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Maturaarbeit mit Nebenwirkungen

Mit seinem Bestimmungsbuch zu den Heilpflanzen an der Emme hat Kevin Nobs aus Rüdtligen den ersten Preis des Maturawettbewerbs der Burgergemeinde Burgdorf gewonnen.

Er ist gross, zuvorkommend und wirkt auf Anhieb vertrauenswürdig. Es ist sehr leicht, sich vorzustellen, dass er dereinst eine Apotheke führen – und Erfolg haben – wird. Denn Kevin Nobs scheint nicht nur mit viel Fachwissen und einem bemerkenswerten Durchhaltewillen ausgestattet zu sein, er ist auch geschäftstüchtig. Aufgrund vorgängiger Abklärungen hat er von seiner Maturaarbeit 270 Exemplare drucken lassen, die er in Drogerien und Gemeindeverwaltungen zwischen Utzenstorf und Lützelflüh auflegen durfte. Bereits steht fest: «Es wird einen Nachdruck geben.»

Mit seiner Arbeit, die den Titel «Heilpflanzen an der Emme» trägt, hat der bald 18-jährige Gymnasiast aus Rüdtligen den Maturawettbewerb der Burgergemeinde Burgdorf gewonnen. Gestern Abend ist ihm der mit 1000 Franken dotierte Preis verliehen worden. Es sei für ihn schön, zu sehen, dass sich der grosse Aufwand gelohnt habe und sein Führer, aber auch das Thema Heilpflanzen auf Interesse stosse, sagt er.

Das Ziel war, «ein möglichst handliches, robustes und praktisches Buch» zu erarbeiten. Das ist ihm gelungen: Der Führer liegt gut in der Hand. Auf 70 mit farbigen Abbildungen versehenen Seiten beschreibt er gegen 60 Pflanzen. Nobs hat hochwertiges Papier ausgewählt und sich für extra dicke Schutzfolien entschieden. «Damit er sich nicht biegt, wenn man ihn in einer Hand hält. Das sind alles Dinge, die ich mir überlegen musste», sagt er.

Schwierige Pflanzenfotografie

Um an die Informationen zu gelangen, beschaffte er sich Stapel von Büchern und suchte Kontakt zum Kirchberger Drogisten und Heilpflanzenspezialisten Fredi Käser. Als besondere Herausforderung entpuppte sich das Fotografieren der Pflanzen. Im Frühling und Sommer letzten Jahres hat er an fast jedem Wochenende mehrere Stunden im Wald verbracht. Er wollte die Pflanzen in verschiedenen Stadien und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen aufnehmen. Während der Sommerferien und bis in den Herbst hinein verfasste er die Texte. Auch bei der Gestaltung des Buches und schliesslich bei der Zusammenarbeit mit der Druckerei habe er viel gelernt, sagt er.

Die Pflanzen an der Emme seien selbstverständlich nicht einzigartig. Einzigartig an seinem Bestimmungsbuch sei, dass es «die Heilpflanzen an unserer Emme» zusammenfasse. Ein paar spezielle Pflanzen seien aber durchaus zu finden. Der unscheinbare Aaronstab zum Beispiel, sagt er und fragt den Gesprächspartner nach dem Notizblock. Nun skizziert er einen Blütenkolben, zeichnet die weiblichen Blüten ein und veranschaulicht mit wenigen Strichen und Worten die Mechanik des komplexen Fortpflanzungssystems.

Wichtiger als die botanischen Angaben sind im Buch aber jene über die Heilwirkung der Pflanzen. Aber aufgepasst: Bei der Anwendung von Heilpflanzen sei es überaus wichtig, sich auf gute Quellen zu stützen. «Man muss sich im Klaren sein, dass es sehr giftige und gefährliche Pflanzen gibt.» In diesem Punkt gibt sich Kevin Nobs zurückhaltend. Er erklärt zwar an einem Beispiel, was passiert, wenn man Blätter einer bestimmten Pflanze zerreibt und einnimmt. Er bittet aber darum, im Zeitungsartikel keine Details zu verraten – «weil es tödlich enden kann».

Kevin Nobs nimmt diese Aspekte seines Fachs sehr ernst. Dort, wo es zu problematischen Verwechslungen kommen kann, weist er darauf hin: «Achtung», heisst es auf der Seite des «stark giftigen» Maiglöckchens in einem rot umrandeten Textkasten: «Die Blätter dürfen auf keinen Fall mit dem Bärlauch verwechselt werden.» Wer genau hinschaue, könne Bärlauchblätter zwar problemlos von jenen des Maiglöckchens unterscheiden, sagt Nobs. Aber auch hier weist er auf eine Gefahr hin, die Laien nicht ohne Weiteres erkennen. Wer Bärlauchblätter zerreibe, um sie nach dem Geruch zu bestimmen, müsse bedenken, dass mit der Zeit die Finger selber nach Bärlauch riechen.

Erkältungen «gut überstehen»

Aber es gibt auch unproblematische Anwendungen. Der Eingiffelige Weissdorn sei ein «ausgezeichnetes Herzmittel», sagt Kevin Nobs. Oder der Breitwegerich: Ein Knäuel aus Leitgefässen helfe bei Ohrenschmerzen. Oder der Wurmfarn: Ein Farnkissen sorge dafür, dass Haustiere «nie mehr Flöhe haben». Oder Farn in den Schuhen: «Das verhilft zu warmen Füssen – ich könnte ewig weitererzählen.» Die Beschäftigung mit Heilpflanzen habe seinen Horizont enorm erweitert. «Ich habe ein Auge für sie entwickelt und sehe sie nun überall.» Dieser Effekt sei allen bekannt, die sich mit einem bestimmten Thema beschäftigten, sagt er. Das Besondere an den Heilpflanzen sei aber, dass sich die meisten Menschen oft in «dieser faszinierenden Welt bewegen – aber nur die wenigsten sehen sie».

Dass er schon heute immer wieder um Tipps angegangen wird und dass er Heilpflanzen selber anwendet (um etwa Erkältungen «gut zu überstehen»), sind nicht die einzigen Nebenwirkung seiner Maturaarbeit. Er habe schon vorher daran gedacht, Pharmazie zu studieren, nun aber sei er «vollständig überzeugt». Und als Apotheker würde er selbstverständlich einen Schwerpunkt auf Naturheilmittel legen – das sei auch sinnvoll. Denn mit Naturheilmitteln seien sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Zu vielen Medikamenten gebe es natürliche Alternativen. Diese erforderten meist bloss etwas mehr Geduld, denn sie entfalteten ihre Wirkung in den meisten Fällen weniger rasch – «dafür wirken sie natürlich und haben, mit wenigen Ausnahmen, keine Nebenwirkungen».

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