Keine Zukunft für das Berner Altstadt-Kino

Die neue Hauseigentümerin der Kramgasse 72 sieht keine Möglichkeit, das Kino Capitol weiterhin gewinnbringend zu betreiben.

Das Kino Capitol an der Kramgasse 72 hat keine Zukunft.

Das Kino Capitol an der Kramgasse 72 hat keine Zukunft.

(Bild: Adrian Moser)

Naomi Jones

Nun ist klar, worüber sich viele Berner Kinogänger den Kopf zerbrochen haben. Das Kino Capitol an der Kramgasse 72 hat keine Zukunft. Voraussichtlich 2018 geht es zu. Letzten Sommer hat die Zürcher Immobilien-Anlagestiftung HIG die beiden Häuser an der Kramgasse 72 und 74 gekauft. Im einen ist das Kino Capitol untergebracht. Im anderen ist das Restaurant Beef Steakhouse.

«Das Kino ist kommerziell nicht mehr tragbar», erklärte der Geschäftsleiter Fritz Burri heute den Medien. Der Kinosaal und das Gebäude seien in einem schlechten Zustand. Weil sich die HIG des historischen Werts der beiden Gebäude bewusst sei, sollen sie saniert und umgenutzt werden. «Die Liegenschaften sollen neuen Glanz erhalten», sagt Burri.

Im Erdgeschoss sieht die HIG Läden und das bestehende Restaurant vor. Das erste Obergeschoss will sie an Dienstleister wie Ärzte oder Anwälte vermieten. In den oberen Geschossen werden die bestehenden Wohnungen saniert und ebenfalls vermietet.

Eine frühe «Bausünde»

Die HIG arbeitet eng mit der städtischen Denkmalpflege zusammen. Denn die beiden Häuser wurden im 18. Jahrhundert vom Schweizer Architekten Albrecht Stürler als Stadtpaläste gebaut. 1928 baute der Berner Architekt Hans Weiss ein Lichtspieltheater ein. «Eigentlich war dies eine der ersten Bausünden in der unteren Altstadt», sagt der Berner Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross. Doch das Art-déco-Kino gilt heute selbst als erhaltenswert. Dies allerdings bedeute keinen unumstösslichen Schutz für den Saal, erklärt Gross. Erhaltenswerte Objekte müssen nur geschont werden. Die schützenswerten Objekte müssen bewahrt werden. Ausserdem ist auch das Kino nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand. Sowohl in den 1950er-Jahren wie in den 1970er-Jahren ist es umgebaut worden.

Nachdem HIG eine architekturhistorische Analyse der Häuser hat durchführen lassen, will sie nun ausgewählte Architekturbüros zu einem Studienauftrag einladen. Diese sollen Ideen entwickeln, wie sich die beiden Kramgasse-Paläste so nutzen lassen, dass sich ihr Gebrauch sowohl mit den Bedürfnissen der unteren Altstadt als auch den Rahmenbedingungen der Denkmalpflege und den kommerziellen Vorstellungen der HIG verträgt.

Der Bund

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