Letztlich bleibt es eine politische Frage

Dem Bau einer Viererfeldbrücke stünden erstaunlich wenige Hindernisse im Weg. Den Knackpunkt bilden die Autos.

Blick ins Nordquartier, welches mit einer Velobrücke verbunden werden könnte.

Blick ins Nordquartier, welches mit einer Velobrücke verbunden werden könnte.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Er plädiere für eine «schöpferische Pause», sagt der ehemalige kantonale Denkmalpfleger und «Bund»-Kolumnist Jürg Schweizer. Der Architekturhistoriker meint damit den Bauprozess auf dem Vierer- und Mittelfeld, dem grössten städtischen Bauprojekt seit Jahren. Erst gestern hat die Stadt Bern dazu den Projektwettbewerb lanciert. Geht es nach Schweizer, soll nun nach wenigen Schritten bereits ein Marschhalt eingelegt werden. Warum? «Wenn die Stadtbevölkerung mehr als nur eine grüne Agglomerations-Siedlung will, dann muss man sich jetzt auch Gedanken über eine gute Erschliessung und die Weiterentwicklung machen», sagt er.

Die Idee des Berner Architekten Arpad Boa, mit einer neuen Brücke die Stadtteile Wyler und Viererfeld zu verbinden, unterstützt Schweizer deshalb «vorbehaltlos» (siehe «Bund» von gestern). Nur: Um die Brücke und den angedachten Viererfeldboulevard zu realisieren, «muss das nun laufende Wettbewerbsprogramm umformuliert werden», sagt Schweizer. Den Vorwurf, damit den Wohnungsbau in Bern zu verzögern, will er nicht gelten lassen. Die Umformulierung heisse nicht, dass es zu «erheblichen Verzögerungen» kommen müsse, sagt Schweizer. Im Moment laufe erst die sogenannte Präqualifikation. Gebaut werde sowieso frühestens 2023.

Masterplan mit Brücke?

Überraschenderweise geht man auch bei der Stadt nicht davon aus, dass sich durch eine neue Brücke der Bau des Viererfelds verzögern würde. Dies sagt jedenfalls Mark Werren, der Leiter des Stadtplanungsamtes, auf Anfrage. Auch ein neuer Projekt-Wettbewerb müsse nicht zwingend lanciert werden, sagt der Stadtplaner. Erst im Masterplan für das Viererfeld wäre das Brückenprojekt zu berücksichtigen. Ausserdem brauche es für den Bau einer neuen Brücke eine Projektstudie, «und zwar für die Projektierung der sogenannten Zulaufstrecken auf beiden Seiten», sagt Werren. Keine unüberwindbaren Hindernisse also.

Aber wer soll die Brücke bezahlen? Experten schätzen die Baukosten auf rund 35 Millionen. Wenn die Stadt dies nicht alleine bezahlen will, muss die Brücke einem «übergeordneten Interesse entsprechen und via Region und Kanton in das Agglomerationsprogramm des Bundes einfliessen», sagt Karl Vogel, Leiter der städtischen Verkehrsplanung, auf Anfrage. Wie steinig der Weg von der Idee bis zur Realisierung einer Brücke sein kann, lässt sich beim Blick auf die Velobrücke erahnen: 2004 nahm der Kanton die Brückenidee in den Sachplan Veloverkehr auf. Bis der Berner Stadtrat aber einen ersten Projektierungskredit genehmigte, dauerte es ganze zwölf Jahre. In diesem Tempo ging es weiter. Heute gibt es weder ein fertiges Wettbewerbsprojekt noch einen Abstimmungstermin.

Da stellt sich die Frage: Wenn der Bau einer Velobrücke schon Jahrzehnte dauert, wie wird das erst bei einer «vollwertigen» Brücke? Zumal diese der rot-grünen Verkehrspolitik – im Gegensatz zur Velobrücke – diametral entgegenlaufen würde: «Die Quartiere sollen vom motorisierten Individualverkehr entlastet und nicht mit neuen Zufahrtsstrassen belastet werden», sagt Verkehrsplaner Vogel. Eine solche Brücke entspräche auch nicht den bisherigen kantonalen und regionalen Richtplanungen, was aber mit Blick auf die Finanzierung der Fall sein müsste. Die Chancen für die Viererfeldbrücke sind also gering.

Braucht Bern eine weitere Brücke? Wer soll diese befahren dürfen? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»: stadtgespraech.derbund.ch

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