Ungleiche Zeitrechnung bei den Stadtberner Bürgerlichen

«Bund»-Redaktor Bernhard Ott über Terminkollisionen und Trinkfestigkeit.

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Bei den nächsten Wahlen wird alles anders. Dies ist seit dem Beginn der Ära von Rot-Grün-Mitte (RGM) im Jahr 1992 die Devise der Stadtberner Bürgerlichen. Insbesondere nach den letzten Wahlen vor gut einem Jahr war allen klar: Bei den nächsten Wahlen muss alles anders werden. Denn FDP oder SVP sind erstmals seit Menschengedenken nicht mehr in der Berner Stadtregierung vertreten. Das Debakel war eine Folge des Alleingangs der SVP, die es satt hatte, durch die Teilnahme an einer gemeinsamen bürgerlichen Liste den Steigbügelhalter für einen eingemitteten freisinnigen Gemeinderat zu spielen. Fortan wollen SVP und FDP also wieder gemeinsam marschieren. Die Listenverbindung für die Grossratswahlen im kommenden März ist die Generalprobe dafür.

FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher hat jüngst sogar seine Idee eines «Bürgerlich-Grün-Mitte»-Bündnisses (BGM) rezykliert, eines Bündnisses von der SVP bis zur GLP, das RGM Paroli bieten soll. Doch bevor die Bürgerlichen sich über gemeinsame Inhalte verständigen, müssten sie zunächst einmal die Basics klären. Das fängt zum Beispiel bei Terminfragen an. In den letzten Jahren fanden die Neujahrsapéros von SVP und FDP jeweils am gleichen Tag statt. Sympathisanten beider Parteien mussten also über Trinkfestigkeit und Flexibilität verfügen, zwei Eigenschaften, die in der Regel nur mit hoher Kunstfertigkeit zu koordinieren sind.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob das Kunststück auch bei den kommenden Apéros wieder erbracht werden muss: So findet der SVP-Apéro am Montag, 10. Januar, ab 17.30 Uhr im Hotel Kreuz statt und der FDP-Apéro am Montag, 8. Januar, um 18 Uhr in der Halle des Rathauses. Na ja, Hotel Kreuz und Rathaus sind ja nicht allzu weit voneinander entfernt, denkt der Apéro-Routinier. Und stellt sich einen Zeit- und Trinkplan zusammen. Aber, Moment: Bei der SVP findet der Montag am 10. Januar statt und bei der FDP am 8. Januar. Sind sich die beiden Parteien nicht einmal mehr übers Datum einig? Oder rechnen sie gar mit unterschiedlichen Zeitrechnungen?

Die Differenz ist zum Glück rasch und objektiv nachvollziehbar aus der Welt zu schaffen – mit einem Blick auf den Kalender: Der Montag nach den Weihnachtsferien wird am 8. Januar stattfinden, der 10. Januar ist ein Mittwoch. Die FDP hat also recht. Jetzt müssten sich die beiden Parteien bloss noch auf einen gemeinsamen Kalender einigen. Sonst bleibt bei den nächsten Wahlen am Ende doch alles, wie es ist. (Der Bund)

Erstellt: 07.12.2017, 06:50 Uhr

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