«Keiner vermisst den Parkplatz auf der Schütz»

Der Parkplatz könnte künftig einer grünen Oase weichen. Stadtpräsident Alexander Tschäppät hofft darauf.

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Er braust auf seinem E-Bike an, der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Mitten auf der Schützenmatte stellt er sein weisses Velo ab und hängt den Helm an den Lenker. Hier findet seit August das Neustadtlab-Projekt statt. Wo sonst ein grosser Parkplatz ist, werden während zweier Monate alternative Nutzungen ausprobiert. Tschäppät hat seine Freude daran: «Keiner vermisst den Parkplatz. Dies hat das Projekt gezeigt», sagt er. Er könne sich vorstellen, dass man die jetzige Betonwüste noch mehr begrüne. «Ein paar Pflanzen, mehrere Bars – und schon funktioniert dieser Ort», zieht er Bilanz. Der Platz habe grosses Potenzial, eine Stadtoase zu werden, sagt er, während er sich auf eine der Harassen setzt, die hier als Sitzgelegenheit dienen.

Er sei ein sehr grosser Fan dieses Platzes, sagt er und rührt den Espresso im Pappbecher mit dem Finger um. Im Hintergrund steht «Der Turm». Dies ist ein Kunstobjekt zum Thema Überwachungsstaat, das mit einem übergrossen, aufgemalten Auge auf den Stadt­präsidenten runterschaut. Viel los ist an diesem Nachmittag nicht. Der Koordinator des Projekts, Juerg Luedi, sitzt vor dem hölzernen Infopavillon.Die beiden Bars sind noch geschlossen, und die aufgestellten metallenen Kunstfiguren sind mit rotem Absperrband ­abgesperrt.

Tschäppät will «keine kommerziellen Dinge»

In Tschäppäts Vision befindet sich auf der Schützenmatte künftig ein Generationenplatz. «Es braucht hier keine kommerziellen Dinge.» Dabei blickt der Stadtpräsident auf die als Kunstprojekt aufgeschütteten Kies- und Sandhaufen auf dem Platz. «Es wäre schön, hier künftig Kiesboden zu haben. Dann könnte man Boccia spielen». Auch ein Spielplatz sei wünschenswert, denn in der Gegend gebe es wenig Vergnügungsmöglichkeiten für Kinder. «Auch Jugendliche sollen sich hier weiter treffen dürfen. Eine Rasen-betreten-verboten-Atmosphäre braucht es nicht.»

Als er vom Generationenplatz spricht, denkt der Stadtpräsident plötzlich an seine persönliche Zukunft: «Ich kann mir vorstellen, als Rentner die Planung des Platzes zu übernehmen und Pläne zu zeichnen», sagt er spasseshalber. Wie sich der Ort im nächsten Jahr entwickeln soll, ist noch nicht entschieden: «Ich fände es schade, wenn der Parkplatz bliebe», sagt Tschäppät. Ginge es nach ihm, sollte der Gemeinderat noch im nächsten Jahr die Aufhebung der Parkplätze realisieren, sagt er. Man müsse zudem dafür sorgen, dass künftig die Strasse zur Hodlerstrasse besser überquert werden könne.

Kein Diktat der Reitschüler

Mit Krawatte gekleidet, steht Tschäppät auf dem Platz, als eine Bettlerin an ihn herantritt. «Hast du ein bisschen Geld für ein Joghurt, oder willst mir eine Muschel abkaufen?», fragt sie mit einer faustgrossen Muschel in der Hand. Tschäppät zieht aus seinem Hosensack ein paar lose Münzen. «Ich verstehe Leute, die nicht hierherkommen wollen, die sich etwa an den Sprayereien stören.» Man müsse sich eingestehen, dass man so nah an der Reitschule wohl nie eine UBS-Aktionärsversammlung durchführen könne. Ihm sei es aber wichtig, dass möglichst viele Menschen in die Planung der künftigen Oase mit einbezogen würden – auch die Reitschüler. Aber man dürfe sich von Letzteren nicht zu stark diktieren lassen, was auf dem Platz dereinst entstehe.

(Der Bund)

Erstellt: 18.09.2015, 10:42 Uhr

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