Keine günstigen Bücher mehr in der Unitobler

Die Bugeno schliesst nach 23 Jahren ihre Filiale in der Unitobler. Die Digitalisierung des Unibetriebs hat den Verkauf gedrosselt.

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Hanna Jordi

Das Skript zur Literaturvorlesung, das Grundlagenwerk «Einführung in die Philosophie» oder Tickets für die nächste Uni-Party: Für solche Anliegen waren Studentinnen und Studenten bis anhin in der Filiale der Studentischen Buchgenossenschaft Bern (Bugeno) in der Unitobler an der richtigen Adresse. Bald ist damit aber Schluss, der Laden geht per 13. Mai zu. «Schweren Herzens» hat die Genossenschaftsleitung gemäss Meldung auf der Webseite entschieden, nur noch drei Bugeno-Filialen zu betreiben.

Der Schlussverkauf hat längst begonnen. Im Geschäft an der Ecke Länggassstrasse und Lerchenweg blickt Filialleiter Edi Lehmann auf halb leere Regale. Lehmann war es, der den Laden in der damals frisch eröffneten Unitobler 1993 einrichtete. «Viele Studenten sind traurig, wenn sie von der Schliessung erfahren», sagt er. Erstaunt seien jedoch die wenigsten. Man muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben, um zu verstehen, dass die Buchläden der Bugeno von den Krise der Buchbranche nicht verschont bleiben.

«Die Bedürfnisse der Studierenden haben sich geändert», so Lehmann. Stellten sich die Studierenden früher umfassende Leselisten aus Buchhandlungen und Bibliotheken zusammen, stehen heute die nötigen Aufsätze oftmals auf digitalen Plattformen zur Verfügung. Auch in Bibliotheken stehen Standardwerke heute vermehrt zum Download bereit. Mit der Abwanderung der Sozialwissenschaften in das vor zwei Jahren eröffnete Von-Roll-Areal verlor die Bugeno in der Unitobler zudem einen Teil ihres Sortiments. Dieses wird seither in der Von-Roll-Filiale angeboten.

Sechs Franken Unterschied im Handel

Die Bugeno war 1976 als nicht profitorientierte Organisation gegründet worden, als Antwort auf die Abschaffung des Studienrabatts. Ziel war es, Lehrbücher weiterhin reduziert anbieten zu können. Mit dem Wandel des Buchhandels wurde auch die Bugeno herausgefordert – Anfang der 90er fielen die Extrapreise für Studierende vollständig. 2007 wurde die Buchpreisbindung aufgehoben, was zu einem stärkeren Wettbewerb zwischen den Anbietern führte. Die Bugeno versuchte dem Preiskampf entgegenzuwirken, indem sie Studierenden Rabatte auf Bücher und Lernmedien sowie punktuelle Semesterrabatte gewährte. Lehmann ist denn auch überzeugt, dass nicht die Preispolitik den Ausschlag für die eingebrochenen Verkäufe gegeben hat. «Wir sind wirklich günstig.»

Sie sind es – zumindest im Vergleich mit anderen Buchhandlungen der Stadt, die sich am Verkaufspreis der Verlage richten. Im Onlinehandel dagegen sieht es anders aus. Das Fachbuch «Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft» kostet in der Bugeno 42 Franken. Eine kurze Internetsuche fördert ein günstigeres Angebot zutage: Auf Bestellung ist das Buch für 32.30 Euro zu erhalten, gebraucht gar für nur 25 Euro. Beim aktuellen Eurokurs ist das doch immerhin ein Unterschied von mindestens 6 Franken.

«Notfallapotheke» für Studenten

Eine zu grosse Differenz für preisbewusste Studentinnen und Studenten? Wer sich im Innenhof der Unitobler umhört, trifft auf überzeugte Buchbesitzerinnen und Bugeno-Kundinnen. Sie lege Wert darauf, «die Bücher im Büchergestell zu haben», sagt die Französisch- und Spanischstudentin Eliane. Zwei Bücher habe sie sich dieses Semester in der Bugeno gekauft. Auch Livia, ihres Zeichens Sozialanthropologin, hat sich zuletzt «vor ein paar Wochen» ein Buch in der Bugeno gekauft. Sie will ihre Bücher künftig weiter in einer der Bugeno-Filialen bestellen. «Amazon kommt für mich nicht infrage.»

Auch die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) bricht eine Lanze für die Buchgenossenschaft. Im letzten Uni-Magazin heisst es: «Die Bugeno ist mehr als eine Buchhandlung. Sie ist Anlaufstelle, manchmal sogar Notfallapotheke am Abend vor der Prüfung.»

Auf Bestellung werden die Geisteswissenschafter der Universität Bern ihre Unterlagen weiterhin bei der Bugeno erhalten. Ganz abschreiben möchte Lehmann den Standort Unitobler nicht. «Wir hoffen, in Zukunft allenfalls auf einer kleineren Fläche wieder Bücher und Skripts anbieten zu können. Die Genossenschafter prüfen Optionen. Die drei weiteren Bugeno-Filialen im Hauptgebäude, im Von-Roll-Areal und an der Murtenstrasse werden indes weiterbetrieben. Und Edi Lehmann wird künftig hinter dem Tresen in der Von-Roll-Bugeno anzutreffen sein. Was im Raum der Buchhändlerei geschieht, hat die Universität gemäss Medienstelle noch nicht entschieden.

DerBund.ch/Newsnet

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