Keine Lust auf Freudenhäuser

Gegen das geplante Bordell in der Aarbergergasse werden zurzeit Unterschriften gesammelt. Einsprecher fürchten, dass die Strasse «wieder zu einer unheimlichen Hinterhof-Gasse» wird.

Einsprecher befürchten ausserdem, dass die Wunderbar zu einer Kontaktbar wird, in der Prostituierte Freier anwerben.

Einsprecher befürchten ausserdem, dass die Wunderbar zu einer Kontaktbar wird, in der Prostituierte Freier anwerben.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Zwischen dem Kitschladen Yamatuti und einem Hochzeitsladen soll in der Aarbergergasse schon bald ein weiteres Bordell seine Türen öffnen. Oberhalb der kürzlich eröffneten Wunderbar sollen auf zwei Stockwerken und in sechs Zimmern Prostituierte ihre Dienste anbieten. So möchte es zumindest Bordellbetreiber Dominic Schmid, über dessen Pläne der «Bund» vor kurzem berichtete.

Bis die Behörden Schmid die Bewilligung erteilten, mussten einige bürokratische Hürden genommen werden. Nun droht ihm auch noch die Nachbarschaft das Geschäft zu vermiesen: Die Interessensgemeinschaft (IG) Aarbergergasse sammelt derzeit Unterschriften für eine Kollektiveinsprache gegen die Baupublikation, wie die «Berner Zeitung» berichtete.

«Schmerzgrenze erreicht»

«Die Schmerzgrenze ist erreicht», sagt Bernhard Hüsser, Wirt des Restaurants Moléson und Präsident der IG. Für Hüsser, der seit 21 Jahren in der Aarbergergasse wirtet, ist die Partymeile «in vieler Hinsicht sehr stark belastet». Neben dem Bordell über dem Casa Marcello arbeiten Prostituierte derzeit auch oberhalb der Taxi-Bar an der Speichergasse und im Ryffligässchen über dem Ciné 6. Die Einsprecher befürchten ausserdem, dass die Wunderbar zu einer Kontaktbar wird, in der Prostituierte Freier anwerben.

Tatsächlich ist der Geschäftsführer der Wunderbar, Roland Staudenmann, laut Handelsregister mit dem Bordell-Betreiber Schmid verbunden: Die beiden sitzen zusammen in der Geschäftsleitung der B.J.R. Gastro GmbH. Hüsser nennt diese Verbindung eine «unheilige Allianz». Dass die Wunderbar auch Stühle auf die Strasse stellt, sorgt bei Hüssers IG, welche hauptsächlich aus Hausbesitzern und Geschäftsinhabern besteht, für zusätzliche Beunruhigung. Sie fürchten, dass die Aarbergergasse «wieder zu einer ungemütlichen und unheimlichen Hinterhof-Gasse verkommt».

Bordellbetreiber schweigen

Wunderbar-Chef Staudenmann ist auch Geschäftsführer des Casa Marcello, des letzten Spuntens in Bern, in dem Obdachlose und Süchtige noch toleriert werden. Seit Staudenmann das Casa Marcello übernommen habe, hätten die Probleme zugenommen, sagt Moléson-Wirt Hüsser. Laut Hüsser kommt die Unterschriftensammlung für die Einsprache in der Aarbergergasse gut voran. Wie gut, wird sich spätestens nach Ablauf der Einsprachefrist, Ende Juli, zeigen.

Von den Bordell-Betreibern Schmid und Staudenmann wollte niemand zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Staudenmann ist in der Szene kein Unbekannter. Er gründete die Taxi-Bar und betrieb Berns grösstes Bordell am Lagerweg in der Lorraine. Nach der Schliessung des Bordells 2013 übernahm Staudenmann das After-Hour-Lokal Jack Club in der Schweizerhofpassage.

Der Bund

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