Durchbruch beim Kunstmuseum: Pulver und Mäzen Wyss einigen sich

Das Kunstmuseum Bern will seine Erweiterung mit einem Neubau bestreiten. Stadt, Kanton und Museum sind im Boot – ebenso wie Mäzen Hansjörg Wyss.

Sanierung zu kompliziert: Das Kunstmuseum und der aktuelle Anbau. (Archiv)

Sanierung zu kompliziert: Das Kunstmuseum und der aktuelle Anbau. (Archiv) Bild: Franziska Rothenbühler

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Neubau statt Sanierung für die Kunstmuseumserweiterung: Darauf haben sich Stadt, Kanton, Kunstmuseum und auch der Mäzen Hansjörg Wyss geeinigt. Dies schreibt die Dachstiftung des Kunstmuseums in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Statt einer Sanierung des bestehenden Erweiterungsbaus aus den 80er-Jahren werde aktuell ein Neubau diskutiert – möglicherweise sollen dabei auch die frei werdenden Flächen im Polizeigebäude in unmittelbarer Nachbarschaft einbezogen werden.

Die Sanierung des Altbaus wäre «sehr aufwendig», ein Neubau «künstlerisch, betrieblich und städtebaulich» die bessere Alternative. So lautete gemäss Mitteilung das Fazit einer Machbarkeitsstudie, über die «Konsens» herrsche. Thema der Studie war auch, wie die Hodlerstrasse aufgwertet werden kann.

Aufgrund der Studie soll nun ein öffentlicher Architekturwettbewerb für den Neubau ausgeschrieben werden.

Erboste Architekten – Pulvers Intervention

Die Erweiterung des Kunstmuseums wird seid über 30 Jahren diskutiert. Im Juni 2017 gab Jürg Bucher, Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee, bekannt, mit der bevorstehenden Sanierung des Gebäudes werde auch eine Erweiterung des Ausstellungsraumes vorgenommen. Zum Verhängnis wurde ihm sein Vorhaben, weil er den Auftrag abermals freihändig an das Architekturbüro Jordi + Partner AG vergab.

Dagegen führten über 30 Architekten bei der zuständigen kantonalen Erziehungsdirektion Beschwerde. In der Konsequenz verwarf die Dachstiftung den Plan zum Ausbau wieder. Bereits damals hiess es, man wolle einen neuen Wettbewerb durchführen.

Mitte Oktober letzten Jahres kam die völlig unerwartete Meldung: Der Berner Milliardär und Kunstmäzen Hansjörg Wyss wolle 20 Millionen Franken an die Realisierung des nach einem Wettbewerb 2006 verworfene Siegerprojekt «an_gebaut» zu spenden. Daraufhin intervenierte der Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne). Er erreichte, dass Wyss den Beitrag auch ohne Bedingungen spricht.

Gescheiterte Sanierung

Doch bereits 1987 wurde über ein neues Museum für Gegenwartskunst nachgedacht, in welchem auch die Werke von Paul Klee hätten ausgestellt werden können. Diese Idee wurde nicht vertieft, als Mäzen Maurice E. Müller sich einschaltete und das Zentrum Paul Klee gebaut wurde.

Ein Projektteam präsentiert im Jahr 2000 Pläne für ein Museum für Kunst der Gegenwart im alten Progymnasium unter der Leitung des Kunstmuseums. Mäzen Hansjörg Wyss bot der Stadt Bern 17 Millionen für die Umnutzung. Im Dezember 2004 wurde das Progr-Projekt aufgegeben, Wyss erachtete die Finanzierung als zu problematisch. Er favorisierte einen kostengünstigeren Anbau am Kunstmuseum.

2006 wurde ein Architekturwettbewerb für ein Anbauprojekt am bestehenden Museum lanciert. Das Siegerprojekt «an_gebaut» scheiterte am Denkmalschutz, das zweitplatzierte «Scala» wurde aus finanziellen Gründen nie gebaut. Der Mäzen Hansjörg Wyss, der ursprünglich 12 Millionen Franken für einen Anbau und 8 Millionen für dessen Betrieb spenden wollte, zog sich zurück.

Kritik an Ausschreibungspraxis

Im Juni 2010 gab der damalige Museumsdirektor Matthias Frehner bekannt, dass nun nach einer Inhouse-Lösung gesucht werde. Die Museumsleitung präsentierte das Projekt des Berner Architekten Patrick Jordi. Das sorgte für Kritik aus der Architektenszene, da der Auftrag für den Erweiterungsbau nicht öffentlich ausgeschrieben worden war. Beim Kunstmuseum hatte man damals argumentiert, dass das Museum als private Stiftung nicht zu einem öffentlichen Submissionsverfahren verpflichtet sei, solange die Eigenmittel mindestens fünfzig Prozent betrügen. (zec/gss)

Erstellt: 17.05.2018, 09:20 Uhr

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