Kulturszene richtet sich bereits auf die Nach-Schaller-Ära ein

Schlägt Berns Kultursekretärin die Stunde, wenn die Ära Tschäppät endet? Die Kulturszene vermutet es – und hofft mehrheitlich darauf.

Geht sie, wenn er geht? Veronica Schaller und Alexander Tschäppät. (Archiv)

Geht sie, wenn er geht? Veronica Schaller und Alexander Tschäppät. (Archiv)

(Bild: Manuel Zingg)

Die Gerüchteküche brodelt. Auf der Speisekarte steht: Veronica Schaller, die Leiterin der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern. «Es fragen sich viele Leute in der Kulturszene, wie lange Schaller noch im Amt bleibt», sagt etwa Bekult-Chef Christian Pauli. Auch am Gurtengipfel, wo die Kulturszene jeweils vor dem Festival auf interessierte Politiker trifft, sei Schaller an den Tischgesprächen dem Vernehmen nach ein ständiges Thema gewesen.

Nachfolge im Visier

Die Diskussion angestossen hat Lukas Vogelsang, Herausgeber des Kulturmagazins «Ensuite». «Gerüchten zufolge bleibt Veronica Schaller nicht mehr lange Kultursekretärin der Stadt Bern», schrieb er auf Facebook. Die Rede sei von zwei Jahren. Auf Schaller solle eine Frau folgen, die «bereits im Visier» der Behörden sei. Den Urheber des Gerüchts nennt er nicht, die Information stamme aus dem Umfeld von Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). «Sofern es stimmt, was man mir erzählt hat.»

Und, Herr Tschäppät, stimmts? «Das ist völliger Quatsch», sagt der Stadtpräsident auf Anfrage. Weder habe man intern über den Abgang von Frau Schaller gesprochen, noch sei man auf der Suche nach einer Nachfolge. «Ich werde sicher nicht dem nächsten Stadtpräsidenten oder der nächsten Stadtpräsidentin eine solch zentrale Personalentscheidung aufs Auge drücken», sagt er. Schaller selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Von Tschäppäts Gnaden

Doch ist es wirklich so absurd? In der Szene tönt es jedenfalls anders. «Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Verbleib Schallers von Tschäppäts Gnaden abhängt», sagt etwa GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer. Er rechnet damit, dass Schaller nach den Wahlen im November 2016 abtreten wird.

Ein Abgang von Schaller in rund zwei Jahren ist tatsächlich plausibel. In 18 Monaten endet Tschäppäts Amtszeit. Schaller hat Jahrgang 1955 und erreicht schon bald das Pensionsalter. Obwohl sich Mitarbeiterinnen der Stadt nicht zwingend mit 63 pensionieren lassen müssen, ist fraglich, ob sich Schaller nochmals auf einen neuen Chef einlassen will.

Mindestens ebenso unklar ist auch, ob Tschäppäts Nachfolge, die Ursula Wyss (SP) heissen dürfte, noch auf die Dienste von Schaller setzen wird. Denn Schaller ist in der Kulturszene äusserst unbeliebt. Lange wurde ihr etwa vorgehalten, dass Bern über keine echte Kulturstrategie verfüge. Nun hat Schaller zwar die Progr-Leiterin Franziska Burkhardt mit der Ausarbeitung einer solchen betraut. Dies führte aber wiederum zu Unmut, weil das Strategiepapier auch Themen wie Tourismus und Integration umfassen soll.

Burkhardt oder von Greyerz?

Dass die Stadt bereits eine konkrete Person im Visier hat, wie Vogelsang vermutet, halten die meisten Befragten aber für unwahrscheinlich. Namen werden trotzdem herumgereicht. Vogelsang brachte Burkhardt ins Spiel. Sie schreibe ja «als Vorübung sozusagen» das kulturstrategische Papier. «Dann kann sie auch gleich Verantwortung dafür übernehmen», frotzelte er auf Facebook.

Die Person, die aber am häufigsten als mögliche Schaller-Nachfolgerin genannt wird, ist Nicola von Greyerz. Als Präsidentin der Dampfzentrale verfügt sie über Kenntnisse der hiesigen Kulturszene – und als SP-Politikerin auch über die richtige Parteizugehörigkeit. Sie lacht, als sie auf die Gerüchte angesprochen wird. «Das werde ich häufig gefragt», sagt sie.

Der Frage, ob sie denn an diesem Posten Interesse hätte, weicht sie aus: «Dazu mache ich mir im Moment keine Gedanken.» Ohnehin liege der Entscheid weder bei den Kulturveranstaltern noch bei den Kulturschaffenden. «Er liegt beim für das Ressort Kultur verantwortlichen Gemeinderat – und das ist auch gut so.»

Bekult-Präsident Pauli will sich an den Spekulationen über eine Nachfolge grundsätzlich nicht beteiligen. «Ausserdem ist es dafür eh viel zu früh», sagt er. Schliesslich müsse die Stelle ausgeschrieben und mittels eines vorgegebenen Verfahrens besetzt werden. Er erhoffe sich einfach, dass die nächste Amtsleitung ein anwaltschaftlicheres Verhältnis zu den Kulturschaffenden einnehme als die amtierende.

Der Bund

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