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Martin Brawand: «Ich fühlte mich diskreditiert und nicht mehr handlungsfähig»

Der in die Kritik geratene Weber-Benteli-Chef sagt, er sei ab Mitte Oktober nicht mehr in die wichtigen Entscheidungen involviert gewesen.

Als im April die Münchner Beteiligungsgesellschaft Valuenet Capital Partners von der Münchner Beteiligungsgesellschaft Arques Industries AG die Druckerei Weber Benteli übernahm, teilte die Geschäftsführung mit, das vierköpfige Weber-Benteli-Management habe sich an der Übernahme beteiligt. Noch letzten Freitag hatte Martin Brawand gesagt, er halte eine Minderheitsbeteiligung. Nun räumt er auf Nachfrage ein, das Management habe «nicht direkt Anteil erworben», es hätte aber «im Falle eines Verkaufs von Liegenschaften oder der ganzen Firma eine Provision erhalten – sozusagen als Goodie». Laut Brawand hätten er, Finanzchef Bernhard Braun und Produktionsleiter Paolo Griffani in diesem Fall 5 Prozent Provision erhalten.

Brawand sagt, schon im April bei der Übernahme sei klar gewesen, dass man auf einen Verkauf hinarbeite. Er bestätigt, dass er und Finanzchef Braun sich abgekapselt hatten und dass GL-Mitglied Griffani keinen Einblick in die Zahlen bekam: «Wir machten Krisenmanagement pur, schauten, wie wir Geld reinbringen – da konnten wir nicht alle involvieren.» Das sei primär passiert, um die Leute zu schützen, nicht aus bösem Willen. Auch dass in den letzten Tagen noch BVG-Gelder einbezahlt worden seien, bestätigt Brawand. Diese verzögerte Zahlung sei mit der Kasse so abgesprochen gewesen. Brawand bestreitet, dass Aufträge systematisch zu Ringier umgelagert worden seien. «Ich habe nur den Kunden Prodega vorgewarnt; die hätten sonst letzten Montag grausam Schiffbruch erlitten.»

Streit mit Besitzern und VR

In die Verhandlungen mit Ringier war Brawand gemäss seinen Aussagen nicht bis zuletzt involviert. Gemäss seiner Darstellung kam es zwei Wochen vorher, also Mitte Oktober, zu einem Streit zwischen ihm, dem Besitzer Andreas Lukic und Verwaltungsratspräsident Matthias Übel. «Ich setzte einen Notruf ab und sagte, man müsse dringend etwas unternehmen», sagt Brawand. Er habe Sanierungsmassnahmen vorgeschlagen, die er nicht im Einzelnen nenne wolle. Als Antwort habe er ein beleidigendes Mail von Lukic erhalten. «Er hat mir geschrieben, er wolle weder geschäftlich noch privat länger mit mir verkehren», sagt Brawand. «Ich fühlte mich dadurch diskreditiert und nicht mehr handlungsfähig. Ich hatte die Nase voll, entschloss mich zur Kündigung und sah mich nach einem neuen Job um.» Lange suchen musste er offenbar nicht. Innert Wochenfrist habe er eine neue Stelle gefunden, sagt Brawand, «im Management von Swiss Printers» (Druckunternehmen von Ringier, NZZ und Edipresse).

Worum es beim Streit ging, wollte Brawand nicht sagen. Nur so viel: Die Geschäftsführung habe dem Kaufinteressenten Pluchard eine konsolidierte Bilanz vorlegen wollen, Besitzer und VR hätten entschieden, das sei «nicht nötig». Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit Ringier am 28. Oktober hätten der VR und Lukic mit Ringier weiterverhandelt, sagt Brawand. Er sei über die Details nicht im Bild; Investor Lukic sei viel seltener im Haus gewesen, als er im gestrigen «Bund»-Interview gesagt habe. Erst eine Woche vor dem Konkurs habe sich die Hoffnung auf einen Deal mit Ringier definitiv zerschlagen.

Es entziehe sich seiner Kenntnis, «ob unlauteres Geschäftsgebaren der Aktionäre mit im Spiel war», schrieb Brawand gestern in einer persönlichen Stellungnahme, er persönlich habe sich in den 18 Monaten seiner Tätigkeit «stets für die Weber Benteli AG und deren Mitarbeiter eingesetzt».

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