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Kommentar: Kein Thema, um Schuldige zu suchen

Suizid ist kein Thema, um nach Schuldigen zu suchen. Mit Netzen an Berner Brücken können Leben gerettet werden.

«Da het är all die Lacher i däm Glächter in la sitze und het sech himmeltruurig ds Läbe gno», hat Mani Matter über Dällebach Kari gesungen. Himmeltraurig ist sie, die Brückensuizid-Problematik, und Bern musste sich als Rekordhalter bezeichnen lassen – als die Brücken noch ungesichert waren. Die erschreckenden Zahlen kennt man seit fünf Jahren. Schon viel länger, wohl seit dem Bau der Hochbrücken Ende des 19. Jahrhunderts, weiss man von den Tragödien, die sich abspielen. Dällebach Karis Geschichte war eine davon. Gemeinderätin Regula Rytz zeigte am Rande der gestrigen Pressekonferenz auch eine Korrespondenz zwischen dem Gymnasium Kirchenfeld und der Stadtregierung aus den 1980er-Jahren, in der die Schule auf die unhaltbaren Zustände für Schüler hinweist. Bislang wurden solche Hinweise stets mit demselben Argument vom Tisch gewischt: Wer sich umbringen will, findet einen Weg. Inzwischen weiss man: Das stimmt so nicht. Mit Netzen können Leben gerettet werden. Trotz eindrücklicher Studien – notabene von Berner Forschern – bezweifelte der Gemeinderat noch 2009 in seiner Antwort auf einen ersten Vorstoss, dass die Zahlen tatsächlich aussagekräftig seien. Im gleichen Jahr spitzte sich die Situation derart zu, dass die Stadtregierung notfallmässig reagierte und Zäune installierte.

Suizid ist kein Thema, um nach Schuldigen zu suchen. Es wäre pietätlos, nun Schwarzer Peter zu spielen und abzuwägen, ob die Regierung erst zu lethargisch war, die Medien zu reisserisch berichteten oder die Lobbygruppe mit ihrer Publizitäts-Offensive die Zunahme am Ende gar auslöste. Man muss festhalten: Die Regierung hat mit den provisorischen Netzen pragmatisch reagiert. Und die Direktion Rytz geht das Vorhaben gewohnt sorgfältig und breit abgestützt an. In Anbetracht dessen, wie langsam politische Mühlen sonst mahlen, sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse relativ rasch in Massnahmen gemündet. Ärgerlich ist, dass der Gesamtgemeinderat aus Kostengründen die Lorrainebrücke vorerst nicht sichern will. Es ist der falsche Ort, um Geld zu sparen.

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