Linsengericht ohne Hassprediger

Bei ayurvedischer Kost lernt Berns Stadtrat eine Einrichtung kennen, die er unterstützt hat, aber kaum kennt.

Im Haus der Religionen haben auch die Hindus einen Tempel.

Im Haus der Religionen haben auch die Hindus einen Tempel. Bild: Tobias Anliker

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Wenn sich Berns Stadtrat nach der letzten Sitzung zum Schlussessen trifft, hat es ein Ende mit der Streiterei. Man setzt sich in der Beiz nicht fraktionsweise hin, sondern prostet dem politischen Gegner am gleichen Tisch zu. Zudem werden die Dienste des Ratsvorsitzenden verdankt, dessen Amtsjahr abläuft. «Christoph ‹the machine› Zimmerli», sagt Zimmerlis Parteifreund, FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher, sei ein «strenger, effizienter und unerbittlicher Ratspräsident» gewesen – einmal habe er sogar Stadtpräsident Alec von Graffenried das Wort abgeklemmt. Staatsrechtlich gesehen steht er über dem Stapi.

Zu Gast ist man im Haus der Religionen am Europaplatz. Einst hatte der Stadtrat gar einen Beitrag für diese weltweit einzigartige Institution beschlossen, doch waren viele Stadträte noch nie hier. Die Idee kam von Zimmerli: Er wollte das «Symbol des friedlichen Zusammenlebens» zeigen – denn er sei, so sagt er dem «Bund» – «nicht der typische FDPler mit Anzug und so».

Mit von der Partie sind an diesem Anlass oft auch die ehemaligen Stadtratspräsidenten und -präsidentinnen. Der Berichterstatter fragt sich, was es über ihn aussagt, wenn er diese Vorsitzenden von anno Tobak alle kennt, jedoch nicht die aktuellen Jungpolitiker, die sich ihm ungezwungen mit Vornamen vorstellen.

An einem Tisch unterhalten sich zwei Stadträtinnen pädagogisch mit zwei SVP-Kontrahenten. Erich Hess weist stolz auf sein Politiker-Rating in der NZZ hin, in dem er – in seiner Funktion als Nationalrat – am ganz rechten Rand eingestuft wird. «Erich, wer dich wählt, liest keine NZZ», ruft ihm die GB-Frau Regula Tschanz zu. Mit Claudine Esseiva (FDP) ermutigt sie den Islamkritiker Henri Beuchat (SVP), die Gelegenheit zu nutzen und die Moschee im Hause zu besichtigen. Dieser fasst sich ein Herz – und trifft im Gebetsraum nicht auf einen Hassprediger, sondern auf den konzilianten Imam Mustafa Memeti. Ganz verwandelt kehrt Beuchat an den Tisch zurück.

Zu essen gibt es ayurvedische Kost – pikant, aber fleischlos. Der Hindupriester Sasikumar «Sasi» Tharmalingam und sein Team haben sich ins Zeug gelegt. «Sasi» ist froh, dass er für solche Gelegenheiten ein Alkoholpatent hat. Zwar schmeckt das Ingwersäftchen einigen sehr gut, aber kein Fleisch und kein Alkohol wäre für einige dann doch etwas zu viel. (Der Bund)

Erstellt: 09.12.2017, 09:46 Uhr

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