Kompromiss in der Münstergasse

Restaurants in der unteren Altstadt in Bern kämpfen um ihre Existenz. Im Fall des koreanischen Lokals Chun Hee zeichnet sich nun eine kurzfristige Lösung ab.

Der gelbe Streifen rechts kennzeichnet den Umschlagplatz, auf dem bis vor kurzem Tische aufgestellt waren.

Der gelbe Streifen rechts kennzeichnet den Umschlagplatz, auf dem bis vor kurzem Tische aufgestellt waren. Bild: Adrian Moser

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Für Eve Angst und Martin Mühlethaler hätte es ein teurer Sommer werden können. Den Besitzern des koreanischen Restaurants Chun Hee in der Berner Münstergasse wurden laut Mühlethaler insgesamt drei Bussen ausgestellt beziehungsweise angedroht. Das Problem ist der sich vor dem Restaurant befindende Güterumschlagplatz. Die Restaurantinhaber stellten auf besagtem Parkplatz bis vor kurzem Tische und Stühle auf. Für das Restaurant sind die zusätzlichen Aussenplätze überlebenswichtig.

Mit weniger Aussensitzplätzen lohne sich der Betrieb im Sommer nicht mehr, sagen Angst und Mühlethaler. Sie weigern sich deshalb, ihre Aussenfläche zu begrenzen. «Allein in der Münstergasse weiss ich von mehreren Restaurants ohne Bewilligung oder solchen, die sich nicht an die Beschränkungen halten», sagt Mühlethaler.

Tatsächlich kämpfen auch andere Restaurants mit zu wenig Aussensitzfläche. Diese haben aber keine Umschlagplätze vor der Haustür. «Dort ist es einfacher, auch mal ein Auge zuzudrücken», sagt Marc Heeb, Leiter des Polizeiinspektorats der Stadt Bern. Denn die Umschlagplätze müssten unter allen Umständen frei bleiben, damit die Warenanlieferung ungehindert vonstatten gehen könne. «Generell versuchen wir aber, tolerant zu sein, wenn die Restaurants mehr Fläche belegen, als erlaubt ist», so Heeb.

Stadt wird aktiv

Ende Juli erhielt Eve Angst einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft. Erst letzte Woche verwarnte die Polizei Mühlethaler und Angst erneut. Doch nun scheinen sich die Behörden des ständigen Konfliktthemas anzunehmen. «Immer wieder Bussen zu verteilen, ist wenig zielführend, deswegen suchen wir aktiv das Gespräch sowohl mit den Anwohnern als auch mit den Betreibern», sagt Heeb. Die angedrohten Bussen wurden schlussendlich nicht ausgesprochen. Die Thematik ist der Stadt also nicht neu. Letzte Woche ergab sich ein klärendes Gespräch, bei dem sich unter anderem Stadträtin Claudine Esseiva (FDP) dafür einsetzte, einen Kompromiss für das Chun Hee zu finden. Das Restaurant darf diesen Sommer die Aussensitzfläche in Richtung des Münsterplatzes erweitern, sofern dabei der Umschlagplatz frei bleibt.

Umsonst ist diese Lösung aber nicht zu haben: «Die nebenan liegende Fläche, die wir jetzt zusätzlich bewirten dürfen, wird uns in Rechnung gestellt», sagt Mühlethaler. Ausserdem müsse eine Eingabe für eine Baubewilligung bei der Stadt erfolgen. Bisher hatten sich Angst und Mühlethaler dagegen gesträubt, da es vom Einverständnis des Hausbesitzers abhängt, ob das Gesuch genehmigt wird oder nicht. Mühlethaler findet, es liege an der Stadt, sich für das Gewerbe einzusetzen und mit missmutigen Hausbesitzern zu verhandeln. Eingewilligt haben Angst und Mühlethaler schliesslich, weil man ihnen versprach, mit besagtem Hausbesitzer zu reden. «Wir werden versuchen, das Gesuch zu unterstützen, bis dahin lassen wir eine gewisse Toleranz walten», bestätigt Polizeiinspektor Heeb. Erst kürzlich habe sich das Geschäft nebenan für eine Aussenbestuhlung ausgesprochen, da diese die Strasse belebe.

Wie geht es weiter?

Der diesjährige Sommer ist schon so gut wie vorbei, doch was passiert in den kommenden Jahren? Bei diesem Kompromiss handle es sich nur um eine Übergangslösung, sagt Stadträtin Claudine Esseiva (FDP). Nun müssten längerfristige Lösungen gesucht und gefunden werden. Darum setzt sich Esseiva für eine Verbesserung der Situation ein und fordert in einem Postulat vom Gemeinderat für die untere Altstadt ein neues Konzept. Wünschenswert wäre beispielsweise eine Regelung, wie sie heute in der Aarbergergasse gilt, sagt Esseiva.

Ob der Vorstoss Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Auch die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS) ist an einer zufriedenstellenden Lösung interessiert. Man stehe zusätzlichen Aussenbestuhlungsflächen in der Innenstadt grundsätzlich positiv gegenüber, lässt Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) mitteilen. Wichtig sei aber, dass im Zusammenhang damit Übereinkünfte mit den Restaurants getroffen würden, die auch im Einklang mit den Bedürfnissen der Anwohnenden und des ortsansässigen Gewerbes in Sachen Anlieferung stünden. (Der Bund)

Erstellt: 30.08.2018, 06:38 Uhr

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