Leerer Raum sucht Zwischennutzer

Die Stadt Bern will leerstehende Gebäude künftig systematischer als bisher einer Zwischennutzung zuführen. Die Bar- und Club-Kommission befürchtet einen «Papiertiger».

Belebte Brache: Die alte Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse wird zwischengenutzt - unter anderem als Café.

Belebte Brache: Die alte Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse wird zwischengenutzt - unter anderem als Café.

(Bild: Adrian Moser)

Ein neues Café, ein Ort für Lesezirkel oder ein Atelier? Leerstehende Gebäude und Flächen in der Stadt Bern sollen künftig schneller und einfacher zwischengenutzt werden können. Dafür wird eine Koordinationsstelle geschaffen. Sie soll als Drehscheibe für Anbieter und mögliche Zwischennutzer dienen.

Geplant ist auch eine Web-Plattform, wie der Stadtberner Gemeinderat am Dienstag mitteilte. Die Koordinationsstelle für Zwischennutzungen wird bei Immobilien Stadt Bern angesiedelt und nimmt Anfang 2016 ihren Betrieb auf. Damit kann die Stadt Bern einen Punkt der 18 Massnahmen im Nachtlebenkonzept, welches 2013 erarbeitet wurde, abhaken.

Die Stelle vermarktet und vermittelt zwischennutzungsfähige Liegenschaften und Flächen der Stadt, soll aber auch privaten Eigentümerinnen und Eigentümern auf freiwilliger Basis zur Verfügung stehen.

Der Gemeinderat hält Zwischennutzungen für sinnvoll, weil damit temporär unterschiedlichste Nutzungsbedürfnisse abgedeckt werden können. Die Flächen und Gebäude seien nicht zuletzt oft auch Orte der Kreativität und werteten Stadtquartiere auf.

Günstig und befristet

Für Zwischennutzungen kommen beispielsweise Gebäude in Frage, die vor einer Gesamtsanierung stehen oder abgerissen werden sollen. Auch Industriebrachen, Gärten oder Grünanlagen, bei denen eine Umnutzung geplant ist, können sich eignen.

Doch auch für Zwischennutzungen müssen gewisse Spielregeln eingehalten werden, wie der Gemeinderat in Erinnerung ruft. So müssen bauliche Grundregeln beachtet werden, die Personen- und Brandsicherheit gewährleistet oder das Gastgewerbegesetz eingehalten werden. Die Bewilligungsmacht liegt beim Kanton.

BuCK: «Gut gemeint, aber...»

Hier liegt für Adrian Iten die Krux der Geschichte. Der Präsident der Bar- und Club-Kommission BuCK, welcher die Arbeit am Nachtlebenkonzept begleitet hatte, bricht angesichts der lancierten Koordinationsstelle denn auch nicht in Jubel aus. «Das ist gut gemeint», sagt er. «Aber solange die Gemeinden nicht mehr Entscheidungsmacht bei der Bewilligungspraxis haben, ist die Stelle ein Papiertiger.» Denn bis ein kantonales Baubewilligungsverfahren abgewickelt ist, können viele Monate verstreichen. Von ein einfacheren Zwischennutzungsprozessen könne daher keine Rede sein.

Das zeigt sich derzeit bei der Zwischennutzung in der alten Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse: Viele der geplanten Projekte konnten seit dem Auszug der Feuerwehr im Frühjahr nicht umgesetzt werden, darunter eine Kaffeerösterei und ein Kinderspielplatz. Das Bauverfahren ist durch Einsprachen aus der Nachbarschaft blockiert. Derzeit sind die Zwischennutzer daran, mit den Einsprechern eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Bei der Stadt Bern ist man sich der Problematik bewusst. Bereits 2014 hatte der Gemeinderat angeregt, die kantonale Gesetzgebung zu überprüfen, um Zwischennutzungen zu erleichtern. Der Kanton lehnte ab. Er sah «keinen Handlungsbedarf».

Alexandre Schmidt, Stadtberner Finanzdirektor, will den «Papiertiger» dennoch nicht gelten lassen. «Es ist richtig, dass die Verfahrensabläufe kompliziert sind. Gerade die Zwischennutzung in der Alten Feuerwehrkaserne hat aber gezeigt, dass nach langem Ringen Erfolge erzielt werden können, auch wenn der Kanton die rechtlichen Grundlagen nicht anpassen will.» Die Koordinationsstelle könne potenziellen Zwischennutzern künftig mit Tipps zum Vorgehen zur Seite stehen.

hjo/sda

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