Mehr Geld für alle – ausser für die Reitschule

Der Berner Gemeinderat will in den nächsten vier Jahren mehr Geld für die Kultur ausgeben. Der Vertrag mit der Reitschule muss noch fertig verhandelt werden.

Erfolgreich lobbyiert: Die Berner Kultur erhält mehr Geld. (Archiv)

Erfolgreich lobbyiert: Die Berner Kultur erhält mehr Geld. (Archiv) Bild: Michael Schneeberger

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Die Stadt Bern will für 2020-2023 jährlich 2,3 Millionen Franken mehr in die Kulturförderung investieren. Dies entspricht einem Wachstum von sieben Prozent. Die Stadtregierung hat 24 Leistungsverträge gutgeheissen - nicht darin enthalten ist der Vertrag mit der Reitschule.

Der Vierjahres-Vertrag mit der Reitschulträgerin IKuR sei noch nicht abschliessend verhandelt, sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried am Donnerstag anlässlich der Präsentation der Vierjahres-Planung für die Kulturförderung. Geplant sei aber eine unveränderte Subvention von jährlich 380'000 Franken.

Der Leistungsvertrag mit der IKuR soll im Laufe des nächsten Jahres dem Stadtrat vorgelegt werden. Zudem muss der Vertrag noch mit den weiteren Verträgen koordiniert werden - wie der Sicherheitsvereinbarung und der Betriebsbewilligung, die teilweise in der Kompetenz des Regierungsstatthalters stehen.

Total 32 Millionen Franken pro Jahr

Bei der Kulturförderung stehe die Stadt Bern schweizweit an der Spitze, betonte von Graffenried und verwies auf ein entsprechendes Ranking von Avenir Suisse. Positiv gewertet werde insbesondere, dass Bern den Institutionen einen Kostendeckungsgrad von mindestens 20 Prozent vorgebe.

Insgesamt zahlt die Stadt Bern jährlich rund 32 Millionen an die Kulturinstitutionen in der Stadt Bern - also etwas mehr als die Hälfte der total 60 Millionen Franken Subventionen der öffentlichen Hand.

Die nun vorliegende Vierjahres-Planung lege eine Grundlage dafür, dass der hohe Stellenwert des Kulturschaffens in der Stadt erhalten bleibe, sagte von Graffenried. «Zu einer attraktiven Stadt gehört ein attraktives Kulturangebot.» Ein Wachstum von sieben Prozent gegenüber der Vorperiode könne sich die Stadt Bern leisten.

Das Wachstum ist jedoch unterschiedlich verteilt. Die zehn gemeinsam mit Kanton und Gemeinden subventionierten Institutionen, erhalten prozentual nur eine leichte Erhöhung um 2,7 Prozent. Den grössten Brocken macht dabei Konzert Theater Bern aus, das ab 2020 600'000 Franken mehr erhalten soll, gefolgt vom Historischen Museum (plus 400'000 Franken).

Mehr Geld für «auawirleben»

Schwerpunkte setzt die Stadt Bern bei den zwölf ausschliesslich von ihr subventionierten Institutionen. Hierfür will sie im Vergleich mit der laufenden Vierjahresperiode (2016-2019) 15 Prozent mehr ausgeben.

So soll das Theaterfestival «auawirleben» ab 2020 270'000 Franken mehr erhalten, die Dampfzentrale rund 320'000, das Schlachthaus Theater rund 120'000 Franken mehr. Die Kinemathek Lichtspiel kann für 2020-2023 ebenfalls mit jährlich zusätzlich 120'000 Franken und das Haus der Religionen mit 100'000 Franken mehr rechnen.

Bei der direkten Kulturförderung sollen die Mittel ab 2020 um 16 Prozent steigen - von heute 4 Millionen auf 4,67 Millionen Franken. Dieses Wachstum bedeute nicht, dass einfach noch mehr Projekte gefördert würden, sagte Veronica Schaller, Leiterin Kultur Stadt Bern. Ziel seien eher «weniger Projekte mit besserer Finanzierung.»

Stimmvolk entscheidet im Mai 2019

Die Vierjahres-Planung geht nun an das Parlament. Über 14 Kredite entscheidet der Stadtrat in eigener Kompetenz. Vier Kredite werden am 19. Mai dem Volk zur Abstimmung vorgelegt - dabei geht es um die Subventionen für Konzert Theater Bern, Historisches Museum Bern, Kornhausbibliotheken sowie Dampfzentrale.

Über jene Kredite, die gemeinsam mit Regionsgemeinden und Kanton Bern gesprochen werden, entscheidet im März die Regionalversammlung Bern-Mittelland und im Juni 2019 der Regierungsrat. Beim Historischen Museum kommt es im Frühsommer zudem noch zu einer Abstimmung innerhalb der Burgergemeinde Bern. (zec/sda)

Erstellt: 06.12.2018, 11:29 Uhr

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