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Macherin mit Erfolg – und Achillesferse

Barbara Egger (sp) bewältigte in den letzten vier Jahren ein verheerendes Hochwasser, sicherte dem Kanton viel Bundesgeld und hatte das Parlament gut im Griff. Kritik erntet die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin aber für ihren Führungsstil.

Barbara Egger (sp), Bau-, Verkehrs und Energiedirektorin des Kantons Bern, in der Hunzigenau – einem vorbildlich renaturierten Fleckchen Erde. (Adrian Moser)
Barbara Egger (sp), Bau-, Verkehrs und Energiedirektorin des Kantons Bern, in der Hunzigenau – einem vorbildlich renaturierten Fleckchen Erde. (Adrian Moser)

Wäre Barbara Egger (sp) ein Haus, hätte sie eine prächtige Fassade – allerdings durchzogen von einigen Rissen. Die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin, die am 28. März für eine dritte Amtszeit kandidiert, kann lange über ihre Erfolge plaudern. Misserfolge fallen ihr kaum ein. Dafür Wünsche: «Neben einer rot-grünen Mehrheit wünsche ich mir eine weitere Frau im Regierungsrat. Frauen funktionieren anders als Männer, sorgen für eine andere Atmosphäre», sagt sie. Pflöcke einschlagen will Egger, welche die Wiederwahl schaffen dürfte, etwa mit einem neuen Wasserbaugesetz. Dieses soll regeln, wer wie viel zahlen muss beim Hochwasserschutz und bei Renaturierungen.

Tatsächlich hat die Regierungsrätin in den letzten vier Jahren vieles richtig gemacht. Das Parlament stimmte praktisch allen ihren Vorlagen zu, auch wenn sie einige durchpeitschen musste. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Kanton Bundesgelder bekommt für seine wichtigsten Vorhaben im öffentlichen Verkehr. «In diesem Bereich leistet sie gute Arbeit», sagt FDP-Fraktionspräsident Adrian Haas stellvertretend für bernische Politiker jeglicher Couleur.

Es gibt allerdings auch Wermutstropfen. So berichteten Eingeweihte im «Bund», dass Egger für den Ausbau des Berner Bahnhofs erst auf Druck von aussen günstigere und vielleicht sinnvollere Varianten habe prüfen lassen. Dies liess die Verkehrsdirektorin nicht auf sich sitzen: Die Regierung wandte sich an den Presserat, wo das Verfahren noch hängig ist. Im eigenen Lager stösst Eggers Einsatz für den Flughafen Bern-Belp mancherorts auf Unverständnis. Mit 5,7 Millionen Franken soll es der Kanton der Betreiberin Alpar AG ermöglichen, internationale Sicherheitsvorschriften umzusetzen. «Eggers Engagement kam uns ein wenig seltsam vor», sagt die grüne Fraktionschefin Christine Häsler. Die Regierungsrätin entgegnet, es handle sich beim Ja zum Kredit um einen Regierungsbeschluss, den sie «selbstverständlich» mittrage.

Für oder gegen Mühleberg?

Auch in der Energiepolitik kam es in letzter Zeit zu leisen Misstönen zwischen Egger und ihrem Lager. Dabei begann alles in Minne: 2008 liess sich die Regierungsrätin, die auch im Verwaltungsrat des Energiekonzerns BKW sitzt, an der BKW-Generalversammlung mit Gegnern von Kohlekraftwerken fotografieren. Auch neue Atomkraftwerke kämen für sie nicht infrage, betonte sie unmissverständlich. Letztes Jahr aber setzte sich die Regierung in einer offiziellen Stellungnahme plötzlich für den AKW-Standort Mühleberg ein. «Ich frage mich, ob dies nötig war», sagte damals die bernische SP-Präsidentin Irène Marti. «Von einer Kehrtwende kann keine Rede sein. Ich setze mich nicht für Mühleberg ein», erwidert Egger.

In Sachen Energie ist das Energiegesetz ihr prestigeträchtigstes Vorhaben der letzten vier Jahre. Erst die zweite Lesung im März wird zeigen, ob etwa eine Sanierungspflicht für Gebäude und eine Förderabgabe auf Strom eingeführt werden. Bereits wurden der Vorlage einige Zähne gezogen, wie die Lenkungsabgabe auf Strom. «Von Eggers oft beschworener Energiewende kann keine Rede sein», sagt BDP-Fraktionspräsident Dieter Widmer. «Der erste Entwurf schoss weit übers Ziel hinaus – inakzeptable Elemente enthält auch die aktuelle Vorlage», meint SVP-Fraktionschef Peter Brand. Egger gebe Gas in der Energiepolitik, sagt dagegen Häsler. Und Egger selbst ist zufrieden: «In der Politik braucht es immer Kompromisse, keine Vorlage kommt eins zu eins durch.»

«Wünsche ihr mehr Gelassenheit»

Kaum Kompromisse musste Egger als Baudirektorin machen. Debakel wie die verzögerte und teurere Sanierung der Berner Kinderklinik, Baumängel an der Frauenklinik und der einsturzgefährdete Mitholz-Tunnel nahmen ihren Anfang unter ihrer Vorgängerin – letzterer ist inzwischen saniert, ein Gerichtsverfahren läuft noch. Sonst prägten Naturgefahren Eggers Amtszeit. «Das Hochwasser von 2007 hat mich stark berührt – wie schon 2005. Auch wenn wir es schliesslich gut bewältigt haben: An solche Ereignisse gewöhnt man sich nicht», sagt sie. Beim Hochwasserschutz gelang es ihr ebenfalls, dem Kanton Bundesgelder zu sichern und grosse Projekte anzustossen. Blitzschnell und erstaunlich unbürokratisch liess die Baudirektion zudem letztes Jahr einen Stollen bauen, der das Lütschinental nun vor dem Grindelwalder Gletschersee schützt.

Trotz dieser positiven Bilanz, und obwohl auch viele bürgerliche Politiker ihre Dossierkenntnis und ihren Gestaltungswillen loben, hat die Regierungsrätin eine Achillesferse. «Ihre Kritikresistenz ist hoch», sagt Widmer. Sie nehme vieles persönlich, habe mehr Führungsprobleme als andere Regierungsräte. «Ihre rechthaberische Tendenz könnte zum Stolperstein werden. Das Parlament lässt sich das nicht ewig bieten.» Die Tatsache, dass überdurchschnittlich viele Kadermitarbeiter ihre Direktion nach kurzer Zeit verliessen, sei schlecht für den Kanton. Auch Brand fürchtet, Eggers mangelnde Kritikfähigkeit könnte sich auf Sachgeschäfte auswirken. Und Haas wünscht der Regierungsrätin «etwas mehr Gelassenheit».

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