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Leserbriefe: «Uni wird zur Fabrikhalle»

Zwei Leser äussern sich zu den Protesten gegen das Bologna-System an der Universität Bern.

Bologna muss wieder rot werden!

In der konservativen Schweiz brodelt es ausgerechnet dort, wo der gute Ton gepflegt wurde. Universitäten, ehemals Horte des feudalen und bourgeoisen Nachwuchses, werden in proletarischer Manier besetzt. Und dies mit Fug und Recht.

Viele Studentinnen und Studenten finden heute zu Hause kein feudal-bürgerliches Interieur vor, sondern die reale Misere der Unterklasse. Doch wer heute studieren will, braucht ein bürgerliches Interieur, denn an der Uni herrscht die eiserne Faust des Homo oeconomicus, die die Uni zur Fabrikhalle macht und die Studis zu einem neuen Proletariat formt. Zum Glück werden aber diese neuen Fabrikhallen in ganz Europa von aufmüpfigen StudentInnen hoffentlich so lange besetzt, bis Bologna wieder rot wird. Mit gutem Gewissen dürfen die heutigen Studis sagen: Proletarierinnen und Proletarier aller Länder, vereinigt euch.

Johannes Lortz, Bern

Unser Stipendiensystem ist eines der bescheidensten von Europa

Mir ist schleierhaft, was Professor Bernd Roeck mit dem «reich ausgestalteten Stipendienwesen» meint. Vielleicht die Tatsache, dass diese Stipendien in keinster Weise ausreichen, um Studium und Leben von Studierenden zu finanzieren? Oder die Tatsache, dass knapp 80 Prozent der Schweizer Studierenden arbeiten gehen müssen, um ihr Studium zu finanzieren? Oder die Tatsache, dass es für Schweizer Studierende normal ist, unter den Skos-Minimalrichtlinien zu leben?

In Wirklichkeit ist das Schweizer Stipendiensystem eines der bescheidensten in ganz Europa. Seit Mitte der Neunzigerjahre steigen die Studierendenzahlen konstant, die Kantons- und Bundesausgaben für Stipendien nehmen aber stetig ab. Das heisst, dass heute mehr Studierende mit weniger Stipendiengeldern zurechtkommen müssen, wenn ihr Stipendium nicht sogar durch ein finanzielles Darlehen ersetzt wird. Damit tappen sie unweigerlich in die Schuldenfalle.

Die Zustände an den Schweizer Hochschulen mögen besser sein als diejenigen in Österreich oder in Deutschland. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Schweizer Stipendienwesen dringend harmonisiert und verbessert werden muss. Denn so, wie es heute ist, verdient es weder seinen Namen, noch erfüllt es seinen Zweck.

Thomas Leibundgut, Belp, SUB-Vorstand Ressort Soziales

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