Kristalle aus der tschechischen Drogenküche

In Bern steht ein Deutscher vor Gericht, der ein Kilo der Droge nach Bern gebracht hat, die hier in aller Munde, aber noch kaum verbreitet ist: Crystal Meth.

Die Angeklagten sollen mit Crystal Meth gehandelt werden.

Die Angeklagten sollen mit Crystal Meth gehandelt werden.

(Bild: Keystone)

Es geht um einen süchtigen Koch und einen kräftigen Lehrling, um ein knappes Kilo Metamphetamin, um kriminelle Vietnamesen, ein verletztes Knie und Elektroschockgeräte für Kinder.

Im Mittelpunkt der Geschichte, die seit Montag am Regionalgericht in Bern verhandelt wird, steht ein 31 Jahre alter Koch aus Deutschland. Mindestens 933 Gramm des Metamphetamins Crystal Meth soll er von Anfang 2012 bis Anfang 2013 aus Tschechien, wo der Stoff in Hunderten Drogenküchen hergestellt wird, in die Schweiz gebracht haben.

Grosse Marge

Mindestens sieben Mal soll der Deutsche in unterschiedlicher Begleitung nach Tschechien gefahren sein, in Mietautos meistens, und sich dort bei vietnamesischen Händlern mit Crystal Meth eingedeckt haben. 100 bis 250 Gramm soll er pro Reise erworben haben, zu 20 bis 25 Euro das Gramm. Er versteckte die Drogen in der Mittelkonsole oder in der Lüftung des Fahrzeugs, brachte sie in die Schweiz und verkaufte sie hier für bis zu 300 Franken das Gramm, also für mehr als das Zehnfache dessen, was er bezahlt hatte. Der Mann, der den Stoff auch selbst konsumierte, ist grundsätzlich geständig.

Unklar ist die Rolle des zweiten Mannes, der in Bern vor den Richtern sitzt: ein Lehrling, Schweizer, 21 Jahre alt. Wer ihn sieht, denkt eher an Anabolika als an Crystal Meth: Seine Oberarme sind so breit wie anderer Menschen Oberschenkel. Mindestens zwei Mal ist er zusammen mit dem Koch nach Tschechien gereist. Der Lehrling sagt, er habe nicht einmal gewusst, worum es bei den Reisen ging. Was allerdings gegen seine ­Unwissenheit spricht: Mehrmals soll er den Koch in Bern zu Bordellen chauffiert haben, in die Lorraine, in die Länggasse und an den Sandrain, wo dieser thailändische Prostituierte versorgte.

Wer war Mitläufer, wer Anstifter?

Der Koch zeichnet ein ganz anderes Bild vom Lehrling. Er behauptet, dieser sei zumindest am Schluss die treibende Kraft bei der Drogenbeschaffung gewesen. Er selbst habe nämlich die letzte Fahrt gar nicht mehr unternehmen wollen. Doch dann habe er eines Abends vor seiner Wohnung Besuch erhalten, von zwei Albanern, «oder zumindest so was in der Richtung». Der Lehrling habe die beiden vorbeigeschickt, um ihn zu zwingen, doch zu fahren. Die Angreifer seien mit einem Messer bewaffnet gewesen und hätten ihn in der Kniekehle verletzt. Alles Humbug, sagt der Lehrling: «Seine Geschichte ist ein einziges Märchen.» Der Koch stelle ihn dar, «als wäre ich Pablo Escobar oder weiss nicht was». Dabei sei er nur Mitläufer.

Ob nun tatsächlich eingeschüchtert oder aus freien Stücken: Im März 2013 fuhr der Koch jedenfalls zum letzten Mal nach Tschechien. Der Lehrling kam nicht mit, dafür aber eine heute 45 Jahre alte zweifache Mutter, die sich seit einiger Zeit bei ihm mit der Droge versorgte und sich von der Reise günstigen Stoff versprach. Der Deal, den sie ausmachten, war simpel und nicht eben fair: Sie lieh dem Koch 2500 Franken, gemeinsam fuhren sie nach Tschechien und kauften 71 Gramm der Droge. Der Koch gab seiner Begleiterin 31 Gramm und versteckte die restlichen 40 im Luftfilter des Hyundais. Die beiden brachten die Kristalle fast nach Hause, aber eben nur fast: Im Wankdorf wurden sie von der Polizei angehalten, beide kamen in ­Untersuchungshaft.

Souvenir für den Sohn

Die Frau ist nun nicht nur wegen der Drogendelikte, sondern auch noch wegen Widerhandlung gegen das Waffen­gesetz angeklagt. Dies deshalb, weil sie in Tschechien zwei Elektroschockgeräte und zwei Schlagringe erworben hat. Es sei ein gutes Angebot gewesen, sagt sie den Richtern, «zwei für eins». Warum sie ein Elektroschockgerät und einen Schlagring ihrem 15-jährigen Sohn schenkte, sagt sie nicht.

Der Koch, der im Thorberg einsitzt, hofft, bald wieder draussen zu sein und eine Anstellung in einer Küche zu finden. Der Kraftprotz möchte seine Lehre beenden können. Die Mutter, die wie der Lehrling längst aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, sagt, sie sei clean und wolle sich nun um die Erziehung ihrer Kinder kümmern.

Die Richter wollen die Urteile in allen drei Fällen am Mittwoch sprechen.

DerBund.ch/Newsnet

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