Kino Kunstmuseum will ins Ciné Rex ziehen

Die Betreiber des Kino Kunstmuseum stehen kurz vor der Übernahme des Ciné Rex an der Schwanengasse.

Soll zum Kulturkino werden: Das Ciné Rex.

Soll zum Kulturkino werden: Das Ciné Rex.

(Bild: Martin Guggisberg)

Das traditionsreiche Berner Ciné Rex wird zum Kulturkino. Ab Winter 2014/15 soll an der Schwanengasse kuratiertes Programmkino mit Retrospektiven und Werkschauen zu sehen sein, aber auch Premierenkino mit Dokumentar- und Spielfilmen unabhängig produzierender Autoren.

Betrieben wird das neue Rex von den Leuten, die bislang das Kino Kunstmuseum führten. An der Schwanengasse lösen sie als Mieter die Kinokette Kitag ab, die den Standort aufgibt.

Das Kino Kunstmuseum mit seinem Betreiberverein Cinéville wagt die Flucht nach vorn, wie die Verantwortlichen am Donnerstag vor den Medien deutlich machten. Sie mussten einen neuen Standort suchen, weil das Kunstmuseum den bisherigen Saal selber beansprucht.

Fündig wurden sie an zentraler Lage, unweit des Bahnhofs. Das Ciné Rex ist Berner Kinogängern seit Jahrzehnten vertraut. Die neuen Mieter möchten die Tradition erhalten und «in cinéphilem Geist wiederbeleben».

Mit Programmkino allein lasse sich das Rex aber nicht betreiben, sind sie überzeugt. «Wir haben uns deshalb zu einem schweizweit wohl einmaligen Mix von Programm- und Premierenkino entschlossen», sagte Geschäftsführer Thomas Allenbach.

Zwei Kinosäle

Sobald die Übernahme besiegelt ist, soll das Rex umgebaut werden. Zum einen wird der Balkon in einen zweiten Saal mit 60 Plätzen umfunktioniert, zum anderen wird das Foyer vergrössert und mit einer Bar aufgewertet. Der Saal im Parterre hat neu noch 130 Plätze.

Der Umbau soll 1,8 Millionen Franken kosten. Zu zwei Dritteln kommen Private dafür auf, darunter die - nicht namentlich bekannten - Eigentümer des Hauses sowie Mäzene und Sponsoren. Ein Drittel übernehmen Stadt und Kanton Bern.

Das hat bereits für Unmut gesorgt. Der Kinobetreiber Quinnie wittert eine Marktverzerrung mit öffentlichen Geldern. Anders sehen es die Betreiber des Kinos Kunstmuseum.

«Neues Angebot schafft neue Nachfrage»

«Das Cinéma Rex ist als Kulturprojekt kein Konkurrent, sondern eine Ergänzung zu anderen Kinos», betonte Geschäftsführer Allenbach. Im Zentrum stünden der künstlerisch engagierte Film und das einheimische Schaffen. «Mit dem neuen Angebot schaffen wir eine neue Nachfrage», davon könnten letztlich alle profitieren.

Die Teilkommerzialisierung sei nötig, anders könne das Projekt nicht funktionieren, machten auch Cinéville-Präsidentin Madeleine Corbat und Vorstand Peter Erismann deutlich. Im Kunstmuseum habe das Kino heute ein Budget von 560'000 Franken, künftig seien es 1,2 Millionen – unter anderem, weil neu eine Miete zu entrichten ist.

Von der öffentlichen Hand kommen jährlich 190'000 Franken, den Rest müssen die Kinomacher selber erwirtschaften. Deshalb ist für sie eine «Quersubventionierung» des Programmkinos durch den Premierenbetrieb unabdingbar.

Der Eigenfinanzierungsgrad sei mit 68 Prozent heute schon vergleichsweise hoch, sagte Allenbach. Nun werde er noch steigen.

Projekt mit Risiken

Dass das «Abenteuer Rex» ein Wagnis ist, verhehlen die Verantwortlichen nicht. Aber sie glauben an den Erfolg ihres Projekts und verweisen darauf, dass sie die Zuschauerzahlen im Kunstmuseum seit der Neuausrichtung 2011 deutlich steigern konnten.

«Und wir haben dabei niemandem etwas weggenommen», sagte Allenbach. In der Berner Kino-Landschaft habe es für vielerlei Projekte Platz, schliesslich sei die Auswahl an Filmen riesig. Die Zusammenarbeit mit Kellerkino und Lichtspiel solle im übrigen im Rex fortgesetzt werden, davon profitierten alle.

bs/sda

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