«Längst kein Kartonschachtel-Discounter-Laden mehr»

Trendforscherin Marta Kwiatkowski über Lidl, sein Image und seine Chancen in Bern.

Die Trendforscherin Marta Kwiatkowski vom Gottlieb-Duttweiler-Institut studiert gesellschaftliche und technologische Veränderungen.

Die Trendforscherin Marta Kwiatkowski vom Gottlieb-Duttweiler-Institut studiert gesellschaftliche und technologische Veränderungen.

(Bild: zvg)

Mischa Stünzi

Frau Kwiatkowski, überrascht es Sie, dass Lidl mitten in Bern eine Filiale eröffnen will?
Nein, die Entwicklung ist nicht neu. 2017 hat Lidl im Herzen von Zürich eine Niederlassung eröffnet. Dass sich der Discounter in Bern im Bahnhof niederlässt, ist ebenfalls nicht überraschend. Dort sind die Frequenzen hoch, und Convenience ist ein grosses Thema.

Dann erwarten Sie, dass auch Lidl in Bern stark auf Take-away wie Sandwiches, Salate, Smoothies und so weiter setzen wird?
Es gibt in den Bahnhöfen derzeit praktisch keinen Lebensmittelladen, der nicht auf Convenience setzt. Insofern ist es gut vorstellbar, dass auch Lidl ein entsprechendes Sortiment führen wird.

Der Bahnhof wird mit seinen längeren Öffnungszeiten und den immer neuen Angeboten zum attraktiven Einkaufszentrum. Schadet das der restlichen Innenstadt?
Nein, das glaube ich nicht. Beim Standort Bahnhof geht es vor allem um Bequemlichkeit. Die Kunden wollen kurz im Vorbeigehen noch etwas einkaufen.

Wie schätzen Sie die Erfolgschancen für Lidl in Bern ein?
Gut, denn der Food- und Gastrobereich boomt im Moment regelrecht.

Profitiert das Segment davon, dass online kaum Lebensmittel verkauft werden?
Lebensmittel werden tatsächlich anders eingekauft als beispielsweise Mode, wo es um eine grosse, internationale Auswahl geht. Ich erwarte aber, dass wir im Food-Bereich noch ein Wachstum des Online-Markts sehen werden, wenn auch eher bei Produkten wie Orangensaft und Toilettenpapier.

Zurück zu Lidl: Der Discounter will mit seinen innerstädtischen Filialen sein Image aufbessern. Wird ihm das gelingen?
Lidl hat verstanden, dass er sich im Schweizer Markt anders positionieren muss. Heute ist es salonfähig, bei Aldi oder Lidl einzukaufen. Beim Markteintritt in der Schweiz vor zehn Jahren wurde Lidl noch viel kontroverser diskutiert.

Welche Rolle spielen Filialen für das Image eines Detaillisten?
Die Filiale ist ein ganz zentraler Teil der Markenwahrnehmung. Auch damit positioniert sich der Händler. Jeder Händler überlegt es sich bei jeder Filiale, welche Imagefolgen sie hat. Und wenn ich mir die Fraumünster-Filiale von Lidl in Zürich anschaue, ist das längst kein Kartonschachtel-Discounter-Laden mehr.

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