«Man kann eine unbewilligte Party nicht einfach so auflösen»

Nach einer unbewilligten Party kommt es in Bern zu Ausschreitungen: Polizeichef Manuel Willi beurteilt den Polizeieinsatz als positiv.

Polizeichef Manuel Willi äussert sich im Nachgang der Krawalle in Bern.

Polizeichef Manuel Willi äussert sich im Nachgang der Krawalle in Bern. Bild: Archiv

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Herr Willi, in der Nacht auf Sonntag kam es nach einem unbewilligten Fest zu einem Demozug mit Krawallen, obwohl die Polizei vor Ort war. Was ist schiefgelaufen?
Manuel Willi: Es war ein äusserst anspruchsvoller Einsatz. Zum einen waren mehrere hundert Personen beteiligt, unter denen sich extrem gewaltbereite Personen befanden. Zum anderen splittete sich der Umzug immer wieder auf, wodurch mehrere Brennpunkte entstanden, die für die Einsatzkräfte schwer zu kontrollieren waren. Die gewalttätigen Teilnehmer warfen faustgrosse Steine auf die Mitarbeiter von Polizei und Feuerwehr. Wir können von Glück reden, dass nicht mehr passiert ist. Es hätte leicht Schwerverletzte geben können. Und der Einsatz war insofern erfolgreich, als dass es uns gelang, den Umzug nicht in die Innenstadt vordringen zu lassen.

Klagen aus der Bevölkerung gingen bereits während der Party auf dem Warmbächliareal ein. Warum haben Sie die Feiernden gewähren lassen?
Es ist im Rückblick schwer zu sagen, was passiert wäre, wenn wir bereits die Party aufgelöst hätten. Fakt ist, dass man eine unbewilligte Party mit so vielen Beteiligten, dazu noch in einer Bausenke und im Dunkeln, nicht einfach so auflösen kann. Die Gefahr einer Massenpanik ist zu gross. Ausserdem stellten wir vor Ort vermummte, mit Funkgeräten ausgerüstete Personen fest, die die Eingänge bewachten. Wir mussten von einem Gewaltpotenzial ausgehen. Ohne das nötige Dispositiv mit genügend Einsatzkräften lässt sich eine solche Intervention nicht machen.

Verstärkung war bestellt. Wollten Sie die Party räumen?
Wir waren in den Vorbereitungen begriffen, um zu intervenieren und die Situation betreffend Lärmklagen zu verbessern. Dann kam es aber bereits zum Umzug.

Ihre Leute haben vor Ort Demonstrantinnen und Demonstranten kontrolliert. Haben Sie Leute auf die Wache gebracht?
Die Polizisten haben vor Ort Personenkontrollen durchgeführt und Personalien aufgenommen. Zudem wurde vor Ort auch Beweismittel sichergestellt.

Sie beklagen die grosse Gewaltbereitschaft. Warum gab es keine Festnahmen?
Einerseits ist sehr schwierig, in einer so grossen, gewaltbereiten Personengruppe Täter in flagranti zu erwischen, gleichzeitig den Umzug in die Stadt zu verhindern und sich selbst zu schützen. Zudem kann ohne Hinweis auf ein schwerwiegendes Delikt oder auf Fluchtgefahr niemand einfach so festgenommen werden. Die Information, die wir vor Ort gesammelt haben, werden uns bei den Ermittlungen dienlich sein. Etwa wenn es darum geht, Bildmaterial und Personendaten abzugleichen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.05.2016, 18:00 Uhr

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