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Leserbriefe: «Die Natur ist nicht berechenbar»

«Bund»-Leser zu diversen Artikeln über die atomare Katastrophe in Japan.

Dienstagmorgen gab es im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Fukushima eine weitere Explosion. (EPA)
Dienstagmorgen gab es im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Fukushima eine weitere Explosion. (EPA)

Elend in Japan und Luxusferien in Portugal

Erdbeben, Tsunami und drohende Nuklearkatastrophen beschäftigen die ganze Welt. Das Undenkbare ist nicht nur denkbar, sondern traurige Realität geworden.

Doch was sind die Gründe und – was noch viel wichtiger ist – die Konsequenzen? Die Gründe werden zurzeit erforscht, diskutiert, kommentiert und präsentiert: in Print- und elektronischen Medien, am Arbeitsplatz, zu Hause und im Freundes- und Bekanntenkreis. Die Konsequenzen werden vor allem von der Politik – zurzeit recht hilflos – gefordert. Was es jedoch braucht, ist ein fundamentales Umdenken. Die heutige Konsumgesellschaft muss nicht nur infrage gestellt, sondern geändert werden. Nachhaltigkeit darf nicht zur Floskel verkommen, sondern muss zur Philosophie menschlichen Handelns erhoben werden.

Doch hier beginnt das Problem. Auf sieben Seiten berichtet der «Bund» vom 14. März über «Japan und die Folgen». Und dazwischen, auf Seite 6, lockt ein viertelseitiges Inserat «Luxusschiff auf dem Douro». Wer will schon eine Luxusreise buchen, wenn die Menschen in Japan im Elend versinken und Unterstützung nötig haben? Jetzt ist Umdenken angesagt!

Michael Aebersold, Grossrat SP Bern

Anmerkung der Redaktion:

Die Redaktion nimmt keinen Einfluss auf die Inserate. Deren Akquisition liegt ausschliesslich in der Kompetenz des Verlags.

Die Regierungen sind in der Pflicht

In Europa sind 196 Kernkraftwerke in Betrieb, 14 im Bau und 40 geplant. In Anbetracht der teils völlig veralteten Technologien und des bedenklichen Zustandes vieler Nuklearkraftwerke unserer Nachbarländer muss jederzeit mit Störfällen gerechnet werden, von denen die Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit auch betroffen wäre. Es ist darum unabdingbar, dass unsere Landesregierung rasch Kontakt aufnimmt mit der EU.

Die sofortige Abschaltung von Atomkraftwerken mit veralteter Technologie und ungenügender Sicherheit in Deutschland müsste zwingender Anlass sein, solche Massnahmen auch in unserem Land zu ergreifen, zumindest solange, bis klar ist, was in Fukushima wirklich passierte.

Was sich eindeutig abzeichnet ist die Tatsache, dass das Restrisiko von AKW nicht mehr erfassbar ist. Wer gegen eine zumindest temporäre Stilllegung von unsicheren Kernkraftwerken ist, nimmt die Gefährdung von Leben in Kauf, was juristisch einem Eventualvorsatz gleichkommt. In diesem Sinne ist unsere Landesregierung verpflichtet, sich europaweit für die Sicherheit der nuklearen Stromerzeugung zu engagieren.

Ulo Gertsch, Steffisburg

Gefahr einer Überflutung von Mühleberg

Im Dienstags-«Bund» ist eindrücklich geschildert, dass der GAU in Japan wegen einer Kombination Erdbeben und Tsunami erfolgt ist. Bei uns ist das unmöglich?

Das AKW Mühleberg steht direkt unterhalb der Staumauer des Wasserkraftwerks. Diese Staumauer, 1917 erbaut, hält garantiert kein Erdbeben über Richter 4 aus. Falls es also in der Region Bern zu einem Erdbeben der Stärke 4 oder mehr kommen sollte, würde nicht nur das AKW ziemlich sicher schwer beschädigt, sondern auch noch vom Wohlensee überflutet. Ist das ein optimaler Standort für ein neues, angeblich erdbebensicheres AKW?

Bernhard Geiger, Säriswil

Auf Kernkraft verzichten

Die Experten der Kernkraftbefürworter werden behaupten, dass ein solcher Unfall wie in Japan in der Schweiz nicht passieren kann. Warum eigentlich nicht?

Erstens: Statistisch gesehen ist ein schweres Erdbeben in der Schweiz (nach Basel in 1356) jederzeit möglich. Zweitens: In Japan ist man sich der Gefahr von Erdbeben sehr bewusst und die Kernkraftwerke deshalb gegen solche Gefahren relativ gut abgesichert. Trotzdem stehen diese Leute nun vor dem Gau.

Aus diesem Grund: Wir brauchen keine neuen Atomkraftwerke, sondern müssen den Stromverbrauch senken, Minergie-Standard bei Neubauten sowie Sanierung bei bestehenden Gebäuden vornehmen und alternative und nachhaltige Energien fördern.

Stefan Schär, Heimiswil

Den Wahnsinn stoppen

Gerade jetzt, wo dem Schweizer Volk (und anderen Völkern) einmal mehr vonseiten einer grossen und mächtigen Atomlobby und den davon profitierenden Sympatisant(innen) in Politik, Industrie, Banken und Wirtschaft weisgemacht werden will, dass die AKW kein lebensbedrohendes Risiko darstellen, passiert dieses Desaster in Japan. Damit wird der Menschheit einmal mehr aufgezeigt, dass die Natur nicht berechenbar ist und kein einziges AKW sicher ist. Einmal ausgetretene Radioaktivität kann mit nichts eingefangen und unschädlich gemacht werden und betrifft die ganze Welt. Tatsache bleibt, dass die gesamte Radioaktivität auf der Welt ansteigt und die Natur zerstört und damit die Lebensbedingungen für die Menschheit.

Wie kann da noch irgendjemand (mit einigermassen gesundem Verstand und Gewissen) von einer Weiterführung dieser tödlichen AKW sprechen? Weder unsere Regierung noch die zuständigen Behörden und Politiker(innen) wollen und können die Verantwortung für eventuelle GAUs nach unvorhergesehenen Erdbeben etc. in den AKW der Schweiz übernehmen.

Nur der Souverän, das Schweizer Volk, kann und muss diesen Wahnsinn in unserem Land stoppen.

Denise Casagrande, Oberwangen

Tausende Tote bei einem einzigen Unfall

Die havarierte Atomanlage in Japan zeigt: Atomenergie kann nie 100-prozentig sicher sein. Die Frage ist: Möchten wir eine Technologie einsetzen, die das Risiko von Zehn- oder gar Hunderttausenden Toten in der Schweiz bei einem einzigen grossen Unfall in sich trägt?

Ulrich Nusko, Bern

Der Bund

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