Liebe Ärztinnen und Ärzte,

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz findet Ärztinnen und Ärzte nicht lustig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Menschen, die richtig fest von einer Sache begeistert sind, sind ansteckend. Es spielt dann auch gar keine Rolle, was genau Gegenstand der leidenschaftlichen Schwärmerei ist. Selbst Dinge, die einen bis anhin herzlich wenig interessierten oder die man vielleicht sogar abstossend fand, werden plötzlich spannend, wenn jemand mit Enthusiasmus darüber referiert.

So etwa, wenn die Zoologin in der Tierdokumentation voller Liebe und Zuneigung über das wohl hässlichste Tier überhaupt spricht: den Nacktmull. Plötzlich sind einem die unbehaarten, fast blinden Nager mit ihren überdimensionalen Zähnen gar nicht mehr so unsympathisch, zumal die in der afrikanischen Halbwüste beheimateten Kreaturen offenbar «eusozial» leben, ein Begriff, der soziales Verhalten bei Tierarten beschreibt. Als Frau Zoologin dann auch noch darauf hinweist, dass Nacktmulle kaum Schmerzen empfinden, hegt man schon fast Ehrfurcht vor diesen Viechern.

Menschen, die richtig fest von einer Sache begeistert sind, sind ansteckend, ausser man ist selber das Objekt der Begeisterung. Also quasi der Nacktmull. Liebe Ärzte und Ärztinnen, ich rechne euch euren Berufseifer hoch an. Ihr habt mich schon ein paar Mal zusammengeflickt. Danke dafür. Aber es gibt Dinge, die will man nicht in euphorischem Tonfall verkündet bekommen. Zum Beispiel ist es eher schwierig, wenn einem der Auspuffdoktor, pardon, der Spezialist der Gastroenterologie post-operativ das Bild eines überdimensionalen Polypen unter die Nase hält und freudestrahlend kundtut: «Schauen Sie mal, Frau Feuz, ein Prachtskerl! Der hätte dann bald mal für Schicht im Schacht gesorgt, haha.»

Sowieso haben Ärzte ab und an einen etwas seltsamen Humor. Das zeigt auch die Tatsache, dass unmittelbar neben dem Eingang der Allergologischen Klinik des Inselspitals zwei Haselstauden stehen, also Gewächse, die bei Pollenallergikerinnen äusserst unbeliebt sind. Sehr lustig. Wirklich. Haha.

Drinnen im Institut sorgte dann beim Allergietest die Tatsache für Begeisterung, dass die Schreiberin auf so ziemlich alles allergisch reagiert, was von Pflanzen an Pollen produziert wird. «Oh, schauen Sie mal, Frau Feuz, da schwillt ja wirklich A-L-L-E-S an, ihr Arm sieht aus wie eine Buckelpiste, haha. Sagen Sie, sind Sie eigentlich verwandt mit dem Skifahrer?»

Etwas unglücklich formuliert war auch die Diagnose zu meinem Unterarm, den ich mir auf der Eisbahn bei einem abverreckten dreifachen Feuzberger gebrochen hatte. «Wie im Lehrbuch», jubelte die Ärztin in der Notaufnahme, «einmal ganz durch. Bravo! Suberi Büez, Frau Feuz! Sagen Sie, Sie sind nicht zufällig verwandt mit dem Skifahrer?» Der guten Laune eher abträglich war dann auch die offensichtliche Freude des behandelnden Arztes darüber, dass besagter Unterarm nach sechs Wochen Stilllegung in einem Gips immer noch grün und blau zum Vorschein kam. «Sie Frau Feuz, Kunstliebhaber hängen sich so was zu Hause an die Wand, haha. Sie, sagen Sie mal. Der Skifahrer. Sind Sie eigentlich verwandt mit dem?»

Liebe Ärztinnen und Ärzte, ich rechne euch euren Berufseifer hoch an. Wirklich. Einfach ein bisschen mehr Eusozialität wünsch ich mir von euch. Kein Jubilieren, keine Freudensprünge, keine begeisterten Knuffe in die Seite und kein verzücktes Schwärmen mehr bei Diagnosen. Zudem: weniger Skirennen schauen und nicht mehr mit Hingabe auf etwas rumdrücken, was weh tut. Ausser ihr behandelt einen Nacktmull. Und fackelt doch bitte diese elenden Haselstauden neben dem Allergologischen Institut ab, ja?!

Herzlichst, Eure Frau Feuz

P. S. Frau Feuz ist nicht mit dem Skifahrer verwandt. Und auch nicht mit dem Chef. Letzterer aber vielleicht mit Ersterem. Da müssten Sie aber beim Chef nachfragen. Oder beim Skifahrer.

derpoller.derbund.ch (Der Bund)

Erstellt: 21.03.2018, 07:02 Uhr

Artikel zum Thema

Hörprobleme

Kolumne «Poller»-Kolumnist Martin Erdmann beschäftigt sich mit akustischem Abschaum. Mehr...

Frösteln für italienische Alta Moda

Kolumne «Poller»-Kolumnist Markus Dütschler schält sich trotz Kälte aus seinem Veston - weil ihm jemand ein Geschenk verspricht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Liebe Berner, das wird grossartig!

Sweet Home Kleiner Aufwand, grosser Genuss

Paid Post

Wir suchen die beste Nachbarschaft der Schweiz

Was macht eine gute Nachbarschaft aus? Erzählen Sie es uns und nominieren Sie Ihr Quartier zum besten der Schweiz. Mitmachen lohnt sich, für Sie und Ihre Nachbarn.

Die Welt in Bildern

Da ist der Bär los: Das peruanische Designer Edward Venero lässt seine neuste Herrenkollektion an der Fashion Week in Lima von Teddys präsentieren. (25. April 2018)
(Bild: Martin Mejia/AP) Mehr...