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Leserbriefe zur Sicherheitsinitiative

Reaktionen zum Streitgespräch über die Sicherheit in der Stadt Bern, «Bund» vom 19. Februar.

Im Streitgespräch um die Sicherheitsinitiative behauptet Sicherheitsdirektor Reto Nause, dass physische Polizeipräsenz die «beste Prävention» gegen «grosse Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen» ist. Nun steht im Bericht «Prävention von Jugendgewalt» der Eidgenössischen Ausländerkommission, dass in Milieus mit sozial Benachteiligten physische Gewalt häufiger vorkommt. Weiter heisst es, dass insbesondere junge ausländische Menschen, welche die Erfahrung machen, als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden, kein Zugehörigkeitsgefühl zur Schweizer Gesellschaft entwickeln können und dadurch eher eine höhere Gewaltbereitschaft zeigen.

Aus diesem Blickwinkel kann mehr Polizei sich negativ auf die Prävention von Gewalt auswirken, denn es bedeutet gleichzeitig ein Mehr an Unterdrückung von Menschen aus benachteiligten Milieus. Oftmals basiert die polizeiliche Tätigkeit auf Vorurteilen und statistischen Tendenzen, anders lassen sich beispielsweise die häufig beobachtbaren Personenkontrollen von «Randständigen» in der Stadt Bern oder Berichterstattungen von Menschenrechtsorganisationen über Fehlverhalten der Polizei gegenüber «Randständigen» nicht erklären.

Die Befürworter von mehr Polizei sind blauäugig, wenn sie glauben, so Kriminalität präventiv zu verhindern. Gewaltdelikte, die aufgrund polizeilicher Präsenz an bestimmten Orten nicht geschehen, verschieben sich zeitlich und/oder räumlich. Das Gewaltpotenzial löst sich nicht auf, im Gegenteil: Es wird gesteigert, indem Menschen, die bereits Nachteilen ausgesetzt sind, frequentierter schikaniert werden. Gesenkt wird die Gewaltbereitschaft durch echte Prävention, indem gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten zu Bildung, Arbeit und Wohnung geschaffen werden.

Elango Kanakasundaram, Bern

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Die Argumente fehlen.

Die Stadt Bern belegt in der Rangliste der sichersten Städte Europas den Rang 2. Sicherer geht es für einen urbanen Raum wohl kaum. Weil den Initianten die Argumente fehlen, wollen sie uns weismachen, dass wir in einem gefährlichen Sündenpfuhl leben. Mehr Polizei und Videoüberwachung sollen mehr Sicherheit bringen. Diejenigen, die immer von Eigenverantwortung reden, wollen diese an die Polizei delegieren. Das ist falsch, mehr Polizei schafft nicht mehr Sicherheit, sondern nur mehr Kosten, die wir dann anderswo sparen müssen.

Mir ist es lieber, wir investieren die 28,3 Millionen in Arbeitsplätze, Lehrstellen, Bildung und Kultur. Das ist die beste Prävention. Das ist nachhaltige Politik. Alles andere ist Ausdruck von Unbeholfenheit und fehlenden Antworten auf die Herausforderungen einer urbanen und lebhaften Stadt.

Hilmi Gashi, Bern

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