Mario Imhofs gewagteste Kurve

Der 65-jährige FDP-Stadtrat lässt sich im Berner Stadtparlament pensionieren. Bei den Wahlen im November will er mit einer eigenen Liste erneut antreten.

Der Ferrari-Fahrer und FDP-Politiker Mario Imhof räumt im Herbst seinen Platz im Berner Stadtparlament.

Der Ferrari-Fahrer und FDP-Politiker Mario Imhof räumt im Herbst seinen Platz im Berner Stadtparlament.

(Bild: Orlando)

Markus Dütschler

Eigentlich müsste er im Herbst den Sessel im Rathaussaal räumen. Nicht weil er das AHV-Alter erreicht hat, sondern weil es das Ratsreglement so will. Im Unterschied zum kantonalen oder nationalen Parlament, wo man derartige Beschränkungen den Parteien überlässt, heisst es hier: Drei Amtsdauern sind genug.

Doch Imhof will es bei den Wahlen im November nochmals wissen. Deshalb tritt er jetzt zurück, damit er im Herbst als «Neuer» antreten darf. Allerdings tut er das nicht auf der FDP-Liste, denn «sonst könnte ich dort einen Bisherigen gefährden», sagt er auf Anfrage. Imhof stellt die Liste «Mir si Bärn» zusammen. Wer darauf figuriert, ist noch offen. Infrage käme Jimy Hofer, ein Kollege von Imhof. Als der Rocker als Parteiloser im Stadtrat sass, kam er in der SVP-Fraktion unter, die sich «SVP-plus»-Fraktion nannte («ds Plus, das bin ig»).

Hat Imhof Herzensanliegen, die er erreichen will? Eigentlich nicht: «Aber es ist gut, wenn man einen Fuss in der Politik hat.» So wolle er weiterhin die Eisbahn auf dem Bundesplatz realisieren. Es sei leichter, als Parlamentarier mit den Amtsstellen zu konferieren denn als Aussenstehender.

FDP-Mitglied werde er bleiben, stellt Imhof klar, «denn meine Einstellung bleibt freisinnig». Es brauche im Stadtrat Leute, die wüssten, wo das Gewerbe der Schuh drücke, Leute, deren wichtigstes Trachten nicht die Verkehrsberuhigung und das Aufheben von Parkplätzen sei.

Einmal gehörte auch Imhof zu jenen, die eine Verkehrsberuhigung wollten. In seinem Vorstoss forderte er, man solle den Schleichweg Murifeldweg-Jolimontstrasse schliessen, da der Verkehr direkt vor den Haustüren der Anwohner vorbeifahre. Pikant oder auch amüsant war der Umstand, dass es sich um Imhofs eigene Strasse handelte.

Es sei, so Imhof, aber unfair, ihn ständig auf sein rotes Ferrari-Cabriolet zu reduzieren, eine Rarität, die nur tausendmal gebaut wurde. So habe er sich für eine echte Fussgängerzone in Bern eingesetzt. «Da müssten doch die Rot-Grünen dafür sein.» Seien sie aber nicht, weil in einer wirklichen Fussgängerzone keine Velos zugelassen wären.

Keiner hört dem Gegner mehr zu

Ja, die Roten und Grünen. Imhof, seit Januar 2003 im Stadtrat, erinnert sich an Zeiten, als im Parlament miteinander geredet wurde. «Man fand auf diese Weise Lösungen.» Mit den Jahren sei daraus «eine Diktatur» geworden, in der die Mehrheit der bürgerlichen Minderheit gar nicht mehr zuhöre. «Nur linkslastige Vorstösse haben noch eine Chance, sonst kann man es bleiben lassen.»

Imhof, der sich beruflich mit der Organisation von Messen befasst, wünscht sich, im Parlament wäre es so wie in der Stadtratsband Fraktionszwang, in der er mitspielt: Dort gelinge es, dass Linke und Bürgerliche einigermassen harmonisch zusammen musizierten.

Zurück zum vorzeitigen Rücktritt. Geht das überhaupt? Stadtschreiber Jürg Wichtermann klärte in der «Berner Zeitung» über die Rechtslage auf: «Man darf nicht zwölf Jahre oder länger im Parlament gewesen sein, wenn man zu den neuen Wahlen antritt.» Von daher hätte Imhof sogar erst im August zum Rückzug blasen können. Doch ist das der Sinn einer Amtszeitbeschränkung?

«Sein Rücktritt ist einerseits ein ‹Buebetrickli›, da er die Auflage der Amtszeitbeschränkung so nur pro forma erfüllt», sagt der Politologe und Berner Uni-Professor Adrian Vatter auf Anfrage. «Andererseits profitiert die Stadtberner Legislative bei ihrer sehr hohen Fluktuation davon, wenn einzelne Parlamentarier lange bleiben und damit ihr Know-how erhalten bleibt.»

Gafner: «Kapitel abgeschlossen»

Neben Imhof verlässt Jacqueline Gafner, Ratsmitglied seit 2003, die FDP-Fraktion. Heute reicht die Fürsprecherin den Rücktritt ein. Auch sie galt als harte Kritikerin der rot-grünen Regierung und fiel in den Kommissionen durch grosses Wissen auf. Auf Imhofs Liste wird man sie nicht finden. «Das Kapitel Stadtrat ist für mich abgeschlossen», so Gafner, die in Online-Kommentaren der Zeitungen zu den eifrigsten Schreiberinnen gehört.

Zwei reife FDP-Vertreter gehen – zwei junge Kräfte rutschen nach: Vivianne Esseiva und Christoph Weder. Esseiva ist die Schwester von Claudine Esseiva, die auf der FDP-Gemeinderatsliste figuriert. Die Bankmitarbeiterin hat sich laut FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher schon stark in der Partei engagiert.

Für Weder ist das Stadtratsmandat ein Sprung von der FDP-Sektion Länggasse in die Stadtpolitik. «In der Partei herrscht Aufbruchstimmung», sagt Eicher, er freue sich auf dynamische Kräfte. Im Fähnlein der sieben Aufrechten? Eicher sagt: ««Wir legen schweizweit zu, deshalb dürfen wir ab 2017 mit mehr Sitzen rechnen.»

Der Bund

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