Machtkampf in der Berner Fachhochschule

Zwischen den Departementen tobt seit Jahren ein Richtungsstreit. Ein Umzug nach Burgdorf wurde schulintern sehr wohl in Betracht gezogen – vom Rektor jedoch verschwiegen.

Der Fachhochschul-Standort im Berner Marziliquartier.

Der Fachhochschul-Standort im Berner Marziliquartier.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser
Adrian Schmid@adschmid

Bisher schien die Lage übersichtlich: Die Berner Fachhochschule (BFH) möchte die Zahl ihrer Standorte reduzieren, am liebsten auf einen einzigen in einem neuen Campus in Bern. Eine Mehrheit des Grossen Rats hingegen möchte aus standortpolitischen Überlegungen auch Biel und Burgdorf berücksichtigen.

Nun wird klar: So einfach ist es nicht. Auch innerhalb der BFH gab es starke Kräfte, die einen Umzug des Fachbereichs Wirtschaft oder sogar des gesamten Departements Wirtschaft, Gesundheit, Soziale Arbeit (WGS) nach Burgdorf für eine gute Option hielten. So schrieben die drei Leiter der Fachbereiche Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit im August 2015 einen Brief an den Schulrat, das strategische Führungsorgan der BFH. Darin stand, dass man sich einen Umzug vorstellen könne. «Für uns war die Standortfrage weniger wichtig. Im Vordergrund standen sachliche Argumente», sagt Jürg Römer, der bis Mai 2015 Leiter des Fachbereichs Wirtschaft war. Beim Schulrat und bei BFH-Rektor Herbert Binggeli sei das aber «schlecht angekommen». Dies haben sie die Fachbereichsleiter auch wissen lassen. «Binggeli war gegen den Standort Burgdorf.»

Heiss diskutiertes Politikum

Dass die WGS-Kader Sympathien für einen Umzug von Bern nach Burgdorf hatten, ist brisant. Die Frage nach den künftigen BFH-Standorten war in den vergangenen Jahren ein heiss diskutiertes Politikum. Der Grosse Rat hat 2012 entschieden, dass die Technischen Departemente in Biel konzentriert werden sollen. Gleichzeitig hat er beschlossen, dass Burgdorf trotz des Wegzugs des «Tech» Fachhochschul-Standort bleiben soll. Die BFH, die Stadt Bern und der Kanton wollten aber unbedingt, dass die Hochschule der Künste und das Departement WGS in Bern bleiben, um im Weyermannshaus einen neuen Campus bauen zu können. Im Juni 2016 hat der Grosse Rat schliesslich einem Kompromiss zugestimmt: Die BFH wird in Bern und Biel konzentriert, Burgdorf bekommt dafür die Technische Fachschule und ein noch zu schaffendes Cleantech-Kompetenzzentrum. Um das Parlament davon zu überzeugen, hat die BFH-Führung stets betont, dass sowohl ein Umzug des ganzen Departements WGS wie auch eines Teils davon für die BFH und für das Departement schädlich wäre. Auch eine organisatorische Aufteilung des Departements sei kein Thema, sagte Rektor Binggeli (siehe Text rechts).

Aufteilung ist «nicht falsch»

Anfang Woche ist publik geworden, dass nun aber genau das geplant ist. Das Departement WGS soll in drei eigenständige Departemente aufgeteilt werden. Binggeli und der bernische Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) sagen, dass das nichts daran ändere, dass die drei Bereiche am selben Standort untergebracht werden müssen, um gut zusammenarbeiten zu können. Dennoch gibt es jenen Parlamentariern Aufwind, die darauf bestehen wollten, wenigstens einen Teil des Departements WGS nach Burgdorf zu zügeln. Der ehemalige Fachbereichsleiter Römer findet die Aufteilung «sachlich nicht falsch». Ein eigenständiges Departement Wirtschaft sei für die Studierenden, Kunden und externen Partner vorzuziehen – und zwar «unabhängig vom Standort», schrieb er im Januar 2016 in einem internen Papier, das dem «Bund» vorliegt.

Mehr Unterstützung in Burgdorf

Römer hätte im Standort Burgdorf aber sogar Vorteile gesehen. Die Hauptkunden des neuen Departements Wirtschaft müssten neben dem Gesundheitssektor und der Verwaltung die mittleren Unternehmen sein. «Von denen gibt es im Emmental und Oberaargau mehr als auf dem Platz Bern.» Zudem wäre die Fachhochschule in Burgdorf mit «offenen Armen» empfangen worden und hätte mehr Unterstützung erhalten als in Bern, «wo sie im Schatten der Universität steht». Und in seinem Papier vom Januar 2016 nennt Römer noch ein weiteres Argument, das dagegen spricht, dass die Bereiche Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit zwingend am selben Ort sein müssen: Die intensivste Zusammenarbeit pflege der Fachbereich Wirtschaft mit dem Departement Technik und Informatik (das nach Biel ziehen soll) und nicht mit dem Fachbereich Gesundheit (der wie die Wirtschaft in Bern bleiben soll).

Im Streit gegangen

Römer verliess die BFH im Juli 2016 im Streit und unfreiwillig, nachdem er sich mit seinem damaligen Vorgesetzten, Departementsleiter Thomas Hodel, zerstritten hatte. Dieser war gegen eine Aufteilung des Departements. Stattdessen hätte er es zu einem Departement «Gesundheit plus» machen wollen, mit Bereichen Wirtschaft und Soziale Arbeit, die auf Gesundheitsthemen fokussiert sind. Das störte Römer. Er befürchtete, dass der Bereich Wirtschaft marginalisiert würde.

Im Dezember 2016 verliess auch Hodel die BFH. Noch in der Nacht nachdem der Schulrat die Aufteilung seines Departements beschlossen hatte, teilte er seinen Mitarbeitern per Mail mit: «Ich ziehe die Konsequenzen aus diesem Entscheid und werde die BFH verlassen. Ich bin ab heute freigestellt.»Fachhochschul-Kader haben sich für den Standort Burgdorf ausgesprochen

In der Berner Fachhochschule tobt seit Jahren ein Richtungsstreit. Einem eigenständigen Departement Wirtschaft ginge es in Burgdorf besser als in Bern, findet der ehemalige Fachbereichsleiter.

Der Bund

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