Mehr Sicherheit für Sozialamt-Angestellte im neuen Hauptsitz

Am Donnerstag wurde der neue Hauptsitz der Stadtberner Sozialhilfe eingeweiht. Besonderer Wert wurde auf die Sicherheit der Angestellten gelegt.

Anonym für die Klienten, sicher für die Angestellten: Der neue Hauptsitz des Sozialamts in Bern.

Anonym für die Klienten, sicher für die Angestellten: Der neue Hauptsitz des Sozialamts in Bern.

(Bild: Valérie Chételat)

«Die Angst spielt immer mit», sagt Felix Wolffers, Leiter des Stadtberner Sozialamts. Immer wieder sorgten Übergriffe von Sozialhilfebezügern gegenüber ihren Betreuern in den letzten Jahren landesweit für Schlagzeilen – zuletzt im August, als im zürcherischen Pfäffikon ein Mann seine Sozialhelferin auf offener Strasse erschoss. Im Sozialamt schlage Enttäuschung oft in Verzweiflung und manchmal in Aggression um, so Wolffers. Umso glücklicher sei er, dass bei den Planungen des neuen Sitzes des Sozialamtes die Sicherheit von Beginn weg höchste Priorität genossen habe.

Mit dem Umzug in das totalsanierte Gebäude an der Schwarztorstrasse 71 wurden die Sozialämter Stadtzentrum und Bümpliz vereint. Rund 160 Mitarbeiter betreuen künftig im Verwaltungsbau mit der prägenden blauen Fassade ihre Klienten. In der Tiefgarage erhält zudem die städtische Strassenreinigung einen neuen Stützpunkt. Das gesamte Projekt kostete 9,8 Millionen Franken und wurde gestern nach einjähriger Bauzeit eingeweiht.

Glastüren und Zupfzettelchen

Sozialdirektorin Edith Olibet (SP) zeigte sich «erleichtert und begeistert» ob dem neuen Kompetenzzentrum. Die Situation an den alten Standorten sei «unzumutbar» gewesen – dies sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Klienten. Gefehlt hätten vor allem Räume, welche gleichzeitig dem Bedürfnis nach Anonymität der Sozialhilfeempfänger und dem Sicherheitsbedürfnis der Sozialhelfer Rechnung trügen.

Im neuen Gebäude sind nun sämtliche Räume mit Glastüren versehen. «Hier kann niemand Gewalt anwenden, ohne dass es jemand merkt», sagte Olibet. Im Eingangsbereich sorgen zudem Sichtschutz und Sicherheitsdienst für eine Balance zwischen Anonymität und Sicherheit. Schliesslich werden die Klienten – wie in einer Postfiliale – mittels Nummernzettelchen einzeln aufgerufen und persönlich im Wartesaal abgeholt. Ohne passendes Zettelchen bleiben die Türen zum Bürotrakt verschlossen.

Ein Zeichen gestiegener Wertschätzung

Das dritte Obergeschoss schliesslich dient als Rückzugsort für die Mitarbeitenden. Neben mehreren Kursräumen soll eine Cafeteria den informellen Austausch unter den Fachleuten ermöglichen und damit Synergien zwischen den verschiedenen Abteilungen fördern. Der Umzug sei somit weit mehr als eine blosse geografische Verschiebung bestehender Angebote: «Die Berner Sozialarbeit macht den Schritt ins 21. Jahrhundert», so Wolffers vom Sozialamt.

Seit Anfang April sind die neuen Büros bezogen. Erste Rückmeldungen von Mitarbeitenden und Klienten deuten darauf hin, dass das Sicherheitsempfinden ohne entwürdigende Schikanen für die Hilfsbedürftigen merklich gesteigert werden konnte. Dass der Stadtrat 2010 das dafür nötige Geld gesprochen hat, wertet Wolffers als Zeichen der Wertschätzung gegenüber der Sozialarbeit. «Und damit wurden wir in den letzten Jahren nicht eben überhäuft», sagt er.

Der Bund

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