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Kommentar: Aufarbeiten, nicht umbenennen

Wenn Universitäten, Kasernen, Strassen oder sogar Berge nach Menschen benannt werden, taucht später oft ein Problem auf.

Der Namensgeber fällt wegen eines Regimewechsels in Ungnade oder es tauchen dunkle Flecken in seiner Biografie auf, deretwegen die Nennung nicht mehr als opportun gilt. Ein Wirbel wird veranstaltet, bei dem oft nicht das hehre Anliegen im Zentrum steht, vielmehr soll Wasser auf die Mühle politischer Aktivisten gelenkt werden. Der Umbenennungsinitiant Hans Fässler gilt im Kanton St. Gallen diesbezüglich seit Jahrzehnten als feste Grösse. Es ist sonnenklar, dass ein Hitler-Denkmal oder eine Stalin-Allee untragbar sind. Doch der Fall Agassizhorn spielt nicht in dieser Liga. Von Louis Agassiz sind neben wichtigen wissenschaftlichen Arbeiten auch Äusserungen überliefert, die heute problematisch und unverständlich wirken. Das ist bei vielen Persönlichkeiten so: Sie waren dem Zeitgeist verhaftet und verrannten sich – man denke an Martin Luthers rabiaten Antisemitismus. An uns ist es, Licht und Schatten von Persönlichkeiten möglichst objektiv zu würdigen. Die «Umbenamserei» – man denke nur an das aktuelle Beispiel des Hotels zum Mohren in Huttwil – ist billiger Aktivismus, der zu gar nichts führt.

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