Kreative Wohnideen für Berns Brachen

Architekten fordern eine bessere Nutzung von leer stehendem Gelände in der Stadt. Insbesondere kämen dafür temporäre, modulare Wohnlösungen infrage.

Diese Wohncontainer für Studenten in Amsterdam dienen Berner Architekten als Vorbild.

Diese Wohncontainer für Studenten in Amsterdam dienen Berner Architekten als Vorbild. Bild: zvg/Tempohousing

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Zwischennutzung: Eine einst banale Wortkomposition ist in Bern heute für viele mit erfrischenden Gastrokonzepten und kreativen Jungunternehmen identisch. Paradebeispiele dafür, dass neues Leben in alte Wände gehaucht werden kann, sind die Erfolgsgeschichten der alten Feuerwehrkaserne Viktoria und des früheren Zieglerspitals. Zudem haben die Projekte gezeigt, dass vorübergehend leer stehende Gebäude auch für Wohnlösungen in Frage kommen: Beide dienen als interimistische Asylunterkünfte.

Doch nicht nur Gebäude können zwischengenutzt werden. Auch brachliegende Flächen, auf denen eines Tages etwa eine neue Wohnsiedlung oder ein Einkaufszentrum entstehen, könnten Platz für innovative Ideen bieten. So sieht es jedenfalls die Architektin Kathrin Merz. Sie leitet Modulart, ein Ideenlabor für modulares Bauen. Modulart will zeigen, wie auf leerem Gelände Projekte mit vorgefertigten Elementen realisiert werden können. «Wir wollen eine Diskussion dazu anstossen, wie Berns brachliegenden Flächen besser für temporären Wohnraum zwischengenutzt werden können», sagt sie. «Beim Gaswerkareal etwa plant man seit Jahrzehnten, aber die Planung gerät immer wieder ins Stocken.»

Züglete auf nächste Freifläche

Zu den Ideen von Modulart gehören Konzepte, die sich an ein breites Zielpublikum richten. «Wir denken an Studierende, Asylsuchende und andere Einwanderer oder auch an Menschen, denen vorübergehend Unterkunft geboten werden muss, wenn ihr permanentes Wohngebäude saniert wird», sagt Merz. «Für studentisches Wohnen könnte man beispielsweise Leute in Wohnmodulen unterbringen, die im Fünfjahresrhythmus zur nächsten brachliegenden Fläche gezügelt werden.»

Zu den Vorbildern zählen etwa Pop-up-Wohnräume für Studenten in Wien oder Wohncontainerprojekte in Holland. Die Benutzung von echten Transportcontainern beim Wohnungsbau passe aber weniger ins Bild der Stadt Bern als Unesco-Weltkulturerbe, schränkt Merz ein. «Vielmehr denken wir an architektonisch wertvolle Lösungen.» Infrage kämen beispielsweise mobile, speziell angefertigte Raumzellen aus Holz.

Eine derartige Zwischennutzung könne eine Fläche aufwerten. «Das bringt einen wirtschaftlichen und je nach Ort und Nutzung auch einen kreativ-kulturellen Mehrwert», sagt Merz. «Das ist für die Stadt in jedem Fall eine Bereicherung.» Zudem könne die Belebung einer Brache Ideen für eine zukünftige Überbauung liefern und identitätsstiftend sein. Merz und die Mitarbeitenden ihrer Denkfabrik hoffen, dass solche Argumente in der Stadtberner Politik auf Begeisterung stossen. Möglicherweise rennen sie damit offene Türen ein. Zwar wäre die Errichtung temporärer Wohnungen auf leeren Arealen nicht sofort und überall umsetzbar, sagt Walter Langenegger, Leiter des städtischen Informationsdienstes. «Sie sind nur in Wohnzonen zulässig, sofern sie auch alle anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie etwa Zonenkonformität und Grenzabstände einhalten.»

Stadt will Verfahren vereinfachen

Die Stadtexekutive habe jedoch bereits einen Schritt gemacht, um derartige Projekte schneller auf die Beine zu bringen. Damit solche Zwischennutzungen zukünftig einfacher möglich seien, habe der Gemeinderat das Stadtplanungsamt beauftragt, eine entsprechende neue Regelung als Ergänzung der städtischen Bauordnung zu erarbeiten, so Langenegger. Die Arbeiten dazu seien derzeit noch im Gang. Kathrin Merz wünscht sich Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden. «Der Prozess kann nur im Dialog angegangen werden», sagt sie. «Die Stadt ist dabei die zentrale Partnerin.»

(Der Bund)

Erstellt: 17.04.2018, 06:42 Uhr

Zwischennutzung

Am 24. Mai 2018 findet um 17 Uhr ein Städtebau-Stammtisch zum Thema «Inzwischen Wohnen» im Berner Kornhausforum statt. Die Podiumsdiskussion wird vom Architekturmagazin «Hochparterre» mit Unterstützung von Modulart veranstaltet.

Zu den Teilnehmern gehören Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried, die Architektin Barbara Buser, Daniel Blumer, Leiter des Kompetenzzentrums gemeinnütziger Wohnungsbau und Markus Mettler, CEO der Halter AG, die bei der Entwicklung der Überbauung auf dem Europaplatz massgeblich beteiligt war.

Weitere Infos: Hochparterre.ch/veranstaltungen.

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