Künstlerprotest gegen «Flaggschiff»

Die Stadt Bern möchte das Schlachthaus und die Dampfzentrale fusionieren. Nun wehren sich Theaterschaffende mit einer Petition gegen das Vorhaben.

Zusammen oder alleine: Dampfzentrale (l.) und Schlachthaus.

Zusammen oder alleine: Dampfzentrale (l.) und Schlachthaus.

(Bild: Franziska Scheidegger/Martin Guggisberg)

Seit Ende Mai ist bekannt: Der Kanton und die Regionsgemeinden bezahlen keine Beiträge an Schlachthaus und Dampfzentrale, ab 2016 wird die Stadt Bern finanziell alleine für die beiden Häuser zuständig sein. Die Vision der Stadt ist klar: Sie strebt eine Fusion der Häuser an, gemeinsam sollen sie ein «Flaggschiff für zeitgenössische Kultur» bilden, wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät bei der Bekanntgabe der Subventionsliste sagte.

Vom Schlachthaus kamen bereits früher negative Signale zu diesen Plänen, nun wehren sich auch die Theaterschaffenden. Der Berufsverband der freien Theaterschaffenden (ACT) hat eine Petition lanciert. Diese richtet sich an Veronica Schaller, Leiterin der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern.

Im Petitionstext spricht ACT von einem «überstürzten Prozess ohne Einbezug der produzierenden Kulturschaffenden». Darum fordert der Verband, dass die Kulturschaffenden Berns als Fachleute in die aktuelle kulturpolitische Diskussion eingebunden werden.

Gegen das Flaggschiff

Die Gespräche über eine Zusammenführung der Häuser müssten «ergebnisoffen» geführt werden und insbesondere der Mehrwehrt einer Fusion für das freie Theaterschaffen geprüft werden.

Ein «Flaggschiff» aus Dampfzentrale und Schlachthaus würde das freie Theater schwächen, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Künstlern wäre so nicht mehr möglich, befürchten die Urheber der Petition. Statt «starre, grosse Strukturen und Intendanten-Modelle» solle die Stadt besser die Unabhängigkeit und die Vielfalt des freien Theaters fördern.

Während sich Künstlerseite und Schlachthaus skeptisch zeigen, kamen aus der Dampfzentrale bisher positive Signale. Er erachte eine strukturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen als enorme Chance, sagte Dampfzentrale-Leiter Georg Weinand Anfangs Juni im «Bund».

zec/pd

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