«Märggeli wöue?»

«Poller»-Kolumnist Markus Dütschler erzählt über die Freude und den Frust des Märklein-Sammelns.

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Es macht nichts, wenn Ihnen der ökonomische Begriff Duopol nichts sagt. Sie wissen trotzdem, was das ist. Wenn die Grossverteiler Migros und Coop während Jahrzehnten die Bevölkerung mit dem allermeisten versorgten, war das ein Duopol. Kein Monopol, denn dann gäbe es nur einen Grossverteiler, um den man nicht herumkäme. Beim Duopol sind es zwei.

Seit einigen Jahren dringt Aldi dazwischen, und es gibt Hausfrauen, die schwören, dass sie glatt um die 40 Prozent sparen. Ich einfacher Pollerer vermag das nicht zu beurteilen, freue mich aber wenigstens an den Cumulus- oder Superpunkten und zwischendurch an den Coop-Trophy-Märklein, die man in ein Heftli einklebt. Wenn es voll ist, kann man Produkte vergünstigt beziehen, Pfannen, Frottiertücher, Reisegepäck oder dergleichen. Das tröstet etwas über das Duopol hinweg. Aber leider nicht immer.

***

So widerfuhr es mir unlängst, dass ich an der Coop-Kasse stand und mithörte, wie die Kassiererin die Kundin vor mir fragte: «Märggeli wöue?» Die Kundin hatte für 200 Franken eingekauft, verzichtete aber schnöde auf die Märklein, packte ihre Sachen ein und verschwand. Ich dachte, nun habe meine Stunde geschlagen, und anstelle eines Lotto-Dreiers ereile mich der Profit in Gestalt von Coop-Märggeli. «Dürfte ich die Punkte meiner Vorgängerin haben?», fragte ich so charmant wie möglich. Die Kassiererin blickte mich so empört an, als hätte ich sie zu einem Schäferstündchen ins Besenkämmerlein eingeladen.

«Da hätten Sie die Kundin fragen müssen, ob sie einverstanden ist», gab die Kassiererin zurück. Aber diese habe doch ausdrücklich darauf verzichtet, sagte ich, somit sei es ihr egal, was mit ihren Punkten geschehe. «Nein, ich darf sie nur geben, wenn die Kundin einverstanden ist», sagte sie unbeirrt. Ich versuchte es noch einmal, nun weniger charmant: Die Märklein seien doch nicht abgezählt, sie verursache garantiert keinen Fehlbestand. «Auso, i gib nechs jitze, aber...», sagte die Kassiererin böse ob so viel Impertinenz. Ich steckte die Wertpapierchen ein, scheinbar triumphierend, doch wahre Freude kam bei mir nicht mehr auf.

***

Worum geht es eigentlich bei dieser Aktion? Dem Trophy-Plakat entnahm ich, dass Küchenmesser und Grillzubehör des britischen Fernsehkochs Jamie Oliver vergünstigt erstanden werden können. Dürfen wir auf unserem Balkon überhaupt grillieren? Ausserdem weiss ich aus Erfahrung, dass es bei diesen Trophy-Punkten stets einen Haken gibt. Wenn ich endlich einmal daran denke, die Punkte-Heftchen zum Einlösen mitzubringen, stelle ich fest, dass der favorisierte Artikel vergriffen ist und dass ich mit den Ladenhütern nichts anfangen kann. Oft ist es noch schlimmer. Die vollen Büchlein verschimmeln zu Hause, sodass man sie zum Aktionsende gleich dort wegwerfen kann.

Da kommt mir in den Sinn, dass ich mit Jamie Oliver ohnehin noch eine Rechnung offen habe. In seinem Londoner Lokal Fifteen liess ich vor genau zehn Jahren meinen schönen Regenmantel an der Garderobe hängen, weil es zufälligerweise nicht regnete, als ich auf die Strasse trat. Aber der Mantel wird wohl längst nicht mehr dort am Haken hängen, und den bringen mir auch 1000 Trophy-Punkte nicht zurück.

«Bund»-Redaktor Markus Dütschler mag es nicht, dass Coop seine Kassiererinnen beim Abgeben von Trophy-Punkten zu Geiz und Formalismus anstachelt. (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2017, 06:44 Uhr

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