Die Velobrücke wird zum Wahlkampfthema

Alec von Graffenried fordert Ursula Wyss auf, «den Fächer an Lösungen» offen zu lassen.

Die Planungen der Velobrücke in Bern sind weiterhin im Gang. Bis zum Baubeginn dürften aber noch einige Jahren verstreichen.

Die Planungen der Velobrücke in Bern sind weiterhin im Gang. Bis zum Baubeginn dürften aber noch einige Jahren verstreichen.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Adrian Müller@mueller_adrian

Ein kühler Wind wehte einer Delegation des Stadtrats am Mittwoch entgegen: Anwohner protestierten bei einem Rundgang vor Ort mit Transparenten gegen den Bau der Velobrücke. Für viel Emotionen gesorgt hat insbesondere die Linienführung im Bereich der Polygonbrücke.

Selbst der Präsident des Vereins Pro Panoramabrücke, Alec von Graffenried, ist unzufrieden mit dem Vorgehen der Stadt: «Man sollte den Fächer an Lösungen offen lassen und noch keine Varianten ausschliessen.» Er stichelt damit indirekt gegen seine Kontrahentin ums Stadtpräsidium, Baudirektorin Ursula Wyss (SP). Diese hatte nach Protesten rasch eine Linienführung verworfen, bei der das Chalet der Familie Casaluci hätte abgerissen werden müssen.

Nun stellt sich der nationale Feuerwehrverband gegen die von Wyss favorisierte Variante, die einen massiven Wertverlust des Wohnblocks der Feuerwehr zur Folge hätte. Von Graffenried sagte weiter, die Frage der finanziellen Entschädigung der Anwohner müsse nun von der Stadt «so rasch als möglich» angegangen werden.

Ins gleiche Horn wie von Graffenried bläst auch Manfred Leibundgut, Präsident der Quartierkommission Dialog Nordquartier. «Architekturwettbewerbe haben schon die erstaunlichsten Lösungen hervorgebracht. Ich finde es eine schlechte Haltung, bereits jetzt Varianten auszuschliessen», sagte er am Rande des Rundgangs. Leibundgut ist selbst Architekt. «Planer brauchen in diesem Stadium so viel Handlungsspielraum wie möglich.»

Leibundgut führte die Stadtratsdelegation von der Polygonbrücke weiter zur Lorrainebrücke, dem eigentlichen Nadelöhr der geplanten Velohauptroute Bahnhof Bern–Wankdorf. Täglich fahren Tausende Velofahrer durch den Flaschenhals. Die Stadt will dort nun eine Autospur zugunsten der Velofahrer aufheben. «Ein neues Velobrückenprojekt anzustossen, ist schwierig, bevor eine Lösung auf der Lorrainebrücke realisiert ist», fasst Leibundgut den Tenor der Rundgangsteilnehmer zusammen.

Velosteg neben Lorrainebrücke?

Aufmerksam verfolgte SVP-Stadtrat Alexander Feuz die Ausführungen eines Experten, der erneut die Variante eines Velostegs neben der Lorrainebrücke ins Spiel brachte. «Eine solche Variante halte ich –im Gegensatz zu jener der Stadt – durchaus für prüfenswert.» David Stampfli (SP), Präsident von Pro Velo Bern, sieht diesen Vorschlag nur als «Nebelpetarde». Ein Steg an diesem Standort löse die Verkehrsprobleme beim Bollwerk überhaupt nicht.

Sein Parteikollege Stefan Jordi pflichtete ihm bei. Ein Steg neben der Lorrainebrücke würde zudem niemals von Bundesgeldern profitieren. Für Jordi kommt die regionale Bedeutung der geplanten Velobrücke zu kurz, stattdessen werde über den Schattenwurf auf einzelne Häuser diskutiert. «Es herrscht noch zu viel Gärtchendenken», so Jordi. Die Meinungen über die Velobrücke sind selbst im links-grünen Lager noch lange nicht gemacht, wie die aufgeladene Diskussion in den letzten Monaten gezeigt hat.

Dementsprechend wittern die Bürgerlichen Morgenluft: «Wir sehen reelle Chancen, das Prestigeprojekt in einer Volksabstimmung zu bodigen», sagt FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher nach dem Rundgang. Die Planung der Velobrücke geht derweil weiter. Als Nächstes entscheidet der Stadtrat über eine Erhöhung des Planungskredits. Das Volk dürfte frühstens 2020 über das Projekt befinden.

Der Bund

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