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Media-Markt-Demonstrant zu Geldstrafe verurteilt

Der Prozess gegen einen Protestteilnehmer zeigt, dass die Polizei die Krawallanten nicht erwischt hat.

Flashmob am Tag der Eröffnung der Media-Markt Filiale in der Markthalle Bern. «Aber ich habe nur Konfetti geworfen, als der Protest noch friedlich war», sagte der 23-jährige Mann vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland.
Flashmob am Tag der Eröffnung der Media-Markt Filiale in der Markthalle Bern. «Aber ich habe nur Konfetti geworfen, als der Protest noch friedlich war», sagte der 23-jährige Mann vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland.
Valérie Chételat (Archiv)

Er ist kein Demogänger, weder vor noch nach der Eröffnung des Media-Markts in der früheren Markthalle am Berner Bubenbergplatz hat er je an einer Demonstration teilgenommen. Aber an diesem Donnerstag im März 2015 war der 23-jährige Mann aus einer Vorortsgemeinde in die Stadt gekommen, um gegen die Eröffnung der Media-Markt-Filiale zu protestieren.

Rund 300 Leute nahmen am Protest teil, zu dem eine anonyme Gruppe unter dem Motto «Mediamarkt leerfeiern» aufgerufen hatte. Beim Feiern blieb es allerdings nicht. Schon bald flogen Eier gegen den Eingang und die Schaufenster, dann Flaschen und mitgebrachter Elektroschrott. Unter Alkoholeinfluss war die Demonstration innerhalb einer halben Stunde aus dem Ruder gelaufen, es kam zu Sachbeschädigungen, und ein Passant wurde von einer herumfliegenden Flasche verletzt.

Gemäss einem Foto war der 23-Jährige mittendrin. Nachdem die Polizei die Demonstration aufgelöst hatte, nahm sie ihn und vier weitere Personen fest. Der Mann wurde wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Weil der Verurteilte dagegen Einsprache erhob, kam es am Dienstag am Regionalgericht Bern-Mittelland zu einer Verhandlung.

Am Rande des Prozesses sagte der Mann, er sei im Gegensatz zu anderen Demo-Teilnehmern nicht einfach vor der Polizei weggerannt. Man warf ihm vor, eine Scheibe kaputt gemacht und Farbbeutel geworfen zu haben. «Das hört sich wie eine schlechte Ausrede an, aber ich habe nur Konfetti geworfen, als der Protest noch friedlich war», sagte er. Auch die Scheibe will er nicht beschädigt haben, er habe lediglich ein altes Staubsaugerrohr durch ein Loch in der Scheibe ins Innere befördert.

Während der Gerichtsverhandlung entstand der Eindruck, dass die Polizei mit ihm nicht einen der schlimmsten Krawallanten erwischt hatte. Der junge Mann war weder gewalttätig, noch provozierte er die Polizei. Er zeigte sich zudem reuig: «Im Nachhinein betrachtet, war es eine schlechte Idee, an der Demo teilzunehmen.»

«Auch für andere verantwortlich»

Aus den fünf Verhaftungen am Tag der Demonstration resultierten offenbar vier Anzeigen. Der Kollege des jungen Mannes hat den Strafbefehl akzeptiert. Gemäss Gerichtspräsidentin Christine Schaer kommt es in zwei weiteren Fällen zu Gerichtsverhandlungen. Nach den Randalen wollte die Polizei noch Videomaterial auswerten und forderte verschiedene Berner Medien zur Herausgabe von weiterem Bildmaterial auf. Ob aufgrund dieser Ermittlungen weitere Anzeigen eingegangen sind, war am Dienstag weder bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft zu erfahren.

Richterin Schaer liess im Fall des jungen Mannes, der im Gesundheitswesen arbeitet, denn auch Milde walten. Weil man ihm die Sachbeschädigung nicht nachweisen könne, sprach sie ihn von diesem Vorwurf frei. Wegen Landfriedensbruch hingegen verurteilte sie ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 2450 Franken, zudem muss er die Gerichtskosten zahlen. «Wenn man an einer Demonstration teilnimmt, ist man auch verantwortlich für das, was die anderen machen», sagte Schaer. Deshalb muss er auch einen Teil eines Fernsehers bezahlen, der bei den Protesten kaputt gegangen ist.

Media-Markt hatte dafür vor Gericht einen Schaden von rund 1700 Franken geltend gemacht. Schaer setzte sich dafür ein, dass der Mann nicht für den ganzen Betrag aufkommen muss. Media-Markt-Filialleiter Mischa Hollenstein und der Verurteilte einigten sich deshalb auf 300 Franken. «Er ist wohl nicht der typische Demogänger», sagte Hollenstein.

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