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Lebenslänglich «luege, lose, liede»

Nachruf?Markus Traber, dem Berner Troubadour, zum Gedenken, der zu Hause in Worb am Pfingstsonntag knapp 64-jährig gestorben ist.

Eine Stimme ist verstummt. Ein Freund hat uns verlassen. In der Erinnerung plötzlich ein Bild aus dem Jahre 1989: Nach ihrem Konzert im Kultur-Casino Bern verneigen sich dankend die Berner Troubadours vor dem Publikum. Sie waren damals für einige Zeit zu dritt. Rechts aussen steht Markus Traber neben seinen Kollegen Bernhard Stirnemann und Ruedi Krebs. Man hört sozusagen den Applaus. Wie die Nachricht von Markus Trabers Tod am Samstag eintrifft, ist dieses über zwanzig Jahre alte Bild da. Die noch «jungen» Sänger vor ihrer treuen Zuhörerschaft. «Lebenslänglich», sagte sechs Jahre später beim Jubiläum «30 Jahre Berner Troubadours» Bernhard Stirnemann auf die Frage: wie lange noch? Lebenslänglich. Der Witz wird Wahrheit.

Doch nicht das historische Dokument, sondern die Haltung Markus Trabers ist für mich bedeutungsvoll geworden, denn etwas daran erinnert mich an die Amsel, der er eines seiner letzten Lieder gewidmet hat. «Am Eigerplatz en Amsle ghört», singt er und davon, wie der Verkehr das Lauschen stören, aber nicht verhindern kann. Das Vogellied bleibt und auch die Chopin-Klänge, die aus dem «Konservatorium» in die Kramgasse dringen. Das ist Markus Traber. Aus einem flüchtigen Erlebnis, einer knappen Begegnung, ein paar Sekunden Alltag entsteht ein Bild, ein Vers, ein Lied. Wenn in der Unterschule Wachtmeister Hugi am Strassenrand uns Schüler «luege, lose, loufe» lehrte, so hiess es für Markus Traber: «luege, lose, liede».

«Ich mache Chansons über Themen, die mich bewegen, mit denen ich Tag für Tag zusammenleben muss. Nicht gedacht als schreiender Protest, vielmehr sind es Aufzeichnungen, Reports und Erzählungen, die mir wichtig genug erscheinen, darüber ein Chanson zu schreiben», erklärt er, und wenn er konsequent vom Chanson spricht, so bezeichnet er damit seine Herkunft. Er hat die entscheidenden Impulse von Georges Brassens (1921–1981) erhalten wie andere auch. Und er blieb dessen Werk treu. Ebenso verbunden fühlte sich Markus Traber dem Bümplizer Schriftsteller, Lyriker, Philosoph und Kämpfer Carl Albert Loosli (1877–1959): Unter dem Titel «Im Paradies git’s doch ke Wy . . .» vertonte er mit Resli Burri und Adi Tosetto rund zwanzig Mundartgedichte Looslis – ein persönlicher Beitrag gegen das Vergessen einer der ganz grossen Berner Persönlichkeiten. Verwandt ist Traber Loosli vor allem in seinem Engagement für die Leute am Rand und in seiner Moral.

Hier geht er über die Bretter, die ihm während 45 Jahren die Welt bedeuteten hinaus, schenkt als bildender Künstler mit seinen liebevoll gestalteten «Pinggelis» den Aussenseitern ein Denkmal, und für alle, die seine Hilfe als Fotograf, Texter, Redaktor, Übersetzer oder ganz einfach als Berater für Mögliches und Unmögliches in Anspruch nehmen wollten, gründete er das «Büro für fast alles». Aber er war auch sonst stets bereit zuzuhören und anzupacken. So war er Initiant und Mitbegründer und von 2006 bis 2008 erster Leiter des Kleintheaters Braui Worb. Markus Traber machte vieles, und eigentlich gab es für ihn nur ein Ziel, den Mitmenschen Freude und Nachdenkliches zu vermitteln und die Welt menschlicher zu machen.

Geboren wurde Markus Traber 1946 in Bern. Erst wurde er Kaufmann, dann Buchhändler, Verleger und Journalist. Bei Fernand Rausser lernte er das Fotografieren. Seit der Spielzeit 1965/1966 ist Markus Traber Mitglied der «Berner Troubadours» zusammen mit Ruedi Krebs, Mani Matter (gestorben am 24. 11. 1972), Jacob Stickelberger, Bernhard Stirnemann, Fritz Widmer (gestorben am 28. 4. 2010), der ersten Dialektchanson-Gruppe von «auteurs, compositeurs, interprètes» der Schweiz. Sie wurde zu seiner prägendsten Aufgabe. Nur die Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Schriftstellerin Barbara Traber, und die Erfolge von Tochter Nina als Tänzerin waren ihm wichtiger. Wir trauern mit ihnen und danken Markus Traber, der lebenslänglich für uns gesungen hat.

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