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Klein, aber oho

Stadtratsausflug über die Kantonsgrenzen hinaus: Parlamentsmitglieder besuchten Berns Geldquelle, die Stadt Zug.

Beruhigende Erkenntnis: Gespart wird überall, auch in Zug.
Beruhigende Erkenntnis: Gespart wird überall, auch in Zug.
Keystone

Der ganze Kanton Zug sei kleiner als manche Gemeinden im Kanton Bern, vermutet Stefan Moos, Stadtratspräsident von Zug. Er dürfte recht haben. In den Tischreihen des Regierungsgebäudes sieht er sich am Donnerstag nicht den üblichen Parlamentsmitgliedern gegenüber, sondern Stadträtinnen und -räten aus Bern. Neben ihm sitzt Berns Stadtratspräsident Rudolf Friedli (SVP). Er hat in Zug nette Verwandte und entschloss sich daher, die Berner Kollegen ins schmucke Städtchen an idyllischer Seelage zu entführen.

Über Friedli und Moos hängt Jesus am Kreuz. Ob es damit noch nie Probleme gegeben habe, erkundigt sich Luzius Theiler (GPB) – und nimmt dem GLP-Stadtrat und Freidenker Michael Köpfli die Frage aus dem Mund. «Nein», sagt der Zuger kurz und bündig, man sei ein katholischer Kanton. Eine Zuger GLP-Stadträtin, die früher im Berner Stadtrat sass, erwägt einen Vorstoss, verwirft den Gedanken aber gleich wieder, da dies «politischer Selbstmord» wäre.

Vor dem Gebäude erinnert ein schlichtes Mahnmal mit Lichtern unter einer Glasplatte an den 14-fachen Mord, der sich im schmucken Saal ereignet hat. Im Jahr 2001 schoss ein hasserfüllter Bürger wild um sich, tötete Parlamentarier und Regierungsräte und verletzte viele. Das entsetzliche Ereignis, das über Zug hereinbrach, löste über die Schweiz hinaus Betroffenheit aus.

Für die Schifffahrt reich es nicht

Für eine Schifffahrt ist die Zeit zu kurz. Dennoch lässt sich vom Schiff aus über den Finanzausgleich diskutieren, gibt es doch Znacht im Restaurant Schiff. Die Berner haben den Zuger Ratspräsidenten dazu eingeladen. Dieser dankt, merkt aber an, dass Zug die Zeche «vorfinanziert» habe. Ein Drittel des Stadtzuger Steuergeldes rasselt wie ein Jackpot in den innerzugerischen Finanzausgleich – und in den NFA, von dem finanzschwache Kantone wie das Schwergewicht Bern profitieren.

Der soziale Frieden sei das wert, ereifert sich Nicola von Greyerz (SP) vor der Beiz auf der besonnten Seepromenade, auf der gut gelaunte Menschen Jazzklängen lauschen, als wärs in Montreux. Ja, sagt Moos, der oberste Stadtzuger, Solidarität sei wichtig, aber es habe alles seine Grenzen. Wenn er im Emmental tolle Umfahrungsstrassen sehe und daran denke, welch pingelige Sparpakete Zug schnüre, werde ihm anders. Vielleicht stimmen ihn die Mandelbärli milder, welche die Berner mitgebracht haben. Der alte Car, der die Berner wieder nach Hause bringt, fährt in Zug an einem Showroom für Luxusautos vorüber. An der Fassade fehlt ein Leuchtbuchstabe. «P RSCHE» heisst es nur. Überall wird gespart.

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