB.» Dies gelte zum Beispiel auch für die in den Vorstössen monierte Nachfolge in der Schauspieldirektion. So seien etwa Ausschreibungen in der Branche nicht üblich. «Gewisse Politiker gehen gar nicht davon aus, dass eine Institution wie KTB auch selber etwas lernen kann», sagt Stämpfli. Das empfinde er als stossend. (Der Bund)

Erstellt: 15.09.2016, 08:07 Uhr

Wer braucht wie viel wofür?

Jüngst hatte er im «Bund» die «teilweise saloppe Ausgabenfreudigkeit» der subventionierten Kulturinstitutionen in der Stadt Bern moniert. Nun legt Controller Urs Kummer nach. «Das Problem ist nicht die Verteilung, sondern die Verwendung der Subventionen im Kulturbereich», sagt das Mitglied der städtischen Evaluationsgruppen im Kulturbereich. Es gehe nicht an, dass etwa die Personalkosten einzelner Institutionen Jahr für Jahr höhere Dotierungen aufwiesen, obwohl beim Controlling im Vorjahr Zurückhaltung angemahnt worden sei.


Kummer fordert eine vergleichende Analyse der Verwendung von Subventionsgeldern in den Berner Kulturinstitutionen. Nur so könnten Auffälligkeiten festgestellt und Steuerungsmassnahmen ergriffen werden. «Den Verantwortlichen in den Aufsichtsgremien fehlen die Vergleichswerte, um die Höhe einzelner Ausgaben einschätzen zu können», sagt Kummer.

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